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Feriensaison in KönigswinterLadeninhaber ziehen durchwachsene Bilanz

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Nur wenig Umsatz in diesem Jahr: Ivana Napol in ihrem Andenkenladen am Marktplatz in der Königswinterer Altstadt. Sie überlegt, ihr Geschäft diesmal früher als üblich – also nicht erst im Oktober – zu schließen.

Königswinter – Seit drei Wochen sind in Nordrhein-Westfalen Sommerferien. Wegen Corona verzichten viele auf die geplante Fernreise und verbringen ihren Urlaub in Deutschland. Wie läuft das Feriengeschäft am Tourismusstandort Königswinter? Wir haben uns in der Drachenfelsstadt umgeschaut:

Unser Rundgang beginnt am Rheinufer. Zweimal am Tag legen dort die Ausflugsschiffe der Köln-Düsseldorfer auf ihrer Tour zwischen Köln und Linz an. Von Bord strömen diesen Sommer deutlich weniger Ausflügler als sonst: Wegen des Abstands- und Hygienekonzeptes fahren die Schiffe nur mit einem Drittel Auslastung, weiß Nicole Becker, Pressesprecherin der KD. Statt 600 dürften also maximal 220 Personen an Bord. Die Nachfrage ist laut Becker wetterabhängig: „Es ist nicht so, dass wir jeden Tag ausgebucht sind.“ Reisegruppen und Gäste aus dem Ausland fielen diesen Sommer weg. Stattdessen nutzten viele Daheimgebliebene aus der Region das Angebot.

Haben nach eigenem Bekunden gut zu tun: Samuel Korn (links) und Aaron Neelshen im „Kaufmannsladen“.

Weiter geht es Richtung Altstadt. Auch dort machen sich die wenigen Schiffstouristen bemerkbar: „Die Schiffe fehlen“, klagt Ivana Napol (60), die den Souvenirshop am Markt betreibt, keine hundert Meter entfernt von der Anlegestelle der KD. Normalerweise bleibt ihr Geschäft zwischen Oktober und Februar zu – dieses Jahr sei der Umsatz so schlecht, dass sie überlege, schon früher zu schließen. Etwas weiter die Straße hoch, im „Kaufmannsladen“, einer Mischung aus Café, Buchhandlung und Andenkenshop, brummt dagegen das Geschäft. „Es war noch nie so viel los“, freut sich Aushilfe Samuel Korn (22). Von März bis Juni hatte das Geschäft wegen Corona geschlossen. Den ersten Monat nach der Wiederöffnung habe man unterschätzt, so Korn: „Wir dachten, es muss erstmal anlaufen, und haben zu wenig Schichten eingeteilt.“ Die Besucher kämen nach wie vor in Schwällen von den Schiffen – trotz Corona seien auch Franzosen, Engländer oder Niederländer unter den Gästen, berichtet Korn.

Alle Hände voll zu tun: Agron Axhimusa, vom Eiscafé Venezia.

Agron Axhimusa, Besitzer des Eiscafés Venezia in der Hauptstraße, hat alle Hände voll zu tun: Vor dem Café sind fast alle Tische besetzt, unaufhörlich balanciert der 51-Jährige Tabletts mit Kaffeetassen und Eisbechern. Im Innenraum herrscht dagegen gähnende Leere: „Die Leute sitzen momentan nicht gerne drinnen“, weiß Axhimusa. Rund 80 Prozent der Gäste seien Stammkunden, vor allem am Sonntagnachmittag und bei gutem Wetter gönnten sich aber auch viele Touristen ein Eis: „Nur mit Stammkunden könnte ich dieses Jahr nicht überleben.“

„Sehr schlimm“ ist die Ferienzeit bisher für Zakia Kuskaki, Verkäuferin bei „Donna Schuh und Leder“ in der Drachenfelsstraße

„Sehr schlimm“ ist die Ferienzeit bisher für Zakia Kuskaki, Verkäuferin bei „Donna Schuh und Leder“ in der Drachenfelsstraße. An manchen Tagen liege der Umsatz bei null Euro. Auch heute ist der Laden leer: „Die Leute haben keine Lust einzukaufen“, berichtet die 60-Jährige. Normalerweise shoppen laut Kuskaki sonst ältere Touristen aus den Niederlanden und Belgien in dem Modegeschäft. Diesen Sommer machten dagegen überwiegend jüngere Deutsche in Königswinter Urlaub: „Die wollen nur Eis essen und spazieren.“

Im Siebengebirgsmuseum geht es langsam wieder bergauf. In den ersten Wochen nach der Wiedereröffnung sei das „Zögern spürbar“ gewesen, berichtet Museumsleiterin Dr. Sigrid Lange. Mit Ferienbeginn habe der Andrang aber wieder zugenommen.

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Und der Drachenfels? „Der Zulauf ist sehr gut“, freut sich Holger Oswald, stellvertretender Betriebsleiter der Bergbahnen im Siebengebirge. Durch den Wegfall vieler Bus- und Schiffsreisen träten zwar deutlich weniger Menschen als sonst die Reise auf den Berg an. Nichtsdestotrotz seien die Bahnen voll. „Es kommen gefühlt mehr Einheimische aus der Region, die einfach mal rauswollen“, erzählt Oswald. Auf halber Strecke zum Gipfel steht Schloss Drachenburg – auch in Corona-Zeiten ein Besuchermagnet. „Das Geschäft ist gut angelaufen“, sagt Alexandra von dem Brinke, Assistentin der Geschäftsleitung: „Man merkt, dass die Leute Urlaub machen wollen.“ Auffällig sei dieses Jahr: „Auf dem Gelände wird weniger Englisch gesprochen.“