Die Mertenerin Hildegard Helmes besuchte einen befreundeten Priester und dessen Gemeinde in Tansania. Dabei lernte sie das Leben vor Ort kennen.
Bornheimerin in Tansania„Keiner verlässt ohne wirkliche Not seine Heimat“

Hildegard Helmes bei der Übergabe der Spenden aus Merten und dem Vorgebirge in Tansania mit Pfarrer Dr. Method Mihawa.
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„Trotz ihres schweren Lebens und ihrer offensichtlichen Armut versprühen diese Menschen eine ansteckende Lebensfreude und Glück“, schildert Hildegard Helmes ihre Eindrücke, die sie in Ostafrika gesammelt hat. Noch sind die Erlebnisse allgegenwärtig, die die Mertenerin Helmes in Tansania in der Stadt Iringa gemacht hat. Drei Wochen, bis kurz vor Weihnachten, war sie mit drei ihrer vier erwachsenen Kinder und ihrer Schwiegertochter in Ostafrika. „Wir haben einen guten Freund, einen katholischen Priester, dort besucht“, berichtet sie.
Den guten Freund kenne sie bereits seit 2005, genauer seit den Vorbereitungen zum Weltjugendtag. „Wir haben damals hier bei uns im Haus fünf jungen Leuten aus Italien Quartier gegeben“, erklärt sie. Einer von ihnen sei der damals noch fast jugendliche Theologiestudent Method Mihawa gewesen. „Wir waren uns vom ersten Moment an sympathisch“, erklärt Helmes. Trotz der anfänglichen Sprachbarrieren hätten sie sich gut verständigen können.
Mit einem Doktortitel zurück nach Ostafrika
2008 habe Mihawa noch einmal für ein paar Wochen bei ihnen im Haus in Merten gewohnt, als er in Bonn in der Kreuzkirche die deutsche Sprache lernte. „Für kurze Besuche ist er öfter auch zwischendurch aus Italien angereist“, erinnert sich Helmes. So sei aus dem Freund der Familie bald auch ein Freund der Pfarrgemeinde geworden. Bei seinen Besuchen habe er auch schon mal bei Gottesdiensten in der Kirche St. Martin zusammen mit Pfarrer Norbert Prümm am Altar gestanden. „Method Mihawa hat auch unsere Tochter in der Kirche Maria Laach mit getraut“, berichtet Helmes. Damals hatte er bereits promoviert.
Mit seinem Doktortitel im Gepäck war er 2015 zurück nach Tansania gereist. Der Bischof habe zurück in die Heimat, nach Ostafrika, gerufen. „Dr. Method Mihawa wurde dort gebraucht“, so Helmes. Zuletzt 2017 sei der afrikanische Pfarrer in Merten gewesen. „Schon damals hat er uns und der Kirchengemeinde von seinen Projekten in seiner Heimat berichtet, vom Bau des Kindergartens, der Schule und des Gesundheitszentrums. Damals hat er uns auch versprochen, uns sein Land zu zeigen“, erinnert sich Hildegard Helmes. Zunächst hielten sie aber Kontakt über WhatsApp. Öfter wurde in den folgenden Jahren in Merten auch Geld für die Projekte des Ostafrikaners gesammelt. Doch erst als Hildegard Helmes die Armut der Menschen mit eigenen Augen sah, wurde ihr bewusst, wie reich die Menschen in Deutschland und der gesamten westlichen Welt sind. „Wir leben in einem wahren Luxus“, sagt sie.
Einfach gebaute Gotteshäuser

Die Kirchen im Bezirk des Pfarrers sind einfach - aus Holz gebaut und viele ohne Dach.
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Pfarrer Mihawa arbeite in einer ländlichen Region. Sein Bezirk umfasse 23 Kirchen im Umkreis von bis zu 50 Kilometern. „Das sind aber keine Kirchen, die so gebaut sind, wie wir sie hier kennen“, so die Mertenerin. Die Gotteshäuser seien aus einfachen Holzstämme gebaut – die meisten Kirchen hätten kein Dach. Als Altar diene eine Plastiktonne mit einem Brett, über das eine Decke gelegt wird. Die Kirchenbänke bestünden aus drei übereinander gestapelten Ziegelsteinen und einem Brett darüber. „Darauf sitzen und knien die Gottesdienstbesucher“, erklärt sie. Doch die Messen, die diese Menschen darin zusammen feiern, seien voller Leben. Bunt, laut und unglaublich musikalisch würden sie den lieben Gott verehren. Die Frauen, von denen viele ihre Kinder in großen bunten Tüchern auf dem Rücken trugen, seien in wunderbare farbenprächtige Gewänder gehüllt.
Um ihre Kinder im Kindergarten abgeben zu können, gingen die Mütter morgens bis zu sechs Kilometer zu Fuß – für eine Strecke. Mit einem kleinen Bus hole Pfarrer Mihawa morgens die Schulkinder ab. Den Bus habe er geschenkt bekommen, für die Unterhaltskosten müsse er jedoch selber aufkommen. In der Berufsschule lernen die jungen Menschen Elektrik, Schneidern, Maurern und Schreinern. „Der Abschluss nach drei Jahren ist staatlich anerkannt“, sagt Helmes. Über die Bonner Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit „Senior Experten Service“ (SES) werden ehrenamtliche Fach- und Führungskräfte im Ruhestand an die Berufsschule zu Pfarrer Mihawa vermittelt. Dort sorgen 24 Solarmodule für Strom. „Die Kollektoren sind einfach auf ein Wellblechdach montiert“, beschreibt die Merternerin die Lage. Und wenn keine Sonne scheint, dann gebe es auch keinen Strom. Deswegen spare der Pfarrer zurzeit auch noch für ein Windkraftrad.
Unterstützung bei der Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort
Öfter sei Mihawa während ihres Aufenthalts mit Helmes und ihren Söhnen durch das Land gefahren. „Die allermeisten Menschen leben in ganz einfachen Häusern, umgeben von kleinen Gärten, in denen sie Gemüse und Obst für das tägliche Leben anbauen. Das gute Gemüse verkaufen die Frauen auf dem Markt, das schlechtere essen sie selber“, sagt Helmes. Richtig schwer sei es ihr nach der Rückkehr gefallen, den Überfluss an Lebensmitteln zu Hause im Supermarkt zu sehen. Vor einem Senfregal dabei habe sie damit begonnen, zu rechnen, was sie für den Preis von einem einzigen Glas Senf in Tansania alles kaufen und den Menschen dort geben könnte.
„Ein Arzt verdient im Gesundheitszentrum von Pfarrer Method etwa 100 Dollar im Monat“, sagt sie. Selber lebe er von den Spenden der Gemeindemitglieder – mal ein bisschen Reis, mal Gemüse und Obst und manchmal auch ein bisschen Geld. „Keiner verlässt ohne wirkliche Not seine Heimat“, ist Helmes überzeugt. Die beste Entwicklungshilfe sehe sie deswegen in der Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei möchte sie ihren Freund und seine Gemeinde auch weiterhin unterstützen. Bildung, Arbeit und Gesundheitsvorsorge bildeten für die Mertenerin dabei wichtige Säulen.
