Manfred Lütz und Bernd StelterDiese Menschen aus der Region mögen es traditionell

Manfred Lütz
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Bornheim – Wenn Bernd Stelter sich zurückerinnert an Weihnachten in seiner Kindheit, dann denkt er sofort an ein ganz bestimmtes Krippenspiel, bei dem er auch noch im Alter von 15 Jahren begeistert mitgemacht hat. Groß geworden ist der heute in Bornheim lebende Kabarettist in dem 400-Seelen-Dorf Unna-Stockum. „Das Dorf war so klein, eine eigene Kirche hatten wir nicht“, erzählt er. Zur Schule und zum Gottesdienst ging man in den Nachbarort Lünern. Das Krippenspiel wurde von den Kindern der Dörfer aufgeführt. „Ich spielte den ,kleinen Hirten’“, schmunzelt Stelter. Als gegen 16.30 Uhr der erste Gottesdienst begann, sei die ganze Kirche voller kleiner Kinder gewesen. Der zweite Gottesdienst habe dann gegen 18 Uhr begonnen. „Das Problem war die Pause zwischen beiden Aufführungen“, erzählt der heute 58-Jährige. Die Darsteller hielten sich in dieser Zeit im Gemeindehaus auf. „Durch einen dummen Zufall haben wir im Jugendraum dann eine fast volle Flasche Apfelkorn gefunden“, berichtet er. Und die habe man brüderlich geteilt mit der Folge, dass das anfängliche Lampenfieber einer kaum zu erschütternden Selbstsicherheit wich.

Bernd Stelter
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„Die entscheidende Szene für mich als kleiner Hirte war, dass ich durch das helle Licht des Engels erwachte, der von der Geburt des Jesuskindes künden sollte“, schildert Stelter die dann folgenden Ereignisse. Der Engel sei auch erschienen und habe einigermaßen fröhlich seine Botschaft verkündet. „Worauf ich erschrocken ausrufen sollte: ,Weiche von mir, oder ich hetze meine Hunde auf Euch!’“ Das habe am Nachmittag auch hervorragend geklappt.
Bei der zweiten Aufführung war er aber nicht mehr so ganz bei der Sache, habe die Tiere durcheinandergebracht und ausgerufen: „Weiche von mir, oder ich hetze meine Schafe auf Euch!“ Im nächsten Augenblick habe er nur noch das schallernde Gelächter der Gottesdienstbesucher gehört. Ob er damals peinlich berührt war? Eher nicht. „Ich stand da, vor dem Altar, vor dem Engel mit leuchtendem Stern, genoss den Applaus und dachte bei mir: Das ist die Lösung. Du wirst nicht Bankkaufmann. Du wirst Komiker!“
Bei Lütz’ens ging es etwas anders zu an Heiligabend
Bestsellerautor Manfred Lütz erinnert sich noch gut an das dunkle Souterrainzimmer. Alle vier Kerzen am Adventskranz brannten, als die Kinder dort am späten Nachmittag mit ihrer Großmutter Adventslieder sangen und auf das Christkind warteten. „Erst als das zarte, helle Glöckchen läutete, durften wir ins Weihnachtszimmer“, erzählt der inzwischen 65-Jährige. Und genau diesen Augenblick, der sich in seiner Kindheit und Jugendzeit viele Male wiederholt hat und stets im gleichen Ritus ablief, sei für ihn bis heute der schönste Moment des ganzen Weihnachtsfestes gewesen: „Wenn wir aus dem Dunklen ins strahlende Weihnachtszimmer traten, wo meine Eltern schon auf uns warteten und wo der hell erleuchtete Weihnachtsbaum stand.“ Nach dem Gebet vor Maria, Josef und dem Jesuskind wurde im Kreis der Familie „Stille Nacht“ gesungen, begleitet von einer alten mechanischen Musiktruhe und einem Xylophon. „Danach war Bescherung und anschließend gab es immer ein festliches Weihnachtsessen“, berichtet er.

