Bonn – Der Einzelhandelsverband Bonn/Rhein-Sieg Euskirchen ist „entsetzt“, die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg „reichlich verwundert“: Der Stadtrat hat am Donnerstagabend überraschend das Aus für den Cityring zum 31. März beschlossen. Darüber hinaus wurde mit wechselnden Mehrheiten ein Bündel von Verkehrslenkungsmaßnahmen verabschiedet.
In der Sitzung lag sich auch die Jamaika-Koalition in den Haaren. Da ist es kein Wunder, dass auch die Ergebnisse unterschiedlich bewertet werden. Während die CDU meint „Grün-Rot-Rot sorgt für Chaos, Gängelung und Abschwung“ sind die Grünen mit den Beschlüssen zufrieden. Für die SPD ist die „Koalition aus CDU, Grünen und FDP am Ende.“
Änderungen auf Kaiserstraße beibehalten
Der Rat hat entschieden, die Veränderungen in der Kaiserstraße bis auf das Rechtsabbiegegebot an der Einmündung Kaiserstraße/Nassestraße beizubehalten. Auch die Sperrung der Stockenstraße zwischen Stockentor und Rathausgasse bleibt bis zur Auswertung der Versuchsergebnisse bestehen. Ferner soll die Verwaltung auch im Gespräch mit der Universität prüfen, inwieweit nach Abschluss der jetzigen Baustelle auf dem Regina-Pacis-Weg neben dem Fußgängerweg ein Fahrradweg ausgebaut werden kann, der vom Kaiserplatz bis zum Rhein führt. Die Fritz-Tilmann-Straße bleibt von der Kaiserstraße in Richtung Lennéstraße gesperrt.
Um den Durchgangsverkehr in der Rathausgasse zu reduzieren, wird an der Kreuzung Am Hof/Am Neutor die Weiterfahrt in die Wesselstraße untersagt und ebenso ein Linksfahrgebot ausgeschildert wie an der Kreuzung Wesselstraße/Maximilianstraße, wo das Einbiegen nach rechts in die Maximilianstraße nicht mehr möglich ist. Damit ist der Cityring dort gekappt. Die Rathausgasse wird bis zum 18. Juni zwischen Neutor und Belderberg als wichtige Route für den Radverkehr auch in Richtung Rhein geöffnet.
Innenstadt von Durchgangsverkehr entlastet
„Durch die Beschlüsse wird die Innenstadt von Durchgangsverkehr entlastet und Bus und Bahn, Fahrrad und Fußgängern mehr Platz eingeräumt. Der Erlebnisort Innenstadt und seine Aufenthaltsqualität wird deutlich gestärkt“, erklärte Grünen-Fraktionssprecher Hardy Lohmeyer. Die Grünen seien bereit gewesen, den Kompromiss zum erweiterten Cityring weiter zu verfolgen.
„Die CDU hat aber entschieden, ihren eigenen Weg zu gehen, der vorsah, den Cityring in seiner überkommenen Form zu zementieren. Dafür gab es im Rat aber keine Mehrheit mehr, und das ist auch gut so.“ Der CDU-Kreisvorsitzende Christos Katzidis und der Ratsfraktionsvorsitzende Klaus-Peter Gilles monierten, dass die Kappung des Cityrings beschlossen wurde, ohne die Auswertung der Testphase abzuwarten. Die Situation der Einzelhändler werde dadurch noch einmal unnötig verschärft. Zumindest die „grüne Lohmeyer-Schleife“ durch die Nassestraße gehöre aber der Vergangenheit an. Die FDP kritisiert, dass die Verwaltung es versäumt habe, ein ganzheitliches Konzept vorzulegen. „Alle Beteiligten gehören nun an einen Tisch“, forderte die Kreisvorsitzende Franziska Müller-Rech.
IHK fordert ein Gesamtkonzept
Die IHK ist „reichlich verwundert, dass die Innenstadt und der Hauptbahnhof für Autofahrer aus Richtung Süden nur noch über massive Umwege zu erreichen sind.“ Zusätzlich gehe ein wichtiger Bypass für Autofahrer verloren, der die schon stark beanspruchten Routen auf der B 9, Reuterstraße und Bonner Talweg entlaste. Durch das Maximiliancenter und Urban Soul seien neue Angebote geschaffen worden, gleichzeitig werde es den Kunden aus dem Süden aber schwerer gemacht, diese überhaupt zu erreichen.
„Wir fordern ein schlüssiges Gesamtverkehrskonzept für die Innenstadt und den zentralem Omnibusbahnhof anstatt der ständigen Flickschusterei und konterkarierenden Maßnahmen, die dem Verkehrsfluss nicht dienlich sind“, erklärte der Geschäftsführer der IHK, Professor Stephan Wimmers. Die IHK will bei ihren Mitgliedern aus der Innenstadt die Umsatzentwicklung abfragen und die Ergebnisse in die Diskussion einbringen.
„Dass Rot-Rot-Grün durch eine abgestimmte Aktion in einem unübersichtlichen Moment die Kappung des Cityrings durchsetzen konnte, ist unverantwortlich“, ist Einzelhandelsvorsitzender Jannis Vassiliou sauer. Der alte Ring habe den Innenstadt- vom Durchgangsverkehr getrennt. Erst der Kreisel am Alten Friedhof und die Test- und Baumaßnahmen der Stadt hätten für Chaos gesorgt.
