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KlimaschutzWarum die Wohnungsbaugesellschaft in Königswinter vor einer „Herkulesaufgabe“ steht

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Ein Mann an einem Schreibtisch, im Hintergrund ein Regal mit Akten und Büchern.

Christopher Holderbaum ist Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft Königswinter.

Das Ziel Klimaneutralität stellt die WWG Königwinter vor eine herausfordernde Aufgabe. Es geht um immerhin 76 Häuser.

Rat und Verwaltung in Königswinter streben für die Stadt erklärtermaßen das Ziel Klimaneutralität bis zum Jahr 2040 an. Der Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft Königswinter hat für die WWG das Ziel Klimaneutralität bis 2045 vorgegeben – und ihr dennoch eine „Herkulesaufgabe“ beschert. Denn die Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft (WWG) muss – neben der normalen Unterhaltung – in die energetische Sanierung ihrer Gebäude investieren.

„Diesen Klimapfad haben wir im Jahr 2025 begonnen zu beschreiten, um in den ersten Immobilien energetische Ertüchtigungen vorzunehmen“, sagt im Gespräch mit dieser Zeitung WWG-Chef Christopher Holderbaum. Der Architekt hatte Anfang 2024 die Nachfolge des langjährigen Geschäftsführers Andreas Pätz angetreten und spricht von einer „Herkulesaufgabe“.

Nach dem Krieg wegen der großen Wohnungsnot gegründet

Das 1953 angesichts der Wohnungsnot nach dem Krieg gegründete kommunale Unternehmen besitzt (laut städtischem Beteiligungsbericht für das Jahr 2024) in der Stadt Königswinter 76 Häuser mit etwa 570 Wohnungen. Hinzu kommen 13 Gewerbeeinheiten und 139 Stellplätze beziehungsweise Garagen.

Noch zu Andreas Pätz` Zeiten waren von Experten Kosten von rund 14 Millionen Euro ermittelt worden, die in den nächsten 20 Jahren für das Ziel CO2-Neutralität in die eigenen Immobilien investiert werden müssten. Die WWG hat laut Holderbaum mit je einem Haus in der Herresbacher Straße und der Friedenstraße mit Ertüchtigungen begonnen.

Das kleine Unternehmen, das fünf Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte beschäftigt, habe jedoch nur „ein begrenztes Budget jährlich zur Verfügung für unsere Immobilien neben der Instandhaltung und Modernisierung, die so oder so stattfinden müssen“.

Die Gesellschaft sei aber in den letzten Jahrzehnten „gut mit ihren Immobilien umgegangen und hat stetig Dinge modernisiert“. Die Leerstandsquote ist bei der WWG mit rund drei Prozent extrem niedrig. Auf der anderen Seite gibt es zwischen 230 bis 280 Bewerber pro Jahr, die eine der preisgedämpften Wohnungen der WWG haben möchten.

Ein zweistöckiges Mehrfamilienhaus, davor ein Wiese und ein Bauzaun.

Insgesamt drei dieser 1953 gebauten Häuser möchte die WWG abreißen und durch zwei Neubauten ersetzen.

„Das zeigt deutlich erstens, wie dringend Wohnraum benötigt wird, und zweitens, wie dringend sozial geförderter Wohnraum benötigt wird“, betont der Geschäftsführer. Und schlägt damit den Bogen zum seit Jahren geplanten Neubau der WWG am Stadtgarten. Dort will sie anstelle von drei in die Jahre gekommenen, 1953 gebauten Häusern zwei moderne Gebäude in Holz-Hybrid-Bauweise errichten.

Die Zahl der Wohnungen, betont Holderbaum wie schon sein Vorgänger, würde sich von heute zwölf auf 25 verdoppeln. 23 der Wohnungen sollen gefördert errichtet und also preiswert vermietet werden. Das Projekt hängt jedoch seit rund fünf Jahren in der Warteschleife, auch weil sich eine Familie gegen die Kündigung durch die WWG vor Gericht wehrt. Es wird aber auch insgesamt von einigen Altstädtern kritisch gesehen.

Bebauungsplan verlangt  im Erdgeschoss Gewerbeeinheiten

Dass im Erdgeschoss Gewerbeeinheiten vorgesehen sind, verlangt der gültige Bebauungsplan, betont Holderbaum. „Wenn es diese Auflage nicht gäbe, würden wir mit Sicherheit gerne auch dort noch Wohnungen schaffen“. Im Übrigen zeigt er sich überzeugt: Wenn die Bauten erstmal verwirklicht seien, „werden ganz viele Menschen sehen, was das für ein Mehrgewinn für die Bevölkerung und für die Stadt Königswinter ist“.

Nachdrücklich tritt der WWG-Chef und sein für die Wirtschaftsförderung zuständiger Kollege Holger Matissek dem Eindruck dieser Zeitung entgegen, dass bei der Wirtschaftsförderung zuletzt weniger passiert sei. Matissek nennt das NRW-Förderprogramm zur Belebung der Innenstadt, in dessen erster Runde sechs Eigentümer und Geschäftsleute zusammengebracht werden konnten, beim zweiten Aufschlag sei es nur noch ein Eigentümer dabei gewesen.

Beim Thema Leerstand in der Altstadt spiele die Insolvenz von Verianos eine Rolle, für deren Immobilien Käufer gesucht werden, darunter das ehemalige Rheinhotel Loreley, das 3,6 Millionen Euro kosten soll. Andere Leerstände ergäben sich auch, weil in den alten Gebäuden das Ladenlokal oft direkt in den Wohnbereich hineinführe oder ein erheblicher Sanierungsstau besteht. Es gebe zudem Fälle, in denen Erbstreitigkeiten einen Fortschritt verhinderten.

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Holderbaum wehrt sich dagegen, die Wirtschaftsförderung allein am Thema Leerstand festzumachen. Es gehe für ihn auch darum, Netzwerke aufzubauen und Gewerbetreibende kennenzulernen und zusammenzubringen. Die WWG sei auch ein „Pool“, über den Geschäftsleute an Informationen kommen. Matissek nennt die Unterstützung von Firmen beim Heranholen von Fördergeldern, die Mitarbeit bei Veranstaltungen wie den Königssommer oder das Vermitteln von Weiterbildungsangeboten. Matissek: „Das ist nicht sonderlich spektakulär, aber das ist das Alltagsgeschäft.“