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KriminalstatistikStarke Zunahme bei Betrugsfällen in der Bonner Region

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Wo steht das teure E-Bike oder das neue Rennrad, wenn es nicht benutzt wird? Meist im Keller oder in der Waschküche. Diese Räume werden immer häufiger von Einbrechern und Dieben heimgesucht. Laut der Kriminalstatistik der Polizei Bonn für das Jahr 2020 nahmen diese Diebstähle in der Bundesstadt und den acht Kommunen im Rhein-Sieg-Kreis (Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal, Wachtberg, Bad Honnef und Königswinter) für die die Beamten zuständig sind, um 150 Prozent zu. 2019 hatte diese Fallzahl mit 356 noch einen Tiefstand im Vergleich der vergangenen zehn Jahre erreicht. Die 892 erfassten Diebstähle 2020 sind dagegen ein Spitzenwert.

„Auf den Keller achtet kaum jemand“, führte Achim Spröde als möglichen Grund an. Der Leitende Kriminaldirektor erklärte dazu: „Mittlerweile stehen in diesen Räumen nicht mehr alte Dinge, sondern hochwertige wie teure Fahrräder.“ Die Aufklärungsrate ist dabei gering. Von den fast 900 erfassten Fällen wurden 51 tatsächlich geklärt und abgeschlossen. Das sind magere 5,7 Prozent – 1,3 Prozent weniger als noch 2019. Insgesamt hat die Zahl der Kriminalfälle in Bonn und Umgebung sich um 1809 auf 37 073 im Jahr 2020 erhöht, 48,7 Prozent konnte die Polizei aufklären.

Wohnungseinbrüche

Die Zahl hat abgenommen. Der Leitende Kriminaldirektor sprach von „einem kontinuierlichen Rückgang seit 2013. Damals waren wir fast Landessieger.“ 2013 wurden im Zuständigkeitsbereich der Polizei Bonn 2708 Einbruchdiebstähle erfasst, 2020 waren es 1213, weniger als die Hälfte.

Betrug

Einen Zusammenhang mit der Pandemie konnten die Verantwortlichen weder den Einbruchs- noch den Betrugsdelikten absprechen. Im Vergleich zu 2019 nahm die Zahl der Betrugsfälle um 18,7 Prozent zu. Die 4142 erfassten Fälle sind 652 mehr als noch im Vorjahr. „Der Schwerpunkt liegt im Online-Handel“, konstatierte Achim Spröde. „Besonders die Menge an Online-Shops, die gefälschte Ware verkaufen, hat stark zugenommen.“ Der Warenbetrug nahm um 41 Prozent zu, insgesamt sind 705 Fälle registriert worden, 205 mehr als 2019. Polizeipräsident Frank Hoever: „Kriminalität verlagert sich immer mehr ins Internet. Das ist die Realität.“ Neben dem Betrug im Netz lag Hoever noch ein weiterer Aspekt besonders am Herzen: „Wir müssen den Blick auf die älteren Menschen weiter schärfen.

Das sagt die Gewerkschaft der Polizei

Die Kreisgruppe Bonn der Gewerkschaft der Polizei (GdP) bedauerte gestern, dass die Fallzahlen im Bereich des Polizeipräsidiums Bonn trotz Corona laut der Kriminalstatistik im letzten Jahr um 1809 Delikte angestiegen sind. „Wie bereits im Vorjahr bereiten uns die Straftaten zum Nachteil älterer Menschen große Sorgen. Der Bonner Raum scheint für die international agierenden Tätergruppen sehr attraktiv zu sein“, erklärte der Vorsitzende Dirk Lennertz nach der Präsentation der Zahlen. Das zeige auch der Gesamtschaden im Zuständigkeitsbereich der Behörde: 2,8 Millionen Euro an Bargeld und Schmuck. Begleiterscheinung sei eine Vielzahl an Anrufversuchen, welche die Bonner Polizei stark beschäftige. Die Gewerkschaft bemängelt, dass etliche Strafverfahren, die der Bonner Polizei viel Arbeit bereiten, nicht in die Statistik aufgenommen werden. Daher bekomme die Behörde für diese Arbeit auch keinen personellen Ausgleich vom Land. Dies sei immer dann der Fall, wenn die Tatorte im Ausland liegen, beispielsweise bei Callcentern in der Türkei, die ältere Menschen in Deutschland per Telefon betrügen, so die GdP.

Erfreulich ist laut Lennertz, dass die Straßenkriminalität leicht zurückging. Er berichtet davon, dass besonders strukturelle Probleme die Arbeit der Ermittler beeinträchtigen. Das Vorgangsprogramm VIVA sei im täglichen Gebrauch zu langsam. Teilweise dauere es sehr lange, bis ein Sachbearbeiter arbeiten kann.

„Hinter vorgehaltener Hand beklagen unsere Kollegen, dass in der Hauptsache statistische Erfordernisse zu erfüllen sind und dadurch die Zeit fehlt, Täter zu ermitteln“, so die Gewerkschaft. Zudem beklagen sie, dass Bereitschaftsstunden nicht auszahlbar sind. Sie müssen durch Freizeit abgegolten werden. Das führe dazu, dass das Personal für die tägliche Arbeit knapp werde. Zudem werden am Jahresende Überstunden über 120 gekappt, das heißt die Stunden verfallen. Hier müsse das Land dringend nachbessern. (rom)

Wir investieren viel in Prävention, dennoch kommen immer wieder Fälle vor, in denen ältere Menschen hilflos sind.“ Die Zahl der gemeldeten Betrugsfälle mit beteiligten Senioren stieg von 2500 (2019) auf 2800 an. Dabei sind entweder der „Enkeltrick“ oder der falsche Polizist am Telefon die häufigsten Betrugsmaschen, teilweise kommen die Anrufe aus Callcentern in der Türkei. Nur rund ein Prozent dieser Fälle endet mit einem Schaden, die meisten werden im Versuch erstickt.

