Erlös für AleppoMartin Langer fertigt Figuren für den guten Zweck

Verschiedene Hölzer, verschiedene Kronen, viele Farben: Martin Langer variiert sein Thema.
Copyright: Foto: Frank Engel-Strebel
Bornheim-Merten – Martin Langer geht es in Zeiten der Corona-Krise so wie vielen anderen Künstlern auch: Ausstellungen wurden abgesagt, vieles steht einfach still. „Als ich Mitte März einen ,kleinen König’ auf Wunsch anfertigte kam mir die Idee zu diesem Projekt“, sagt der Bildhauer, Gründer und Inhaber des Kunsthofs Merten. Fortan kreierte er an jedem Arbeitstag einen „kleinen König“ aus Holz. Die Aktion dauert voraussichtlich noch bis zum 11. Mai. Teile des Erlöses kommen einem guten Zweck zugute, der Bruderschaft der Blauen Maristen im syrischen Aleppo.
Figuren sind etwa 20 Zentimeter hoch
Langers kleine Figuren, die er aus verschiedenen Hölzern wie Eiche, Birne, Buche, Walnuss- oder Pflaumenbaum anfertigt, sind rund 20 Zentimeter groß. Er schnitzt sie aus den Holzstücken, anschließend werden sie farbig lasiert oder geölt, manche bekommen ein Krönchen aus Blattgold auf ihr Haupt gesetzt. Einige sind naturbelassen, es gibt sie aber auch in knalligem Blau, hellem Rot, sattem Grün oder in dezentem Weiß. Die Könige sind für den 53-jährigen Künstler fast schon eine Art Markenzeichen. Vor zehn Jahren installierte Martin Langer mitten auf dem Kreisverkehr in Kardorf drei seiner bekannten, großen Figuren.
Ateliergemeinschaft
Der Kunsthof Merten ist eine Ateliergemeinschaft von fünf bildenden Künstlern aus den Bereichen Malerei und Bildhauerei. Martin Langer hatte den alten Vierkanthof, in dem einst die Mertener Feuerwache beheimatet war, gekauft und im Jahr 2000 den Kunsthof gegründet. Normalerweise öffnen die Künstlerinnen und Künstler einmal im Jahr ihre Ateliers. In Coronazeiten bleiben diese allerdings vorerst geschlossen. Die Kunstschaffenden Maria Dierker, Martin Langer, Sigrid Rauscher, Regina Thorne und Birgit Wenninghoff hoffen, dass sie spätestens zur Jahresausstellung im Herbst wieder Gäste begrüßen dürfen. (fes)
www.kunsthof-merten.de
Immer wieder fertigt er in seinem Atelier im Kunsthof Merten hölzerne Majestäten in unterschiedlichen Größen, Farben und Formen an. Wie kam er darauf? Martin Langer, der in den 1990er Jahren zunächst eine Ausbildung zum Orgelbaugesellen beim renommierten Bonner Orgelbaubetrieb Klais absolviert hatte, studierte von 1993 bis 1997 an der Alanus Hochschule in Alfter Bildhauerei. „Aus einem Impuls heraus sind damals meine ersten Könige entstanden“, schildert er. Die Könige, deren Abbildungen er immer wieder variiert, sind geblieben. „Sie sind nicht das Abbild menschlicher Vorbilder, sie sind geschlechtsneutral und haben eher eine symbolische Bedeutung wie in vielen Märchen, in denen der Jüngling hinaus in die Welt ziehen muss, um die Prüfungen des Lebens zu bestehen; kehrt er innerlich gereift zurück wird er als äußerliches Zeichen zum König gekrönt.“
Nicht nur Könige werden gefertigt
Doch Martin Langer möchte sich nicht auf seine Könige reduzieren lassen. Er fertigt auch Artefakte aus Holz in den unterschiedlichsten Variationen an. Als „Geschöpfe“ bezeichnet er die facettenreichen Skulpturen, die er aus dem Kunststoff Polypropylen herausgearbeitet hat. Zu der Ausstellung „Hü und Hott“ im Kunsthof Merten hatte er vor einigen Jahren Pferdeskulpturen geschaffen, die er mit einer Kettensäge aus Eichenholz geschnitten hatte.
Geboren wurde Martin Langer 1967 in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Sein Vater war als Ingenieur beruflich viel im Nahen Osten unterwegs, auch in Syrien. Daher rührt auch Martin Langers Beziehung zu dem im Bürgerkrieg zerstörten Land. Dreimal war er in den 1980er Jahren vor Ort, seitdem ist er zwar nie mehr dort hingereist, aber die Verbindung zu einigen Menschen ist bis heute geblieben. Aus diesem Grund hat sich Martin Langer entschlossen, einen Teil aus dem Verkauf seiner kleinen Königsskulpturen den Maristen zu spenden. Die Blauen Maristen sind eine Gruppe aus drei Brüdern und etwa 50 Laien sowie mehreren Bildungseinrichtungen, die täglich Menschen in Aleppo mit den grundlegendsten Dingen versorgen wie Essen, Wasser und Strom. Und das unter größten Gefahren. Sie richteten einen Supermarkt ein, verkaufen Kleidung, Essen und Getränke sowie Autozubehör und sorgen für Elektroinstallationen und deren Wartung. Dies alles geschehe in enger Kooperation mit dem Internationalen Missionsverein in Rom. www.maristen-solidaritaet.de
