Sven Plöger verbrachte in seiner Kindheit viel Zeit in Troisdorf, wo er gerne die Loks beobachtete.
Wettermann liebt EisenbahnenMeteorologe Sven Plöger besucht die Drachenfelsbahn in Königswinter

Sven Plöger im Fahrerstand der Drachenfelsbahn. Hinter ihm links: Dominik Pinsdorf, rechts: Thomas Scharf.
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Es gibt Dinge, zwischen Himmel und Erde, die selbst mit größter Expertise für diesen Raum schwer zu erklären sind. So wie die Verbindung von Sven Plöger und Dominik Pinsdorf. Der eine, normalerweise der beste Erklärer für alles Wetterbedingte, der andere eigentlich eher am Boden unterwegs – als Eisenbahner, der schon in ganz Deutschland gefahren ist.
Die beiden sind sich vor knapp anderthalb Jahren im März 2025 erstmals persönlich begegnet, weil Pinsdorf nebenbei noch Ortsvorsteher in Bornheim ist und regelmäßig einen gesellschaftspolitischen Talk macht, zu dem er irgendwann Sven Plöger eingeladen hatte.
Sven Plöger begleitet Fahrt mit Güterzug am Rhein entlang
Und wie das so ist, wenn Mann ins Plaudern kommt: Da merkt der eine, dass der andere eine große Affinität zu Meteorologie hat, und der andere, dass der eine ebenfalls eine Schwäche für Eisenbahnen hat. Zufall oder Fügung? Jedenfalls sind „wir seitdem im freundschaftlichen Austausch“, erzählt Plöger im Gespräch mit dieser Zeitung. Seither fachsimpeln sie über Wetterphänomene oder eben über Schienenfahrzeuge und treffen sich zu besonderen Anlässen.
Pinsdorf, der als Schüler die Wetterstation der Europaschule Bornheim betreute und deren Daten für Forschungszwecke in einer internationale Datenbank ehrenamtlich erfasst, organisiert dabei gerne besondere Eisenbahnerlebnisse für Plöger. So durfte der Wetterexperte, der mit seiner Frau in Ulm lebt, den ausgebildeten Lokführer Pinsdorf im Mai bei einer Fahrt mit einem Güterzug entlang des Rheins unterhalb der Loreley begleiten.
Das war vor allem zwischen Friedrich-Wilhelms-Hütte und Troisdorf. Ich konnte die Nummern sämtlicher Loks aufsagen.
„Das war ein tolles Erlebnis“, schwärmt Plöger, „und ein besonderes Gefühl auf einer 84 Tonnen schweren Lok und einem 500 Meter langen Zug vorne mitzufahren.“ Plöger wurde in Bonn geboren, wuchs in Sankt Augustin auf und – wie bei vielen Kindern – kam die frühe Faszination für Lokomotiven nicht von ungefähr. Der Vater hatte eine Modelleisenbahn, bei deren Aufbau der Sohn tatkräftig mithelfen durfte. Außerdem traf sich der kleine Sven, wie er im Bornheimer Ortsgespräch mit Pinsdorf verriet, oft an bestimmten Zugstrecken, um vorbeirauschende Züge zu gucken.

Sven Plöger im „Cockpit“
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Plöger kann sich auch daran noch gut erinnern: „Das war vor allem zwischen Friedrich-Wilhelms-Hütte und Troisdorf. Ich konnte die Nummern sämtlicher Loks aufsagen.“ Seinen Vater habe er auch häufiger dazu gebracht, mit ihm zum Kölner Hauptbahnhof zu fahren und dort alles zu beobachten. „Ich fand das total aufregend.“ Lokomotivführer wollte er dennoch nicht werden. „Eher Pilot, aber damals waren Brillenträger leider von vornherein ausgeschlossen.“ Jüngst wurde Plögers Leidenschaft für den Schienenbetrieb – wiederum bei einem Termin in der alten Heimat – angetrieben. Eisenbahner Pinsdorf hatte eine Betriebsbesichtigung an der Drachenfelsbahn organisiert.
Drachenfelsbahn ist ein „Museum, das noch in Betrieb ist“
Die kannte Plöger natürlich aus Kindertagen – aber der Besuch in Königswinter eröffnete nun auch den Blick hinter die Kulissen. Plöger zeigte sich beim Rundgang mit Betriebsleiter Thomas Scharf beeindruckt von der Werkstatt, den Drehgestellen, den zahnradbetriebenen schweren alten Waggons und der Liebe der Mitarbeitenden für ihre Arbeit. „Das ist hier ein Museum, das noch in Betrieb ist. Und hier brennen alle für ihre Bahn.“ Natürlich ging es auch noch hinauf auf den Drachenfels, wo sich an einem sonnigen Tag ein toller Blick auf den Rhein bot.

Fahrzeugunterstand: Hier können die Bahnen von unten inspiziert werden.
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„Allerdings sah man von dort oben deutlich, wie tief der Pegel derzeit ist“, so Plöger. Dennoch neigt der Meteorologe nicht zu Weltuntergangsstimmung. „Ich bin ein sehr pragmatischer Mensch und ein Freund davon, Realitäten wahrzunehmen und anzuerkennen“, sagt er. Das ließe sich auf die Folgen des Klimawandels ebenso anwenden wie auf den desolaten Zustand des deutschen Bahnnetzes und die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn.
Die richtigen Prioritäten zu setzen und von der Theorie in die praktische Umsetzung kommen, wäre ein Wunsch, den Plöger mit vielen teilt. Was das Bahnfahren betrifft, nimmt er derzeit manchmal einfach „drei Züge früher. So bin ich weder endlos frustriert, noch gestresst“. Damit aber weiter die schönen Seiten der Eisenbahnerei überwiegen, plant Dominik Pinsdorf schon mal die nächsten Treffen – es soll zur Eisenbahn-Parade noch Koblenz gehen und nach Nürnberg ins Bahnmuseum. „Es gibt noch viele Ziele“, meint Pinsdorf und fügt augenzwinkernd hinzu: „Und dann wäre es mal an der Zeit für die ein oder andere Wetterstation!“ Jutta Laege