Das Kind und das Kitz: Ein Erinnerungsfoto von Manfred Lütz.
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Spät am Abend sei die ganze Familie gemeinsam zur Christmette gegangen. „Ich habe seit meiner Geburt bis heute keine einzige Christmette verpasst“, sagt Lütz. Wie seine Geschwister hat auch er jedes Jahr einen Wunschzettel ans Christkind geschrieben. „Als ich sieben Jahre alt war, habe ich mir eine Modelleisenbahn gewünscht“, weiß er noch. Und was habe er sich gefreut, als diese dann tatsächlich unter dem Weihnachtsbaum stand!
Allerdings liebte auch sein Onkel Rolf Modelleisenbahnen, und der Onkel und seine Tante „waren Weihnachten immer dabei“. Onkel Rolf, der Ingenieur, habe die Modelleisenbahn dann Heiligabend mit ihm aufgebaut. „Am ersten Weihnachtstag bauten wir weiter, vier Weichen und weitere Gleise kamen dazu“, erinnert sich Lütz. Nach Weihnachten habe der Onkel die Modelleisenbahn allerdings mit nach Hause genommen. „Er wollte sie für mich noch größer bauen“, wird Lütz nie vergessen. Allerdings musste er lange auf die Bahn warten: „Erst als ich zwölf Jahre war, hat mein Onkel sie mir mit 40 Weichen zurückgebracht“, schmunzelt Lütz. „Da war ich aber an Eisenbahnen nicht mehr interessiert ...“
Auch Tom Beckmann (19) sind Rituale zum Weihnachtsfest sehr wichtig

Tom Beckmann
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Der junge Mann aus Walberberg besucht zurzeit das Wirtschaftsgymnasium in Brühl. „Heiligabend feiern wir solange ich denken kann zu Hause mit der ganzen Familie.“ Großmutter und Onkel sind auch beim Essen dabei, die Mutter kocht stets etwas ganz besonders Leckeres. „Den Weihnachtsbaum bauen wir oft schon ein paar Tage vor dem Fest auf und schmücken ihn manchmal gemeinsam“, erzählt er. Wichtiger noch als die Geschenke sei für ihn das gemeinsame Essen. „Das ist immer das Allerschönste“, schwärmt Tom Beckmann. „Wir nehmen uns dazu viel Zeit, alle sind gut gelaunt und es wird viel gelacht und erzählt.“ Natürlich gibt es auch Geschenke. „Meistens beteiligt sich daran dann die ganze Familie“, sagt der 19-Jährige. So seien auch größere Geschenke möglich. Er selbst geht am liebsten mit seinem Bruder die Geschenke einkaufen. „Viel zu oft allerdings in letzter Minute“, lacht er. Besonders schön findet er es auch, dass alle Jahre wieder nach der Bescherung die Gesellschaftsspiele ausgepackt werden. „Mit den Eltern, meinem Bruder, Oma und Onkel spielen wir dann bis in die Nacht hinein Bluff“, freut er sich.
Denise Özkan (18), Abiturientin aus Bornheim, feiert Heiligabend immer mit ihrer Mutter und ihrer Oma

Denise Örkan
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Schon jetzt freut sie sich auf das gemeinsame Abendessen. „Bei uns gibt es ganz klassisch Kartoffelsalat mit Würstchen“, erzählt sie. Den Weihnachtsbaum sucht sie mit ihrer Mutter gemeinsam immer schon einige Tage vor dem Fest aus. „Den schmücken wir auch zusammen“, erzählt sie. Die Festtagsstimmung kann die junge Frau wirklich genießen: „Alle haben dann Zeit für schöne und lange Gespräche.“ Auch hier gibt’s Präsente: „Aber wir schenken uns wirklich nur Kleinigkeiten“, sagt sie. Viel wichtiger sei ihr ohnehin das gemeinsame Feiern. Nachdem die Großmutter spät am Abend nach Hause gefahren ist, bleibe sie mit ihrer Mutter oft nach lange wach. Zurzeit könne sie sich gar nicht vorstellen, Weihnachten einmal anders zu feiern. „Ich finde das Fest in diesem Ablauf wirklich schön“, sagt sie.
