Desinfektion statt WeihwasserHeilige Messe in Bornheim mit Platzanweiser und Abstand
Bornheim – „Die Kirche und die Gottesdienste haben mir so sehr gefehlt“, erklärt am Sonntagvormittag Gerda Hochgürtel ihren Besuch in der Pfarrkirche St. Walburga. Nach achtwöchiger Pause fand dort wieder ein öffentlicher Gottesdienst statt. Und Hochgürtel ist nicht die einzige, die sich auf diese Messfeier ganz besonders freute. „Gerade in diesen Zeiten ist es mir ein besonderes Bedürfnis, in die Kirche zu gehen“, erklärte Adele Brenig (71) ihr Kommen. Ehemann Josef Brenig pflichtet ihr bei: „Schmerzlich haben wir in den vergangenen acht Wochen die gemeinsamen Gottesdienste hier vermisst.“ Und Claudia Düx (49): „In dieser außergewöhnlichen und schwierigen Zeit finde ich es sogar sehr wichtig, den Glauben zusammen, wenn auch mit gebotenem Abstand, zu feiern und zu leben.“
Auf diese Gemeinschaft freute sich auch Alexandra Rüb (46). Sorge, sich in der Kirche anstecken zu können, habe sie überhaupt nicht: „Ich arbeite seit vielen Jahren in der Altenpflege.“ Von Anfang an habe sie dabei gelernt, sich zu schützen. Sibille Liebemann (77) hingegen ist so besorgt wie beim Einkauf. Doch die Freude auf den Gottesdienst sei einfach stärker gewesen. Wie alle anderen Christen trug sie beim Gang in die Kirche an diesem Sonntag eine Mund-Nasen-Maske.
Pfeile auf den Boden geklebt
Hans-Dieter Wirtz, Michael Montenarh und Daniel Horn vom Kirchenvorstand hatten sich bereits am Samstag in der Kirche getroffen und mit Pfeilen eine Art Einbahnstraßensystem auf den Boden geklebt. Sie holten die Gottesdienstbesucher an der Kirchentür ab und begleiteten sie zu ihren Plätzen. Schon zu Beginn der vergangenen Woche hatten sich die Teilnehmer telefonisch mit Namen und Adresse für diese Messfeier anmelden müssen. Die etwa 50 Sitzplätze in der Kirche waren gekennzeichnet. Statt Weihwasser gab es am Eingang die Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren. Beim Betreten und Verlassen der Kirche war das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes Pflicht. Die gemeinsam gesprochenen Gebete lagen auf Zetteln ausgedruckt am Platz. Gemeindegesang war verboten und auch der Friedensgruß durch Händeschütteln wurde untersagt.
„Wir können nicht nahtlos dort ansetzen, wo wir vor acht Wochen aufgehört haben“, erklärte Pfarrer Matthias Genster. Natürlich freute auch er sich, Gemeindemitglieder wiederzusehen. In seiner Begrüßung riet er, Abstand zu halten und am Ende des Gottesdienstes langsam und nacheinander aus der Kirche zu gehen. Ansonsten versprach er, das Beste aus der Situation zu machen. Und er hielt Wort. Auch wenn die gemeinsam gesungenen Lieder fehlten, so entschädigte doch der klare Gesang, mit dem sich Seelsorgebereichskirchenmusikerin Anna-Maria Michael bei ihrem Orgelspiel selbst begleitete. Emotionen kamen auch bei den gemeinsam gesprochenen Gebeten zum Ausdruck.
Mit angezogener Handbremse gefeiert
„Ich konnte Euch aber ansehen, dass Ihr gerne mitgesungen hättet“, merkte Diakon Achim Fuhrmann lächelnd in seiner Predigt an. Tränen füllten seine Augen. „Ich habe mich auf Euch alle so gefreut“, unterbrach er sich und fuhr fort: „Aktuell sind wir eben mit angezogener Handbremse unterwegs.“ Er erzählte von den „Halbgesichtern“, die er aktuell beim Einkaufen sehe und teils nicht erkenne. Er erlebe aber auch, dass sich Menschen nach seinem Wohlbefinden erkundigen, die er kaum kenne. „Wenn wir aufeinander Acht geben, wird auch auf uns Acht gegeben“, sagte er und versprach: „Es lohnt sich, weiter mit angezogener Handbremse unterwegs zu sein.“ Vor Corona habe man alles gehabt. „Vielleicht musste es uns mal einer nehmen, damit wir spüren, wir sehr wir diese Gemeinsamkeit, die Umarmungen, Händeschütteln und Nähe vermissen“, sagte Fuhrmann. Er rief auf, ungeachtet der Hindernisse den Weg weiterzugehen. „Wichtig ist nur, dass wir ankommen.“
