Landgericht BonnSechs Jahre Haft für Dealer aus Bornheim

Das Landgericht
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Bonn/Bornheim – Der Dealer aus Bornheim und seine spanischen Geschäftspartner fühlten sich offenbar hundertprozentig sicher. Ihre Drogeneinkäufe und Preisabsprachen über Ländergrenzen hinweg kommunizierten sie über einen Netzwerkanbieter, der zugesichert hatte, dass sämtliche Nachrichten garantiert von Ende zu Ende verschlüsselt sind.
Kiloweise Marihuana in Spanien eingekauft
Entsprechend offen wurde am Computer über Drogeneinkäufe verhandelt, so als ginge es bloß um den Ankauf von Waschmaschinen oder Weihnachtsbäumen. So wurden Fotos von Cannabispaketen hin und her gepostet, auch über Gewichte und Preise wurde unverdeckt verhandelt. Pech nur: Im Sommer 2020 knackten französische Ermittler von Interpol das EncroChat-System – und Millionen krimineller Machenschaften weltweit flogen auf: Ein Fall führte auch nach Bornheim.
Wegen Drogenhandels im großen Stil hat das Bonner Landgericht jetzt einen 30-Jährigen zu sechs Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Allein im April 2020 hatte der Angeklagte – wie in der gehackten Korrespondenz belegt – zusammen mit einem nicht identifizierten Kompagnon 95 Kilo Marihuana in Spanien eingekauft, wovon er allein für seine weiterverkauften 18 Kilo 130 000 Euro Gewinn erzielt hatte.
Die illegale Ladung war von den spanischen Geschäftspartnern per Post oder in Lkw-Containern versteckt nach Holland oder Deutschland verschickt worden, wo sie in Empfang genommen und in Bunkern, die bis heute nicht entdeckt wurden, gelagert und weiterverkauft wurden.
Als Bandenmitglied reihenweise Bäckereien überfallen
Zweites Pech für den Angeklagten, der zehn Jahre zuvor als Mitglied einer Bornheimer Jugendbande, die reihenweise Bäckereien überfallen hatte, für Schlagzeilen gesorgt hatte: Sein Nutzer-Pseudonym in EncroChat konnte ebenfalls enttarnt werden. Denn in dem streng konspirativen Chat stießen Ermittler auf das Foto eines weißen Mercedes Cabrio 320, das vom Angeklagten geleast worden war. Ein Kumpel des Angeklagten hatte an seiner nagelneuen Limousine eine kleine Beule entdeckt, den Schaden fotografiert und das Bild gepostet. Für die Fahnder hilfreich: Das Kennzeichen des Fahrzeugs war ebenfalls abgelichtet.
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Der 30-Jährige, der einschlägig vorbestraft ist, wurde festgenommen und sitzt seitdem in Haft; bei der Hausdurchsuchung konnte allerdings kein Gramm „Stoff“ gefunden werden. Ohne die gehackten Nachrichten hätte es keine weiteren Beweine über die illegalen Großeinkäufe gegeben. Der Hinweis des Verteidigers, dass diese sich im illegalen Raum bewegenden Chats nicht als Beweismittel genutzt werden dürften, widersprach der Kammervorsitzende: Das Oberlandesgericht Köln habe längst schon solche Fälle „durchgewunken“. Der gehackte EncroChat sei, so das obere Gericht, für eine Verurteilung verwertbar.
Dem Bornheimer Dealer steht jetzt eine lange Haftzeit bevor: Da er noch aus einer alten Strafe zwei Jahre offen hat, muss er insgesamt über acht Jahre hinter Gitter.


