Wesselinger RheinspangeBornheimer werden nach Kritik an Planungen beteiligt

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- Rund 70 Zuhörer kamen in die Sporthalle des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums, der größte Teil kam aus Widdig.
- Die drängendste Frage des Abends stellten gleich mehrere Politiker: „Wie wahrscheinlich ist die Variante 4?“
Bornheim – „All die Fragen, die Sie umtreiben, treiben mich auch um. Aber die Antworten kann ich Ihnen erst geben, wenn das Bundesverkehrsministerium sich auf die ersten Linien festgelegt hat.“ So lautete das Fazit von Willi Kolks vom Landesbetrieb Straßen.NRW am Mittwochabend in der Sitzung des Bornheimer Stadtentwicklungsausschusses. Mit dem vom Landesbetrieb beauftragten Verkehrsgutachter Alexander Sillus informierte Kolks über den Stand des Projektes „Rheinspange 553“ (siehe nächste Seite).
Die drängendste Frage des Abends stellten gleich mehrere Politiker, darunter Rolf Schmitz (CDU) aus Widdig, ohne jedoch eine Antwort zu bekommen: „Wie wahrscheinlich ist die Variante 4?“ Also jene Variante der möglichen Rheinquerung, von der Widdig am meisten betroffen wäre. Die definitive Antwort wird es wohl erst im Frühjahr 2021 geben. Dann wird sich das Bundesverkehrsministerium nach diversen weiteren Bürgerbeteiligungen und Dialogforen auf die Option festlegen, die weiter verfolgt werden soll, erläuterte Kolks. Eine erste Tendenz könnte es aber schon nach den Sommerferien geben. Dann wird der Bund eine Vorentscheidung fällen und erste Linien festlegen, welche der vier Varianten generell weiter untersucht werden. Ursprünglich sollte die endgültige Entscheidung bereits Ende 2020 fallen, coronabedingt gibt es aber Verzögerungen.
Große Resonanz
Wie wichtig dieses Thema ist, zeigte die Resonanz der Besucher, die der zweistündigen Diskussion folgten. Rund 70 Zuhörer kamen in die Sporthalle des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums, der größte Teil kam aus Widdig. Im Vorfeld hatte die kürzlich gegründete Bürgerinitiative „Rheinspange W3W4“ kräftig die Werbetrommel gerührt.
Der Besuch der Vertreter des Landesbetriebs in Bornheim war ursprünglich schon im Mai vorgesehen, doch wegen Richtlinien innerhalb des Betriebes aufgrund der Coronapandemie wäre dies nicht möglich gewesen, erläuterte Kolks vorab.
Harsche Kritik gab es von Seiten der Politik an der Kommunikation des Landesbetriebs: „Wir aus Bornheim kamen erst spät zu dem Beteiligungsverfahren und es war ein Zufall, dass jemand aus meiner Fraktion schließlich dabei war“, kritisierte die CDU-Fraktionsvorsitzende Petra Heller, „die Bürger waren erschüttert und es ist erstaunlich, wie nah dieses Bauwerk an uns herankommen könnte. Für unsere Stadt haben Sie das ganz schlecht kommuniziert.“ In der Tat kam das Herseler Ausschussmitglied Rüdiger Prinz (CDU) zufällig über einen Radioaufruf, bei dem sich Bürger für das Dialogforum zur Rheinquerung im Oktober bewerben konnten, in den Beteiligungsprozess und erfuhr damals zum ersten Mal von den „Widdiger Varianten“. Prinz erklärte: „Die CDU befürwortet die Rheinspange, wir aber favorisieren die nördliche Variante.“ Sollte die Trasse Widdig tatsächlich tangieren, dann favorisiere die CDU eine Tunnellösung.
„Hier wurde nichts im Hinterzimmer ausgeklüngelt“
Dass Bornheimer Bürger und Politiker bislang nicht in dem Vorplanungsverfahren eingebunden waren, hing damit zusammen, dass zunächst Betroffene aus den Kommunen angesprochen waren, die „grundstücksmäßig dicht von den Varianten“ betroffen waren. Zu Beginn habe es eine „weiße Karte“ gegeben, dann nur die Variante 1. Später erarbeiten Fachleute drei weitere Optionen, die im Oktober erstmals auf den Tisch kamen: „Hier wurde nichts im Hinterzimmer ausgeklüngelt“, rechtfertigte sich Kolks auf die Nachfrage von Jörn Freynick (FDP) und Wilfried Hanft (SPD), woher die südlichen Varianten plötzlich gekommen seien. Kolks sicherte zu, dass künftig alle Fraktionsvorsitzenden eingeladen werden sowie mindestens ein Vertreter der Bürgerinitiative. Fest eingebunden ist Bornheims Planungsamtsleiter Andreas Erll: „Es ist noch nicht zu spät, dass Sie mit im Boot sind, Sie haben keinen Nachteil,“ versuchte Willi Kolks zu beruhigen.
Die Auswirkungen auf den Straßenverkehr für Widdig spiegelten sich im vorliegenden Gutachten nicht wider. Bislang liege lediglich ein grobes Gutachten vor, die Feinplanung mache erst Sinn, wenn sich das Ministerium auf eine Variante festgelegt habe, schilderte Gutachter Alexander Sillus.
Trassen
Grundidee ist der Bau einer vierstreifigen Autobahn über den Rhein um die Autobahnen A 555 (linksrheinisch) und A 59 (rechtsrheinisch) miteinander zu verbinden und den Verkehr im Kölner Süden zu entlasten.
Ein nördliche Variante (W1) sieht die Anbindung an der heutigen Anschlussstelle Köln-Godorf an die A 555 vor, im Osten an die heutige Anschlussstelle Lind an die A 59.
Eine südliche Variante (W2) beginnt im Westen an der heutigen Anschlussstelle Wesseling, im Osten liegt die Anbindung an die A 59 zwischen der heutigen Anschlussstelle Lind und Spich.
Im Oktober 2019 tauchten erstmals Varianten (W3 und W4) auf, bei denen auch die Ortschaften Widdig und Sechtem betroffen wären. So ist in einer südlichen Variante ein Tunnel unter dem Rhein ab Widdig vorgesehen, bei einer weiteren Variante führt ein Tunnel vom nördlichen Ortsrand von Niederkassel-Rheidt in einem leichten Bogen entlang des Sportplatzes in Widdig bis zur A 555. Da dieser Tunnel rund 1,4 Kilometer vor dem Rheinufer in die Erde gehen müsse, wäre auf Bornheimer Gebiet auch Sechtem betroffen. Alle Varianten werden mit einem Verzicht auf das Projekt („Null-Variante“) verglichen.
Mittlerweile liegen erste Gutachten (Verkehr und Umweltverträglichkeit) sowie die straßenplanerischen Varianten vor. Nach den Sommerferien ist von Seiten des Bundesverkehrsministeriums mit einer ersten Auswahl der Trassen zu rechnen. Die endgültige Entscheidung soll im Frühjahr 2021 fallen. (fes)

