Bonn – Es ist ruhig an diesem vorweihnachtlichen Morgen im ehemaligen Regierungsviertel. Einige Mitarbeiter der UNO gehen in ihre Büros im Langen Eugen, vor dem Kongresszentrum WCCB steht ein Lkw, der ehemalige Plenarsaal ist dunkel. Einzig im Blockhaus von Jürgen Rausch brennt Licht. Die Imbisshütte steht zwischen altem Kanzleramt und WCCB und ist mittags Treffpunkt von Angestellten aus der Umgebung, morgens trinken hier auch schon mal die Wachleute des Kongresszentrums, dessen Weiterbau seit 2009 ruht.
Treffpunkt der Politiker
Jürgen Rausch ist der legendäre Betreiber des „Bundesbüdchens“, das 1957 im typischen Stil jener Jahre in der Görresstraße eröffnet wurde: Über einem längsovalen Grundriss ein gekachelter Brüstungssims, den ein Band von Fenstern umschließt. Die Fensterbank diente gleichzeitig als Theke. Darüber ließen sich Bundestagsabgeordnete, Minister und Journalisten Tageszeitungen reichen, Zigaretten oder eine Tasse Kaffee, mittags auch gern eine Bockwurst. Der Kiosk war Film- und Fernsehkulisse; wenn ein Auslandskorrespondent über Bonn berichtete, baute er Kamera und Mikrofon oft vor dem Pavillon auf.
Rausch kannte sie alle, die bei ihm einkauften, Joschka Fischer seine Comics, Wolfgang Clement seinen Kaffee. Auch Norbert Blüm, Kohls Sozialminister, war Stammgast. Von ihm ist folgendes Zitat überliefert: „In keinem Regierungsviertel der Welt gibt es einen solchen unprätentiösen Ort für die spontane Kommunikation ohne Tagesordnung wie damals in Bonn.“
2006 war Schluss mit dieser Nostalgie, der nierenförmige, 51 Tonnen schwere Bau musste dem Kongresszentrum weichen, wurde an den Haken genommen und per Tieflader auf einen Bauhof im Vorgebirge transportiert.
Rausch eröffnete im Mai 2007 das Blockhaus, in dem es zwar warm ist, das aber nicht den Charme des Kult-Kiosks hat.
Der soll jetzt nach Bonn zurückkommen. Jürgen Rausch hat gerade von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz einen Fördervertrag über 60 000 Euro bekommen, die für die Wiederherstellung des Büdchens in der Karl-Carstens-Straße verwendet werden. Zu den anstehenden Arbeiten gehören nach Auskunft des Ortskurators der Stiftung, Michael Vangerow, die Gründung der Fundamente, die Sanierung der Außen- und Innenwände und des Sockels sowie die Instandsetzung des Daches.
Für die Folgekosten soll ein Förderverein aufkommen, der dann Eigentümer des Kiosks werden soll. Jürgen Rausch will Betreiber bleiben. Er hat sich die Marke „Bundesbüdchen“ beim Deutschen Patent- und Markenamt sichern lassen. Die Urkunde wurde am 12. Dezember ausgestellt.
