„Kirche selber machen!“Reger Zulauf bei Abend mit Thomas Sternberg

ZdK-Präsident Thomas Sternberg appellierte an die Laien, beim Wandel der Kirche ihre Stimme zu erheben.
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Bornheim – „Die Aussicht, dass die Laien und die Amtsträger in den Pfarreien wirklich miteinander arbeiten, ist fantastisch, wenn da nur nicht die Wände wären, gegen die man als Laie immer wieder läuft“, meinte Maria Kabica aus Rheinbach. Sie war am Dienstagabend nach Bornheim gefahren, wo auf Einladung der katholischen Frauengemeinschaft (kfd) Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), referierte. Kein Platz war im Pfarrsaal an der Ohrbachstraße mehr frei, als die Sprecherin der kfd Bornheim, Maria Engels, den Abend unter dem Titel „Kirche selber machen!“ eröffnete.
Sternberg ermutigte die Zuhörer, das Geschehen in den Gemeinden selbst in die Hand zu nehmen. Es brauche ein neues, verändertes Selbstbewusstsein: „Laien sind nicht die Helfer des Klerus“, der Klerus sei vielmehr der Diener der Gläubigen.
Sternberg sprach die aktuelle Situation der katholischen Kirche an, die vielen Kirchenaustritte und den rapiden Rückgang der Priester. Habe es 1965 noch 500 Priesterweihen jährlich in Deutschland gegeben, so seien es 2018 nur noch 90 gewesen. Die Zahl der Pfarreien sei zwischen 1990 und 2016 um 23 Prozent gesunken.
Sternberg wünscht sich, dass der Beruf Priester wieder attraktiv und erstrebenswert wird, die volle hauptamtliche Kirche sei aber nicht mehr zu halten: „Ohne ehrenamtliche Helfer geht doch schon jetzt kaum mehr etwas.“ Von den Laien erhofft sich der Professor dort, wo es möglich ist, mehr Einflussnahme, „dann wird das Ehrenamt auch wieder attraktiv“.
Er sprach auch den Vertrauensverlust der katholischen Kirche an und die Antwort der Deutschen Bischofskonferenz darauf: „Der synodale Weg“ mit den Schwerpunkten Macht, Partizipation und Gewalt. Die Macht der Kleriker, priesterliche Lebensformen und das Zölibat sowie die Sexualmoral der Kirche sollen darin neu geordnet und besprochen werden.
Laut Sternberg soll nun auch die Rolle der Frau in der Kirche noch hinzugenommen werden. Er geht aber nicht davon aus, dass in den kommenden 20 Jahren eine Entscheidung zur Priesterarbeit für Frauen fallen wird. Die etwa 100 Gäste im Pfarrsaal rief er allerdings auf, sich in die Prozesse und die Diskussionen einzubringen. Sogar Papst Franziskus ermuntere zum synodalen Weg.
Gerne hätten einige Gäste ganz konkrete Tipps mit nach Hause genommen, wie sie sich etwa gegen die Geistlichen durchsetzen können. „Es gibt noch Priester, die glauben, mit ihrer Weihe auch die Macht bekommen zu haben“, gab Besucherin Ursula Isaza zu bedenken, und ein anderer merkte an: „Das Bistum stülpt den Gemeinden hier einen Hut, vollgepackt mit Verantwortung, über, wofür andere zuvor bezahlt wurden.“ Dass dafür kein Geld da sei, daran glaube er nicht.
