Das Düsseldorfer Landgericht verhängt gegen sechs Männer aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis bis zu zwölf Jahre Haft.
HaftstrafeDrogenbande aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis verurteilt: Gefängnis statt Luxusleben

Die Angeklagten beim Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht.
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Sie verkauften tonnenweise Drogen und nahmen damit mehrere Millionen ein: Sechs Mitglieder einer Drogenhändler-Bande sind am Düsseldorfer Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die Männer im Alter von 29 bis 58 Jahren, die zum Teil aus dem Rhein-Sieg-Kreis kommen, seien wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und bandenmäßigen Drogenhandels beziehungsweise Beihilfe dazu schuldig, befand das Gericht. Die Angeklagten, die unter anderem aus Königswinter und Troisdorf kommen, wurden zu Haftstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren verurteilt. Zudem ordnete das Gericht die Einziehung der Taterträge in Millionenhöhe an. Die Beschuldigten waren weitgehend geständig gewesen, was die Richter positiv bewerteten.
Fast eine Tonne Kokain und vier Tonnen Marihuana
Nach Erkenntnissen des Gerichts gründeten die beiden 27 und 30 Jahre alten Hauptangeklagten im Jahr 2022 eine kriminelle Vereinigung und waren dabei Rädelsführer und Drahtzieher. Mithilfe von Mittätern verkauften sie den Angaben zufolge bis März 2025 insgesamt knapp eine Tonne Kokain, vier Tonnen Marihuana, rund 20 Liter Amphetamin-Öl sowie rund 5.000 Oxycodon-Tabletten und 1.000 Ecstasy-Tabletten. Die Einnahmen lagen laut Anklage bei elf Millionen Euro. Am 27. März setzten Ermittler den Aktivitäten schließlich ein Ende.
An diesem Tag gab es eine großangelegte Festnahme- und Durchsuchungsaktion in fünf europäischen Ländern mit Schwerpunkt in Köln, Bonn, Rhein-Sieg- und Rhein-Erft-Kreis. 33 Wohn- und Gewerbeobjekte waren in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Polen und Spanien durchsucht worden. Mehrere hundert Beamte waren im Einsatz. Bei der Festnahme eines der beiden Hauptbeschuldigten in Köln war der Verdächtige zunächst auf das Dach des Hauses, in dem er lebte, geflüchtet, bekleidet lediglich mit einer Unterhose. Er wurde vom SEK gefasst. In Maastricht schoss ein 29 Jahre alter Deutscher auf einen niederländischen Polizisten und verletzte ihn nur leicht, dank seiner Schutzweste. Zwei Männer wurden in Sankt Augustin verhaftet, ein weiterer in Bad Honnef.

Polizei beim Einsatz im März 2025.
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In dem Prozess, der Ende Mai am Düsseldorfer Landgericht startete, wurde der Weg der Angeklagten in den Gerichtssaal nachgezeichnet. Dieser begann Mitte des Jahres 2022, als die Männer aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis in kürzester Zeit ein hochprofessionelles Drogennetzwerk errichteten.
Der Finanzchef der „Firma“ aus Königswinter
Maximilian G. ist einer von zwei Hauptangeklagten. Der 30-Jährige ist in Königswinter aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. Er hielt sich bei den Aktivitäten der Gruppe eher im Hintergrund. Als Finanzchef der „Firma“, wie sie ihr Unternehmen selbst nannten, besorgte er abhörsichere Krypto-Handys, fälschte Ausweispapiere und organisierte die aufwendige Geldwäsche. Außerdem führte er eine akribische Buchhaltung, bei der jeder Cent stimmen musste. Das Geschäftsfeld war groß: Tonnenweise Marihuana wurde in Lkw, zwischen Obst oder Gipsplatten verborgen, ins Rheinland gebracht. Kokain bestellten sie in Kolumbien und ließen es über den Hafen Antwerpen einführen. Zudem handelten sie mit Amphetaminöl und verschickten Oxycodon-Tabletten per Post bis nach Kanada.
Nach außen präsentierten sich die jungen Männer als neureiche „Rich Kids“. Sie mieteten eine Villa in Spanien für 1,5 Millionen Euro, trugen teure Uhren und fuhren Sportwagen. Doch das Leben mit dem schnellen Geld sollte bald ein Ende haben.
Im Rahmen eines anderen Ermittlungsverfahrens in Bonn stießen Fahnder auf die Drogenbande und nahmen Ende 2024 die Ermittlungen auf. Monatelang wurden in Chats Übergabeorte und die centgenaue Buchhaltung über Käufe und Verkäufe verfolgt. Dann folgte 2025 der Zugriff - und nun die Urteile. Maximilian G. wird seinen 40. Geburtstag voraussichtlich im Gefängnis erleben. Er wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt, der zweite Hauptangeklagte zu elfeinhalb Jahren.