„Wir hatten im letzten Jahr 28 vollendete Betrugsfälle mit einer Schadenssummer von knapp drei Millionen Euro“, erklärte Hoever. Der Polizeipräsident ging mit Nachdruck auf diese Betrugsfälle ein, weil die Betagteren häufig auch psychische Schäden davontragen. „Geschädigte ziehen sich aus der Gesellschaft zurück, meist aus Scham. Es hat außerhalb von NRW bereits Fälle von Suizid gegeben.“ In Nordrhein-Westfalen hat die Zahl der Betrugsfälle zum Nachteil Älterer um 37,7 Prozent zugenommen. Landesweit sind 2621 Fälle bekannt, gab das Innenministerium bekannt.

Gewaltkriminalität

Die höchste Aufklärungsrate (77,9 Prozent) kann die Polizei Bonn bei Gewalttaten vorweisen. Dabei stieg die Zahl der gefährlichen oder schweren Körperverletzungen um 180 Fälle an. Insgesamt gab es 156 mehr gewalttätige Übergriffe (1472) als im Vorjahr. „Es wird immer härter und brutaler vorgegangen“, sagte Achim Spröde. Die Gründe seien dabei meist kaum nachvollziehbar. Einen Grund für die Vielzahl an Aufklärungen nannte er jedoch: „In der Regel kennen sich Täter und Opfer.“

Raubdelikte

Der Leitende Kriminaldirektor erinnerte an einen Raub in einer Spielhalle in Bornheim im August vergangenen Jahres. 3000 Euro hatte der mit einem Messer bewaffnete Täter erbeutet. Dennoch sei die Zahl der räuberischen Akte um 5,8 Prozent gesunken. „Das ist zufriedenstellend, wir haben nicht nur ein niedriges, sondern auch ein sinkendes Niveau“, so Spröde. Im Vergleich: 2011 wurden 684 Fälle erfasst, 2020 noch 326. „Das ist der zweitniedrigste Wert seit 1994“, ergänzte er. Die Aufklärungsquote lag erstmals bei über 60 Prozent (63,8).

Straftaten gegen das Leben

„Man kann nur von einem Wunder reden, dass außer dem Täter selbst nur ein Beamter an der Hand verletzt wurde“, erklärte Achim Spröde, als er an die Nacht des 22. Novembers erinnerte. Damals lief ein Sportschütze in Meckenheim Amok, der sich am Ende selbst erschoss. Bei zehn Taten gab es 2020 vier Tote.

Sexualstraftaten

Einen deutlichen Anstieg verzeichneten die Statistiker bei sexualisierter Gewalt. Die Anzahl der erfassten Fälle stieg innerhalb eines Jahres um 56 auf 541. Die Aufklärungsrate lag bei 71 Prozent – 7,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Mehrzahl an Fällen erklärt die Polizei mit einem Zuwachs an Ermittlern. „In diesem Bereich haben wir das Personal von neun auf 19 erhöht“, erklärte Präsident Hoever. Neun dieser Ermittler sind speziell auf den Bereich Kinderpornografie angesetzt, dadurch entstehen mehr Verfahren aus eigenen Ermittlungen. Laut Achim Spröde ist „der Anstieg rein polizeilich erzeugt – und das ist positiv!“ Durch das Mehr an Ermittlern hat sich auch die Zahl der Kinderpornografie-Fälle in NRW mehr als verdoppelt. Von 2359 im Jahr 2019 auf 4776 erfasste Fälle 2020.

Spröde erklärte: „Mittlerweile schicken sich selbst die unter 14-Jährigen Nacktbilder, das ist auch Kinderpornografie. Sobald einer in diesem Chat älter ist als 14, ist das aber strafrechtlich relevant.“

Rauschgift

Während das Land NRW einen Rückgang von 1,3 Prozent verzeichnete, stieg die Zahl der Rauschgiftdelikte in Bonn und Umgebung minimal an, um nicht einmal ein Prozent. 16 Fälle mehr als im Vorjahr bedeuten 2268 erfasste Delikte. „Dabei können wir nicht mehr ausschließlich über eine Kontrollkriminalität sprechen, in der wir nur Fälle erfassen, weil wir selbst die kontrollieren“, sagte Spröde. „Vermehrt erhalten wir Informationen durch Dritte; Nachbarn, Beobachter oder Ähnliches. Dabei betrifft es am Ermittlungsschwerpunkt Tannenbusch weiterhin fast ausschließlich weiche Drogen, in der Innenstadt eher härte Drogen, zumeist Kokain. In 63 Prozent der Fälle ging es um Cannabisprodukte, in 15 Prozent um Amphetamine.

Gebrauch von Fahrrädern

Beim unbefugten Gebrauch von Fahrrädern handelt es sich um Mietfahrräder der Stadt Bonn. Diese werden nicht gestohlen, die Schlösser werden zur Benutzung aufgebrochen. Der Polizei wurden im vergangenen Jahr 220 dieser Fälle gemeldet. 2019 waren es noch zehn.