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Gemeinsame Bestattung Letzte Ruhestätte für Herr und Hund in Königswinter

Demnächst auch für Haustiere? Freiflächen des Waldfriedhofs in Oberdollendorf sind für die speziellen Grabstätten angedacht.

Demnächst auch für Haustiere? Freiflächen des Waldfriedhofs in Oberdollendorf sind für die speziellen Grabstätten angedacht.

KÖNIGSWINTER – Die zwei Gedenktafeln im Garten des Museums in Venedig hängen eng nebeneinander. „Peggy Guggenheim“ ist auf der einen zu lesen, die andere ist mit „My Beloved Babies“ überschrieben und führt in chronologischer Reihenfolge Inschriften wie „Cappucino“, „Sir Herbert“ und „Hongkong“ auf. Wie die Namen schon nahelegen, handelt es sich keineswegs um ein Epitaph für verstorbene Liebhaber, sondern um die letzte Ruhestätte der von der exzentrischen Kunstmäzenin so geliebten Lhasa Apso-Hunde.

In Sankt Augustin bereits möglich

In einer solch engen Nachbarschaft könnten bald auch Herr und Hund, Katze oder Hamster in Königswinter ihre letzte Ruhe finden – wenn die Politik einem Antrag von diversen Ratsmitgliedern sowie der Koalitionsfraktionen folgt. Es solle, so die Anregung, ein Gräberfeld ausgewiesen werden, auf dem sich Menschen gemeinsam mit ihren Haustieren in Urnengräbern bestatten lassen können. Voraussetzung für den ungewöhnlichen Ansatz, den ein Erlass der Landesregierung von Juni 2015 möglich macht: „Die Achtung der Totenwürde und das Empfinden der Bevölkerung sind dabei angemessen zu berücksichtigen“, betont die Verwaltung in ihrem Beschlussvorschlag, der im kommenden Bau- und Verkehrsausschuss diskutiert werden wird.

Rein rechtlich geht es dabei nicht um eine Bestattung, vielmehr firmiert die Beisetzung von Hasso und Co. in trauter Nachbarschaft ihres Herrchens als „Grabbeigabe in Form eines kremierten Tieres“. Diese könne, so präzisiert die Verwaltung, „gleichzeitig zu einer Humanbestattung vorgenommen werden oder zu eine späteren Zeitpunkt, da die Aufbewahrung einer Tierurne rechtlich zulässig ist“. Mögliche Standorte für die gemeinsamen Grabstätten hat die Stadt auch bereits ausgemacht: Der Friedhof in Stieldorf böte sich im Bergbereich, der Gottesacker in Oberdollendorf für den Talbreich an, Freiflächen zur Ausweisung eines entsprechenden Gräberfelds seien vorhanden.

Diverse Fragen sind allerdings vor einer möglichen Umsetzung noch zu klären. Etwa welche Tiere den Weg in die gemeinsame Ruhestätte finden dürfen und welche nicht. Als ein Anhaltspunkt dafür könnte die bürokratische Differenzierung zwischen „Haus-“ und „Heimtier“ dienen. Unter Erstere fallen Zwei- und Vierbeiner, die „wegen ihres Nutzens oder Vergnügens vom Menschen gezüchtet werden“, neben Hund, Katze, Vogel und Nagetier gesellen sich dazu Pferd, Schwein Rind und Schaf. Die zweite Kategorie umfasst nach den Ausführungen der Verwaltung Vertreter der Fauna, die „meist in der Wohnung gehalten werden oder in sonstigem Kontakt stehen“. Darunter fielen etwa auch Bewohner von Terrarien wie Skorpione, Spinnen oder Schlangen. Ob also etwa Chamäleon „Rango“ nach seinem Ableben in den Genuss einer Beisetzung auf einem, städtischen Friedhof kommen wird, muss noch geklärt werden.

Vorreiter für den Rhein-Sieg-Kreis ist die Drachenfelsstadt mit dem Konzept nicht, hat aber neben Sankt Augustin regional die Nase vorn. Der dortige Stadtrat hatte im Dezember des vergangenen Jahres bei zwei Enthaltungen einstimmig den Weg für die gemeinsamen Ruhestätten frei gemacht – unter anderem unter der Voraussetzung, dass für die besondere Grabbeigabe biologisch abbaubare Behältnisse zu verwenden seien. Auch ist festgeschrieben, dass „ein dem Tierhalter vorausgehendes ,Begräbnis’ des Heimtieres ausgeschlossen ist“. Kostenpunkt: 45 Euro bei Schließung der Grabstätte, 246 Euro werden bei nachträglicher Beisetzung fällig.

Was das Gedenken anbetrifft, so kann sich lediglich das Herrchen in Sankt Augustin auf Grabstein- oder -tafel für die Nachwelt verewigen lassen. Bei der Gestaltung der Grabstätte dürfe nicht auf das verstorbene Tier hingewiesen, lautet die klare Vorgabe. Nicht so wie in der Außenanlage von Peggy Guggenheims Musentempel in Venedig. Dort zeugt die Tafel von sage und schreibe 14 der von der Kunstsammlerin so geschätzten verblichenen Vierbeinern.

Bau- und Verkehrsausschuss, Dienstag, 29. Mai, 17 Uhr, Sitzungssaal Rathaus Oberpleis.