Die Polizei vor Ort bezeichnet die Lage als „Flächenbrand“. Ein Antrag fordert schnelle Maßnahmen gegen die rasante Entwicklung.
„Flächenbrand“ in der CityCrack-Krise in Bonn eskaliert – Notfall-Maßnahmen gefordert

Auch der Bereich um den Hauptbahnhof in Bonn (Archivfoto) wird von Drogen überschwemmt.
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Die Bonner Grünen-Fraktion hat einen formalen Antrag eingebracht, der die Stadt Bonn zu einem umfassenden Maßnahmenpaket gegen die eskalierte Drogensituation in der Innenstadt verpflichten soll. Im Mittelpunkt stehen die Prinz-Albert-Straße und das Bahnhofsumfeld, wo sich der Crack- und Heroinkonsum laut Antragsbegründung seit etwa eineinhalb Jahren massiv ausgeweitet hat. Auch der Kaiserplatz ist stark betroffen. Die Polizei vor Ort bezeichnet die Lage als „Flächenbrand“, heißt es in dem Dokument, das die Fraktionsmitglieder Eva Kuzu, Jakob Kraasch-Tarnowsky und Karsten Hudel eingereicht haben.
Kinder auf dem Schulweg mit offenem Drogenkonsum und Gewalt konfrontiert
Besonders gravierend ist laut Antrag die Situation für Kinder und Familien im betroffenen Wohngebiet. Anwohnerinnen und Anwohner hätten berichtet, dass Kinder auf dem Schulweg, in Hauseingängen – auch vor einer Kinderarztpraxis in der Prinz-Albert-Straße – sowie an Bahnhaltestellen mit offenem Drogenkonsum und Gewalt konfrontiert worden seien.
Die Verlagerung der Szene weg vom sogenannten „Bonner Loch“ am Bahnhof und dem Kaiserplatz hin zur Grünfläche an der Bahnunterführung Poppelsdorfer Allee habe die Ausbreitung in das Wohngebiet beschleunigt.
Als erste Akutmaßnahme fordert der Antrag, dass der Rat der Stadt Bonn die Finanzierung einer Kapazitätserweiterung des Vereins für Gefährdetenhilfe (VfG) beschließt. Die Einrichtung soll demnach ab mindestens 8 Uhr morgens sowie abends und am Wochenende geöffnet sein; zusätzliche Konsumplätze sollen eingerichtet werden. Laut Antrag fehle es allein an Personal – die Räumlichkeiten seien vorhanden. Parallel soll die Präsenz von Ordnungsamt und Polizei in der Prinz-Albert-Straße und im Bahnhofsumfeld verstärkt werden.
Rhein-Sieg-Kreis soll sich finanziell beteiligen
Der Antrag enthält auch eine direkte Verbindung zum Rhein-Sieg-Kreis: Nach Schätzungen stammen über 40 Prozent der Konsumierenden im Bonner Bahnhofsumfeld aus dem RSK. Da der Kreis über keinerlei eigene Einrichtungen für drogenkranke Menschen verfüge, kämen viele Betroffene nach Bonn. Die Grünen fordern deshalb, dass der Bonner Oberbürgermeister umgehend mit dem Landrat des Rhein-Sieg-Kreises verhandelt, um eine finanzielle Beteiligung des Kreises zu prüfen.
Mittelfristig setzt der Antrag auf eine Dezentralisierung der Versorgungs- und Konsumräume sowie eine 24-Stunden-Grundversorgung, damit sich die Situation nicht weiter an einem einzigen Brennpunkt im Wohngebiet konzentriert. Besondere Aufmerksamkeit gilt vulnerablen Personen: Gefordert werden ein ausschließlich für Frauen zugängliches WC sowie Übernachtungsmöglichkeiten als geschützte Alternative zum öffentlichen Raum.
Swiss-Life-Gelände als Teil des Drogen-Problems in Bonn
Ein weiterer Kritikpunkt im Antrag betrifft das Gelände des ehemaligen Hotel Bristol, das vom Investor Swiss Life verwaltet wird. Der Investor lasse das Grundstück seit Jahren zunehmend verwahrlosen, heißt es in der Begründung. Die Stadt solle mit Swiss Life über eine temporäre Zwischennutzung verhandeln – Anwohnerinnen und Anwohner schlagen etwa einen Community-Garten, ein Straßenfest-Areal oder Sportflächen wie einen Pumptrack und einen Bolzplatz vor.
Der Antrag durchläuft mehrere Beratungsstufen: Der Ausschuss für Soziales, Migration, Gesundheit, Wohnen und Senioren hat ihn am Dienstag, 7. Juli 2026, beraten, der Ausschuss für Sicherheit, Ordnung und Bevölkerungsschutz folgt am 16. Juli 2026. Die Entscheidung soll im Hauptausschuss am 17. September 2026 fallen.
