Gesamtschule BornheimHeinrich-Böll-Gesamtschule wird für 54 Millionen Euro neu gebaut

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Windmuehle_Bornheim

Die Pausenhalle (blauer Punkt) bildet das Zentrum des geplanten Schulgebäudes. 

Bornheim – Bornheim bekommt eine „Klimaschule“: Ende 2026 soll der Neubau der Heinrich-Böll-Gesamtschule (HBS) im Mertener Neubaugebiet Me 18 an der Händelstraße auf einem rund 25.000 Quadratmeter großem Grundstück stehen. Nach einer ersten groben Kalkulation wird der Bau mindestens 54,3 Millionen Euro kosten, es könnten aber auch bis zu 62 Millionen Euro werden, je nachdem wie sich künftig Bau- und Materialpreise entwickeln werden.

Einstimmig hatten sich am Donnerstagabend in gemeinsamer Sitzung von Schulausschuss und Stadtrat die Politiker für die Variante „Windmühle“ entschieden, nachdem ihnen Vertreter der Dortmunder Assmann-Gruppe drei Optionen für einen möglichen Schulbau präsentiert hatten. Gleich mit fünf Experten präsentierte das Generalunternehmen, das auf Schulgebäude spezialisiert ist, in der Rheinhalle Hersel das millionenschwere Projekt.

Die Entwurfsvarianten unterschieden sich in Aufteilung und Größe der Gebäudeelemente und Anordnung der Baukörper, der Größe der Freiflächen, der Flächeneffizienz und schließlich der Baukosten. Mit 54 Millionen Euro ist die gewählte Variante die günstigste – gegenüber 56 und 57 Millionen Euro.

Während der erste Vorschlag  beispielsweise langgezogene Gänge vorsah, sieht die favorisierte Skizze eine aufgelockerte, flächensparende Struktur vor. Zentral befindet sich eine überdachte Pausenhalle, von der die weiteren vier Gebäudeteile für Klassenzimmer und Fachräume,  Verwaltungstrakt, Mensa, Aula und Bibliothek in Form von Windmühlenflügeln aus abgehen.

Dadurch bleiben die Wege kurz. Im nördlichen Teil des Plangebietes entsteht die Dreifach-Sporthalle, die auch Vereinen offenstehen soll. Die Anbindung per „Kiss-and-Ride-Zone“ erfolgt über eine Planstraße zwischen Neubaugebiet und Schulcampus. Bei den anderen Varianten waren bis zu vier Geschosse vorgesehen, die „Windmühlen“-Option kommt mit drei aus. Sie kann laut Architekt Christof Janoschka bei Bedarf noch um ein Geschoss erweitert werden.

Erneuerbare Energien

Vorgegeben war den Planern von Seiten der Politik und Verwaltung ein nachhaltiges, energieeffizientes Konzept. Mindestens 70 Prozent der Energie soll aus erneuerbaren Energiequellen stammen.

So wird der Komplex mit einer Geothermie-Grundwasser-Wärmepumpe beheizt. Die CO2-Einsparung entspricht dem Verbrauch von bis zu 130 Pkw im Jahr. Sämtliche Dächer werden mit Photovoltaikanlagen zur Stromgewinnung ausgestattet und begrünt. Es gibt ein modernes, energiesparendes Lüftungskonzept. Gelüftet wird mit Wärmerückgewinnung, dadurch können auch Viren und Allergene ausgefiltert werden. Das Außengelände wird möglichst naturnah gestaltet mit Bäumen oder Wasserflächen, und das Niederschlagswasser soll auf dem Schulgelände versickern können.

Das Gebäude entsteht ressourcenschonend mit nachwachsenden Rohstoffen. Dafür sieht die Assmann-Gruppe einen ausgewogenen Materialmix aus Holz, Stahl und Beton vor, eine Holz-Hybrid-Bauweise. Verwendet werden Holz, natürliche, recycelte und schadstoffarme Materialien. Auf Nachfrage von Paul Breuer (ABB) versicherte Architekt Janoschka, dass ausschließlich Hölzer aus heimischen Gegenden genutzt werden.

Zeitplan für den Neubau

Bis Ende Juli 2022: Abschluss der Vorplanung inklusive Kostenschätzung 

Bis Ende Februar 2023: Abschluss der Entwurfsplanung inklusive Kostenberechnung 

Bis Ende April 2023: Einreichung des Bauantrages 

Bis Ende Oktober 2023: Ausführungsplanung und Erstellung der Vergabeunterlagen 

Ende April 2024: Beauftragung des Generalunternehmers 

Anfang Oktober 2024: Baubeginn 

Ende 2026: Gesamtfertigstellung

(Quelle: Assmann-Gruppe)

Bereits im Vorfeld wurden auch  der Schulleiter der HBS, Klaus Hannak, das Kollegium und die Schüler einbezogen, um ihre Wünsche und Ideen einzubringen: „Wir fühlen uns gut beteiligt und sprechen uns auch für die Variante drei aus“, sagte Hannak, der die Aufteilung der Klassenräume lobte. Durch sie werde jahrgangs- und klassenübergreifender Unterricht möglich. Die zentrale Pausenhalle erlaube viel Begegnung zwischen Schülern und Lehrern. Auch die kurzen Wege und die Dreigeschossigkeit haben Vorteile gegenüber vier Etagen: „Trotz zunehmender Digitalisierung müssen wir eine Menge Material schleppen.“ Auch optisch gefiel Hannak Modell drei am Besten.

Wilfried Hanft (SPD) und Arnd Kuhn (Grüne) sprachen jeweils von einem „Leuchtturmprojekt“. „So einen Entwurf hätten wir uns vor fünf Jahren nicht vorstellen können“, meinte Kuhn. Fraktionskollege Markus Hochgartz ergänzte: „Dieses Vorhaben kann für unsere Region ein Beispiel- und Pilotprojekt werden, an dem sich andere Kommunen orientieren.“ „Wir bekommen eine hochmoderne neue Schule, die den Titel Klimaschule wirklich verdient“, erklärte Sozialdemokratin Anna Peters.

Kosten im Blick behalten

Auch die CDU sprach sich für die Variante aus: Fraktionsgeschäftsführer Sascha Mauel mahnte jedoch, die Kosten im Blick zu halten und diese nicht durch weitere „Partikularwünsche“ in die Höhe zu treiben. Den Christdemokraten sei wichtig, die weiteren Planungen nun zügig anzugehen, da die HBS an ihrem jetzigen Standort „ aus allen Nähten platzt.“ Ähnlich argumentierte auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Matthias Kabon, der den laufenden Haushalt nicht zusätzlich belasten will: „Wichtig ist es, dass es nicht zu Verzögerungen während der Planungsphase kommt, mit immer neuen Ideen aus dem Rat. Die Schüler der Gesamtschule sitzen in Containern und warten  auf ihr neues Schulgebäude.“

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