Abo

KönigswinterFest der Fantasie an der Drachenburg wird seinem Namen gerecht

4 min
Zwei Darsteller in bunten, im Sonnenlicht gelb und rot leuchtenden Kostümen und mit fantasievollen Masken.

Das „Waldlicht“ und die „Tanzende Flamme“ waren einer der Walking Acts beim Fest der Fantasie.

Rund 3000 Menschen kamen am Wochenende zum Fest der Fantasie an Schloss Drachenburg in Königswinter. Viele ließen sich zum Picknick nieder.

Jana und Ulla aus Remagen und ihre Besucherin Beate aus Frankfurt hatten es sich auf den grünen Sitzkissen bequem gemacht, die sie im Park von Schloss Drachenburg vorgefunden hatten, und ihre mitgebrachten Getränke und kleine Häppchen ausgepackt. Es sei „so schön!“ hier. Die friedliche Atmosphäre, die alten Bäume, die vielfältigen Möglichkeiten gerade auch für Kinder.

„Haben Sie schon die Trapezkünstler gesehen? Toll!“, sagte Beate, die wie ihre beiden Begleiterinnen zum zweiten Mal beim Fest der Fantasie an Schloss Drachenburg waren. Janas sechs und acht Jahre alten Kindern waren in dem Augenblick gerade irgendwo im oder am Schloss unterwegs. Das sei hier ja möglich, ohne dass man sich Sorgen machen müsse, sagte eine der Frauen.

Besucher breiteten im Park von Schloss Drachenburg Picknickdecken aus

Jeweils rund 1500 Besucher waren am Samstag und am Sonntag zu dem speziellen Event mit seiner magischen Atmosphäre gekommen, und mehr denn je schienen die Möglichkeit zu nutzen, im weiträumigen Park zu picknicken. Viele Besucher breiteten ihre Decken aus, manche hatten Klappstühle dabei.

Die mitgebrachten Snacks reichten von Wassermelone bis Kirschen und von Frikadelle bis Minischnitzel. Die bei anderen Events oft dominierenden Ess- und Getränkebuden sucht man beim Fest der Fantasie vergeblich, die Betreibergesellschaft verzichtet bewusst darauf. Lediglich „The Moccamaker“ bot wie in den Vorjahren Tee, Mocca und Gebäck an.

Viele Zuschauer beobachten ein Akrobatikduo: Eine Frau steht auf den Schultern der anderen, und beide lassen Hula-Hoop-Reifen um die Hüfte kreisen.

Verbanden Akrobatik und Comedy auf der Bühne nahe der Vorburg von Schloss Drachenburg: Lotta und Stina.

Gleich nebenan konnten sich Besucher dafür beim „Wassercafé Schönes Wasser“ von zwei Pantomimen auf witzige Art bedienen lassen, und zwar „mit dem wertvollsten Stoff unserer Erde: frisches, klares Wasser“, wie es auf einem Schild nahe der sehr speziellen Theke voller verschiedener Flakons und Flaschen zu lesen war. „Kostet nix!“, hieß es dort auch.

Neben viel Flüssigkeit geradezu Pflicht bei den heißen Temperaturen waren – trotz der Schatten spendenden Bäume im Park – Sonnenschirme, Sonnenhüte oder Basecap und Sonnencreme. Direkt in der knalligen Sonne saßen die Zuschauer vor der Wagenhalle des Gründerzeitgemäuers an Bühne 5, während einer der Trampolinartisten von Aramelo immer höher abzuheben schien und die gewagten Sprünge mit Jonglage von bis zu vier Bällen verband. Schon das Installieren seiner Lautsprecherboxen und den Aufbau des Großtrampolins machte er zum Teil seiner Show.

Dass Janna Wohlfahrt ihr Lehramtsstudium zugunsten einer (erfolgreichen) Artistenkarriere mit dem Einrad aufgegeben hatte, wie sie verriet, stieß auf die Zustimmung der Zuschauer, was am Applaus deutlich wurde. Ihr Vater sei weniger begeistert gewesen, räumte die 27-Jährige schmunzelnd ein, bevor sie auf Bühne 2 auf Einrädern unterschiedlichster Größe (ihr Kleinkindrad hatte sie auch dabei) mit Hüten, Messern und Keulen jonglierte.

Zuvor beeindruckten dort Lotta und Stina mit einer Mischung aus Comedy, Jonglage und Artistik auf dem Balancierbrett Rola Bola. Besonders lebt das Fest der Fantasie auch von den verschiedenen Walking Acts, wobei sich die durchsichtig scheinenden „Windpferde“ im Laufe der Zeit zu einer Art Markenzeichen des Events entwickelt haben. Ein im Sonnenlicht leuchtende Farbenspiel boten das „Waldlicht“ und der „Tanz der Flammen“, deren Akteure sich auf Stelzen gehend und umeinander tanzend durch den Park bewegten.

Drei Frauen auf grünen Sitzkissen und unter einem Sonnenschirm im Park.

Genossen das Picknick im Park von Schloss Drachenburg: Beate, Ulla und Jana waren zum zweiten Mal dabei.

Ziemlich heiß dürfte es für die beiden Pantomimen der Familia Fantastic gewesen sein, die auf Bühne 4 unter dem Motto „Two Strings“ in Strickklamotten ein poetisches Straßentheater boten. Das Strickduo ließ einen imaginären Zug durch den Park fahren, bezog das Publikum mit ein als ein Wollknäuel davonrollte und herzte sich zwischendurch inniglich.

Auch indoor wurde beim Fest der Fantasie was geboten. So spielte Gabor Vosteen unter dem Motto „What the Flute!?!“ auf fünf Blockflöten in der Vorburg, und in der Kunsthalle von Schloss Drachenburg beeindruckte das Hand-Schatten-Theater von Drew Colby nicht nur die Erwachsenen. Draußen vor der Tür, am Eingang des Schlosses, wartete wie in den Vorjahren die „Lebende Couch“ von Tuckkerconnexion darauf, dass die Besucher Platz nahmen zum kleinen Smalltalk mit dem sehr speziellen Sitzmöbel.

Zwei komplett in Stricksachen gekleidete Darsteller als älterer Mann und ältere Frau.

Eine wollige und witzige Angelegenheit: die „Familia Fantastic“.

Auf einer Parkbank und einigen Picknickdecken davor hatten es sich derweil die Bonnerin Viola und ihr Freundeskreis am Samstag bequem gemacht, um ihren Geburtstag nachzufeiern. Der erste Besuch beim Fest der Fantasie hatte die junge Mutter derart beeindruckt, dass sie es mit ihren Freunden, die zum Teil aus Hamburg kamen, erneut besuchte. Sieben Erwachsene und acht Kinder waren dabei. Das Fest der Fantasie, sagte Viola, habe eine ganz besondere Atmosphäre. „Und es wird seinem Namen gerecht.“

i