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Auftritt in MeckenheimWilfried Schmickler für die „Verfreundlichung der Welt“

4 min

Der Nörgler meint es gut: Wilfried Schmickler, Kabarettist aus Leverkusen, trat zum zweiten Mal in Meckenheim auf.

Meckenheim – Auf einer Metalltreppe stehend wirft ein Mann im schwarzen Mantel einen Schulterblick zurück auf graue Fluten, die bereits die untersten Stufen erobert haben – so zeigt das aktuelle Programmplakat den bekannten Kabarettisten Wilfried Schmickler. „Kein zurück“, heißt denn auch sein neues Programm, mit dem der Künstler vor rund 300 Besuchern in der Meckenheimer Jungholzhalle auftrat.

Mit dem Kabarettabend eröffnete der Bürgerverein sein Jahresprogramm mit Vorträgen, Besuche von Museen und Einrichtungen sowie Kultur- und Bildungsreisen. Mit seinem achten und jeweils überarbeiteten Soloprogramm zieht Wilfried Schmickler seit 2018 durch die Säle des Landes. Beim seinem zweiten Besuch in Meckenheim – der erste war 2014 – lag fast ein wenig Wehmut in der Luft, manche vermeinten sogar einen Hauch von Melancholie zu verspüren. Vielleicht auch, weil es das letzte Mal gewesen sein könnte, dass sie den 65-Jährigen, der Ende 2020 allerdings noch ein letztes Programm plant, auf der Bühne live erleben durften. Sieht der Satiriker selber Deutschlands Zukunft so grau, langweilig und möglicherweise auch bedrohlich, wie es die Farben auf dem Plakat suggerieren? „Keineswegs“, erklärte Schmickler selber im Gespräch mit der Rundschau. Geht es nach dem Sozialkritiker, sollen in Zukunft wirklich alle an der Gesellschaft teilhaben können, „jeder nach seinen Möglichkeiten“. Darum müsse man nach vorne schauen und die Zukunft gestalten. Entsolidarisierung, Ausländerfeindlichkeit und Nationalismus dürfe es nicht geben: „Es kann für uns kein Zurück geben zu Dingen, die wir längst geglaubt haben, überwunden zu haben“, so Schmickler. Doch gebe es Leute, die wollten Chaos und Unsicherheit in der Gesellschaft stiften, damit diese zusammenbricht. „Die wollen unsere Demokratie zerstören, und dagegen muss man etwas unternehmen. Ich tue das mit meinen Möglichkeiten“, erklärt er.

Und so steht das Abendprogramm ganz im Zeichen des Aufbruchs: Schmickler räsoniert auf der Bühne über Kirche und die Welt, den „erbarmungslosen Kampf der Generationen“, die Fifa („ein despotisches Lumpenpack devoter Scheuerlappen“) und die Olympische Bewegung, über Facebook („ein kriminelles Netzwerk der Internet-User“), Google und den Online-Handel sowie Smartphone-Abhängigkeit: „So ein Smartphone kriegt mehr Streicheleinheiten als der Lebenspartner, die Kinder und sämtliche Haustiere zusammen.“ Vertreter jeder Partei, vor allem die der AfD („eine Scheißpartei“), bekommen ihr Fett weg. Wortkaskaden und kreative Neologismen ergießen sich über die gespannten Zuhörer, die leider an manchen Stellen Gefahr liefen, aufgrund der irrwitzigen Geschwindigkeit des Schnellredners den Faden zu verlieren. Da war die Rede von Bundesminister Horst Seehofer, dem „Ladenhüter jenseits des Verfallsdatums“, SPD-Politiker Heiko Maas als „Brötchen mit Brille“ und FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner als „smartem Eiertänzer mit Schleudertrauma“. Höchste Zeit sei es, die alten Geschichten „von Ossis und Wessis“ zu vergessen, schließlich schreibe man das Jahr 2020. Im Grunde seien derlei Unterscheidungen auch unwichtig, denn „ob eine Birne hohl ist, hat nichts damit zu tun, wo sie vom Baum gefallen ist“.

Benefizkonzert

Der Bürgerverein Meckenheim lädt am Freitag, 13. März, zu einem Benefizkonzert mit rund 80 Musikern des Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr um Leiter Oberstleutnant Michael Euler in die Jungholzhalle ein. Beginn ist um 19.30 Uhr. Gespielt werden verschiedene Stilrichtungen sinfonischer Blasmusik „von Barock bis Pop“, der Reinerlös geht an die Bürgerstiftung Meckenheim. „Es ist großartig, dass die Gastspiele dieses famosen Orchesters bei uns in Meckenheim mittlerweile schon zur Tradition gehören“, freute sich Bert Spilles, Bürgermeister und Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung. Eintrittskarten zum Preis von 16 Euro gibt es in den Meckenheimer Filialen der Raiffeisenbank Voreifel an der Hauptstraße und am Neuen Markt sowie in Altendorf–Ersdorf, Wormersdorf und Rheinbach. (gvt)

In seinen Gesangsbeiträgen wird Schmicklers Anliegen besonders deutlich, wie in seinem ironiegetränkten Lied über die viel geliebte Heimat, wo „die Häuschen so adrett, die Nachbarn so nett“ sind und jeder seinen Platz hat. Allerdings: „Von uns will keiner raus, viele wollen rein, und weil wir was dagegen haben, mauern wir uns ein ...“ Klar wird am Ende auf jeden Fall: Der Nörgler meint es gut. Mit der Aufforderung „bleiben Sie tolerant“ und 25 Vorschlägen zur „Verfreundlichung der Welt“ entließ Schmickler sein begeistert applaudierendes Publikum.

Bürgervereins-Bernhard Granz lud anschließend traditionell zu einem Umtrunk ein, den die Abiturklasse des Konrad-Adenauer-Gymnasiums servierte.