Bonn – In Deutschland wird alles geregelt. Alles? Na gut, vielleicht nicht gerade das Leben von Vampiren, Hobbits oder anderen merkwürdigen Gestalten. Aber damit ist es jetzt auch vorbei: Um derlei Figuren kümmert sich das Bundesamt für magische Wesen (BAfMW), das natürlich seinen Sitz in Bonn hat. Der Stadt, in der schon andere Bundesämter walten, das für Justiz zum Beispiel oder das für Sicherheit in der Informationstechnik, für Naturschutz, für Bauwesen und Raumordnung – weitere Ämter siehe auch im Telefonbuch unter „Bund“.
Kinospot wird gedreht
Jetzt also eine oberste Bundesbehörde, die zuständig ist „für magische, mythische und fantastische Wesen“. Als da sind: „Der nette Vampir von nebenan, der Kobold in der Politik“, sagt Klaus Maresch. Auch um den „Bielefeld-Mythos“, also die Mär, dass die ostwestfälische Stadt gar nicht existiert, kümmert sich das BAfMW. Maresch, von Beruf Imker („Honighäuschen Bonn“), muss es wissen, denn er gehört zu den Gründern des Amtes, das im vergangenen Jahr aus einer Facebook-Gruppe entstanden ist und seither eine Eigendynamik entwickelt hat, dass sich Fantasy-Autoren, Rollenspieler (Cosplayer) und Fantasy-Freunde angeschlossen haben.
Das BAfMW hat mittlerweile einen eigenen Dienstwagen und einen Informationsstand, der dem echter Bundesbehörden in der Anmutung gleicht, inklusive Bundesadler. Da bekommen Besucher unter anderem erklärt, dass laut Gesetz „Kinder schwuler Vampire nicht in katholische Schulen aufgenommen werden dürfen“. Maresch: „Da sehen Sie aber erst mal verdutzte Gesichter.“ EU-Verordnungen „zur artgerechten Haltung von Jungbauern durch ernährungsbewusste Vampire“ werden vorgestellt und dergleichen mehr.
Das alles geschieht unter der Ägide von Präsident Edmund Friedemann Dräcker. Das ist ein legendärer Diplomat, dessen Andenken aber durch das BAfMW gewahrt wird. Dräcker ist ein Phantom, in den 1930er Jahren an der deutschen Botschaft in Rom entstanden, wo ihm der Diplomat Hasso von Etzdorf einen fiktiven Lebenslauf verpasste. Dräcker, wiewohl seit dem 1. April 1953 im Ruhestand, tut für sein Land stets gute Dienste. Er war Sonderberater der EU-Kommission für die Normierung von Seemannsgarn und Sonderberater der Bundesregierung für Wanderastrologie in Indien. Im Januar 1982 hisste er auf einer Eisscholle in der Antarktis die bundesdeutsche Flagge, was in der DDR für Empörung sorgte.
Das Bonner Haus der Geschichte ist im Besitz einiger Objekte aus dem Besitz Dräckers, die dem Museum 2001 durch Staatssekretär a. D. Karl-Günther von Hase übergeben wurden.
Das „Phantom von Bonn“ lebt also weiter, zumindest in dem Film, der über das BAfMW gedreht wird. Maresch & Co. haben dafür 5000 Euro gesammelt und über 200 Bewerbungen bekommen, alle wollen mitwirken, junge Schauspieler ebenso wie Cosplayer, die ihre Rollen „mit großem Ernst spielen“, wie Maresch sagt.
Der 3-Minuten-Spot wird am kommenden Wochenende im Maritim Hotel aufgezeichnet, der Filmemacher Thomas Bernecker koordiniert den Dreh über eine „G 8-Konferenz der magischen Reiche“, deren Gäste Dräcker begrüßen wird. Das Hotel freut sich über den hohen Besuch und hat angekündigt, dass sich seine Mitarbeiter auf die individuellen Bedürfnisse der magischen Wesen eingestellt hätten: Sie sprächen neben den gängigen Sprachen auch Elbisch.