Ausstellung zum Vorgebirge„Von der Postkarte zur E-Mail“ in Bornheim

Fast jede Ortschaft im Vorgebirge bot früher Ansichtskarten mit den schönsten Motiven zum Verkauf an,
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Bornheim – Nicht die Inhalte der Texte, als vielmehr die Botschaften auf den bedruckten Seiten der Postkarten stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „Von der Postkarte zur E-Mail“. Am Samstag wurde sie von Bürgermeister Wolfgang Henseler in der Bürgerhalle im Rathaus eröffnet. Und man muss sich schon ein bisschen Zeit nehmen und genauer hinsehen, um die ganze Aussagekraft dieser besonderen Ausstellung zu erfassen.

In der Bürgerhalle im Bornheimer Rathaus ist die Nachrichten-Ausstellung noch bis Ende März zu sehen.
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Zu sehen sind Feldpostkarten der beiden Weltkriege, aber auch Gruß- und Ansichtskarten, die unter anderem das Vorgebirge von seiner Schokoladenseite zeigen. Fast aus jeder Ortschaft gab es früher besondere Ansichtskarten, die beispielsweise um 1900 noch keine Fotografien, sondern Gemälde der Landschaft und Sehenswürdigkeiten etwa mit dem Schloss in Rösberg, dem Rhein in Hersel und der Burg in Sechtem zeigten.
Schon alleine aus der Vielzahl der verschiedenen Motive lässt sich erahnen, dass die Touristikbranche schon zu früheren Zeiten boomte. Und dass der Wunsch, sich seinen Lieben daheim aus der Ferne mitzuteilen, keineswegs ein Phänomen des 21. Jahrhunderts ist. Stadtarchivar Jens Löffler sieht die Post- und Ansichtskarte sogar als klassischen Vorreiter der modernen SMS beziehungsweise WhatsApp. „Die modernen Mobilfunkgeräte und die E-Mails haben der analogen Post lediglich den Rang abgelaufen“, sagte Löffler.
Bis 31. März
Der Eröffnung der Ausstellung voraus ging beim „Tag der Archive“ eine Führung durch das Stadtarchiv, bei der Jens Löffler rund 20 interessierte Bürger begrüßen und so manchen historischen Schatz zeigen konnte.
Die Ausstellung „Von der Postkarte zur E-Mail“ in der Bürgerhalle ist noch bis zum 31. März zu sehen. (mkl)
Der Ausstellung voraus ging für ihn eine ganz besondere Recherche, bei der er sich tief in die Bornheimer Kommunikationsgeschichte und ihrer telegrafischen Entwicklung hineingearbeitet hat. So vermutet er, dass es das erste Telefon vermutlich 1894 bei der Post-Agentur in Walberberg gegeben hat. Bei seinen Nachforschungen stieß er auch auf die Telegrafenstation der Bürgermeisterei Hersel in Wesseling aus dem Jahr 1876. „Und die ersten Poststationen in Bornheim und Hersel wurden vermutlich schon ab 1819 zunächst nebenberuflich betrieben“, so Löffler. Er geht davon aus, dass mit der Eröffnung der Eisenbahn ab 1844 an den Bahnhöfen in Roisdorf und Sechtem auch richtige Postämter eröffnet wurden. 1902 habe man dann zunächst Roisdorf und Bornheim ans Telefonnetz angeschlossen.
Fast 90 Jahre älter, aus dem Jahre 1991, ist das klotzige rund 2,5 Kilogramm schwere Mobilfunkgerät, das Löffler in einer Glasvitrine platziert hat. Und mit einem Arbeitsspeicher von vier MB war das Jetbook 486 vor nur drei Jahrzehnten noch ein Hightech seiner Zeit. Auch ihm hat Löffler einen guten Platz in der Vitrine gegeben.
Seit Anfang des Jahres hat der Archivar an der Ausstellung gearbeitet. Viele Exponate, insbesondere die Feldpost hat er auch aus der Sammlung des Heimatkundlers Franz-Josef Geuer nehmen können. Dank dieser teils einmaligen Exponate war es möglich, auch die propagandamäßige Aussagekraft der Feldpost-Motive herauszustellen. Eine Karte zum Beispiel aus dem Ersten Weltkrieg von 1917 ist untertitelt mit dem Slogan „Das Draht-Hindernis“. Es zeigt die Zeichnung eines gut genährten Soldaten, der verlegen feststellt, dass ihm das nötige Kleingeld für einen Kinobesuch fehlt. Der Begriff „Drahthindernis“ stammt, wie Löffler erklärte, aus dem Militärjargon und bezieht sich auf den Stacheldraht, der in den Grabenkämpfen des Ersten Weltkriegs massenhaft eingesetzt wurde. Löffler sieht in solchen Motiven auch eine Verharmlosung der Kriegsgeschehnisse. Fast kitschig wirkt auf ihn auch die Feldpost, auf der die Szene eines sterbenden Soldaten in geradezu romantischer Umgebung völlig ohne Blut und Dreck dargestellt ist. „Sie wurde schon ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs aus den Ausbildungslagern verschickt und steht in einem wirklich krassen Gegensatz zur Realität“, erklärte der Stadtarchivar.
Zu jedem Postkartenmotiv weiß Löffler eine Geschichte zu berichten.
