Sternsinger in Bornheim-WalberbergKleine Könige ziehen durch die Straßen

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Die Sternsinger in einer Reihe aufgestellt.

Die Sternsinger ziehen von St.Walburga los.

In Bornheim-Walberberg zogen am Wochenende viele Sternsinger von Tür zu Tür, um den Bewohnern den Segen zu bringen. Gesammelt wurde für das Kinderkrankenhaus in Betlehem. 

„Manche Bewohner sind schon gut vorbereitet“, erzählt Christa Monternarh. Sie hätten dann schon Geld und Süßigkeiten parat, wenn an ihrer Tür geklingelt wird. Andere scheinen etwas überraschter vom Besuch zu sein. „Ein älteres Paar hat mich sogar anrufen und gefragt, ob sie in diesem Jahr wieder den Sternsinger Süßigkeiten geben dürften“, sagt Montenarh. Ein Satz klingt an diesem Wochenende häufig durch die Straßen von des Bornheimer Ortsteils: „Die Sternsinger aus Walberberg wünschen ein frohes neues Jahr.“ Viele kleine Könige und deren Gefolge machen sich auf den Weg, um den Segen für 2023 zu den Menschen nach Hause zu bringen.

Das Glockengeläut heißt die Kinder in St. Walburga willkommen. Pfarrer Matthias Genster zündet die letzten Kerzen am Altar an, während sich die Sternsinger in der Sakristei umziehen. „Ein bisschen wuselig geht es hier zu“, sagt Christa Montenarh, die die Kinder begleitet. Sie wirkt bereits seit rund 15 Jahren bei den Sternsingern mit. „Die Freude, die man gibt, die kommt auch zurück. Die Menschen freuen sich darüber, wenn wir kommen“, so Montenarh. Dem Dorf ein gutes Jahr und Hoffnung auf gute Zeiten mitzugeben, gehöre auch zu den Dingen, die Montenarh daran schätzt.

Bevor es zu den Dorfbewohnern geht, segnet Pfarrer Genster bei der Aussendung in der Kirche sowohl die Sternsinger als auch die Kreide. In zwei Gruppen gehen sie anschließend durch Walberberg und läuten an jeder Tür im Ort. Das sei durchaus nicht mehr üblich, berichtet Christa Montenarh. In anderen Gemeinden gingen die Sternsinger nicht durch den ganzen Ort, sondern lediglich dahin, wo sich im Vorhinein Gemeindemitglieder angemeldet haben. Zunächst geht es von St. Walburga einmal über die Straße zum Kindergarten, der ersten Tür von vielen, die an diesem Wochenende von den Sternsingern angesteuert werden.

Jedes Kind hat seine Aufgabe

Ein Geldschein wird in die Spendendose eingeworfen.

In die sogenannte Schatzkiste kommen die Spenden, die die Sternsinger sammeln.

Vom Kindergarten aus teilt sich die Gruppe in zwei Hälften. Dann geht es ganz strukturiert los. Alle Kinder, insgesamt sind es neun in dieser Gruppe, haben ihre Aufgabe: Vor den Königen in ihren bunten und edlen Gewändern und ihrem Gefolge gehen die älteren Kinder. Die sind als Vorläufer dafür zuständig, an den Häusern zu klingeln und zu schauen, ob jemand zu Hause ist. Wenn Bewohner da sind, geben sie den anderen ein Zeichen und die Gruppe setzt sich in Bewegung Richtung Haustür. Dort angekommen, stimmt Christa Montenarh, die mit einer Gitarre ausgestattet ist, ein Lied an. „Früher haben wir immer zwei Lieder an jeder Tür gesungen, aber das ist irgendwann einfach zu viel geworden“, sagt Montenarh. Das Dorf sei schließlich immer mehr gewachsen.

Nach dem musikalischen Gruß wünschen die Sternsinger ein frohes neues Jahr und die Könige ziehen mit ihrem Gefolge weiter, sodass der Weg frei ist für die Älteren, die mit der gesegneten Kreide den Segen an die Tür schreiben oder ihn aufkleben. Ein besonderes Mitglied des Gefolges bleibt ebenfalls etwas länger stehen: Felix ist Träger der Schatzkiste und hat eine wichtige Aufgabe. Er sammelt die Spenden ein, die die Sternsinger auf ihrem Weg von Tür zu Tür bekommen. Der 12-Jährige gehört zum Gefolge der Könige und ist „schon lange dabei“. Er finde es besonders schön zu singen und so durch den Ort zu ziehen. „Das Geld, das die Sternsinger sammeln, geht an das Kinderkrankenhaus in Betlehem“, berichtet Montenarh. Ein kleiner Teil bleibe auch in Walberberg für die Messdiener und die Jugendarbeit. In der Gemeinde seien die Spenden schon seit vielen Jahren nicht den jeweiligen Sternsingeraktionen zugute gekommen, sondern dem Kinderkrankenhaus.

Die Tradition in Walberberg weiter fortführen

Christa Montenarh mit ihrer Gitarre vor einer Haustür.

Von Tür zu Tür ziehen die Sternsinger durch Walberberg. Christa Montenarh begleitet sie mit ihrer Gitarre.

Auch Julia ist schon häufig mit den Sternsingern mitgegangen. „Ich finde es schön, die Klamotten zu tragen“, erzählt sie. Außerdem seien die Leute nett, denen sie auf ihrer Reise durch das Dorf begegnet. „Den Stern zu tragen ist am schwierigsten, da muss man gut aufpassen“, sagt die 12-Jährige, die gewissenhaft den großen gelben Stern hochhält. Von einem besonderen Erlebnis hat Anton zu berichten, der den Bollerwagen schiebt. Darin sind Getränke und Platz für die Süßigkeiten, die die Sternsinger von den Anwohnern geschenkt bekommen. „Einmal hat uns eine Frau 100 Euro gegeben“, erzählt Anton freudig. Er sei auch Messdiener und „schon immer bei den Sternsingern“.

„Vorsicht, Auto“, tönt es ab und zu von den Erwachsenen, die die königliche Gruppe auf ihrem Weg von Haus zu Haus durch Walberberg begleiten. Drei Tage lang ziehen die Sternsinger durch den Ort, um alle Bewohner zu besuchen. In den vergangenen beiden Jahren war das nur eingeschränkt möglich. „Die Älteren sind schon seit vielen Jahren dabei, die sind da reingewachsen. Aber uns fehlen diese zwei Jahre, in denen der Nachwuchs nicht gekommen ist“, sagt Montenarh. Es seien an diesem Wochenende allerdings nur etwas weniger Kinder da als in der Zeit vor der Pandemie. „Es liegt uns sehr am Herzen, diese Tradition fortzuführen und jedes Haus einmal zu besuchen“.

Helga und Werner Nonn freuen sich sehr über den Besuch. Ihr Haus ist eines der ersten, die an diesem Tag gesegnet werden. „Das ist ein christlicher Brauch, der hier aufrechterhalten wird und das gehört zu Weihnachten und dem neuen Jahr dazu“, so Helga Nonn. Außerdem unterstützten sie die Spendenaktion gerne. Auch das Zuhause von Hans-Peter und Marianne Rech liegt auf der Route. „Früher bin ich selbst mit den Messdienern mitgelaufen“, sagt Hans-Peter Rech. „Wir sind mit einer Gruppe durch das ganze Dorf gelaufen.“ „Damals waren es nur Jungen“, wirft seine Frau Marianne ein. Die Sternsinger seien eine Erinnerung an früher und eine alte Sitte. „Es ist schön, dass sie für das Dorf da sind“, freut sich Marianne Rech.

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