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Petersberger BittwegStationen eins bis fünf werden umfangreich saniert

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Mit Dampf müssen die Stationen zunächst gereinigt werden, bevor die Restauratorinnen Susanne Runkel (Foto oben) und Manuela Prechtel bei der Sanierung ins Detail gehen können.

Königswinter – Es ist ein heißer Tag Anfang Juni. Die Mittagssonne knallt schon erbarmungslos auf das Waldstück im Siebengebirge unterhalb des Petersbergs. Mitten im Wald steht Manuela Prechtel auf einem Gerüst und klopft mit den Fingerknöcheln gegen einen Altar aus Stein. Ein hohler Ton. „Hören Sie das? An dem Geräusch erkennt man, dass es sich nicht um Naturstein, sondern um eine Ergänzung aus Zement handelt.“

Prechtel muss es wissen: Die 41-Jährige ist nämlich gelernte Steinmetzin und studierte Restauratorin. Seit Ende April erneuert sie nun mit Hilfe ihrer Kollegin Susanne Runkel die denkmalgeschützten Stationen eins bis fünf des Petersberger Bittwegs (siehe Kasten).

Der Prozessionsweg

Der Petersberger Bittweg ist der letzte erhaltene von ursprünglich vier Prozessionswegen, die von Königswinter zur Wallfahrtskapelle des ehemaligen Klosters auf dem Petersberg führen. Von den ursprünglich 14 Kreuzwegstationen in Form von Prozessionsaltären und Wegekreuzen aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind noch zwölf erhalten. Die Stationen eins bis fünf befinden sich im kommunalen bzw. privaten Besitz, die Stationen sechs bis zwölf gehören dem Bund. Alle Stationen stehen unter Denkmalschutz. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert die Maßnahmen finanziell. (mo)

Dort, wo sonst andächtige Stille waltet, herrscht seitdem ein Betrieb wie auf der Baustelle. Station vier, ein Prozessionsaltar aus Drachenfelstrachyt aus dem Jahre 1650, wird gerade von Prechtels Kollegin Susanne Runkel mit dem Heißdampfreiniger vom gröbsten Schmutz befreit. Nach und nach lösen sich dabei Algen, Moose und Flechten vom Gestein. „Es ist wichtig, mit wenig Druck zu arbeiten, um die Oberfläche nicht zu zerstören“, erklärt Prechtel dazu. Als das Gestein sich schließlich aufhellt, wird das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar: Der Trachyt bröckelt an allen Ecken und Enden, Risse und Fugen ziehen sich durch den Stein. „Dadurch kann Wasser eindringen und der Stein verwittert.“

Nach der Reinigung des Prozessionsaltars beginnt dann die eigentliche Restaurierungsarbeit: Sorgfältig entfernt Prechtel zunächst lose Ergänzungen, die ihre Vorgänger bei der Restaurierung in die Oberfläche eingefügt haben. Das letzte Mal ausgebessert wurden die Stationen in den 80er Jahren. „Damals wurde noch mit hartem Zementen gearbeitet“, weiß Prechtel. Heute weiß man, dass zu hartes Material sich nicht gut an den Stein anpasst.

Es bröckelt: Manuela Prechtel hat viele Risse an den Stationen ausgemacht.

Prechtel rührt daher einen wesentlich weicheren, dünnflüssigen Mörtel an, der in Fachkreisen auch Schlämme genannt wird. Den massiert sie schließlich in die Oberfläche ein, um die Risse zu schließen. Nicht immer muss sie den Zement dafür entfernen: Manche Stücke lassen sich mit Dübeln wieder befestigen, an anderen Stellen spritzt die Restauratorin Mörtel in die Hohlräume zwischen Stein und Zement. So erscheinen die Stationen nach und nach wieder im alten Glanz – zumindest vorerst. Denn von Station fünf, einem Wegekreuz von 1721, ist nur noch der Sockel übrig. Das Kreuz selbst restauriert Manuela Prechtel zurzeit in ihrer Werkstatt in Beuel.

Nur an die Inschriften, die Bildstöcke und Wegekreuze zieren und an vielen Stellen abgeplatzt und unleserlich sind, traut die Restauratorin sich noch nicht heran. „Dazu muss ich erst Rücksprache mit der Denkmalbehörde halten.“ Denn ihre Aufgabe ist nicht die Rekonstruktion, sondern der Erhalt der Denkmäler. „Man kann die Verwitterung nicht aufhalten“ sagt die gelernte Steinmetzin und Restauratorin. „Man kann sie aber verlangsamen.“ Im Juli sollen die Arbeiten am Bittweg abgeschlossen sein.