Zum Internationalen Tag des Puzzles erzählen Bücherei-Mitarbeiterinnen Franzis Steinhauer und Steffi Hohenhaus von ihrem Hobby.
Internationaler PuzzletagDetektivarbeit mit verstreuten Teilchen in der Bücherbrücke Meckenheim

Steffi Hohenhaus (l.) und Franzis Steinhauer sind Puzzle-Fans.
Copyright: Vera Arenz
Ein Spielehersteller vereint am 29. Januar zum Internationalen Puzzletag Fans weltweit bei einem digitalen Event. Teilnehmer lösen zeitgleich ein ihnen bis zum Start unbekanntes 500-Teile-Puzzle – so schnell sie können. Wir haben uns umgehört, wer heute noch gerne puzzelt.
Speedpuzzeln ist für Steffi Hohenhaus und Franzis Steinhauer ein neuer Begriff. Die Frauen arbeiten nicht nur beide in der „Bücherbrücke“ Meckenheim/Alfter – Steinhauer als Leiterin der interkommunalen Bücherei und Hohenhaus als Ehrenamtliche sowie „Spiele-Expertin“ –, sie teilen sich auch ein Hobby: das Puzzeln. „Mein Lieblingspuzzle habe ich viele Male und auch auf Zeit gelegt“, sagt Steinhauer, „aber Speedpuzzeln ist mir neu.“ Das Motiv zeigt eine Europakarte, an der Franzis Steinhauer Ende der 1970er Jahre die Hauptstädte gelernt hat. Damals war sie in der vierten oder fünften Klasse. „Irgendwann konnte ich das in weniger als einer Stunde.“
500 Teile in weniger als 30 Minuten
Echten Speed-Puzzlern, die 500 Teile in weniger als 30 Minuten puzzeln, macht die 62-Jährige damit keine Konkurrenz. Das ist aber auch gar nicht ihr Ziel. Puzzeln dient der Entspannung, ist sogar meditativ – ohne Zeit- und Leistungsdruck, sind sich Steinhauer und Hohenhaus einig. Abschalten und die „Gedanken spazieren lassen“, darum geht es ihnen. „Besonders in der dunklen Jahreszeit puzzele ich viel“, sagt Steinhauer. So manchen verregneten Tag konnte sie so schon füllen. „Es ist eine Abwechslung zum Bildschirm, eine andere Art des Guckens.“
Mehrere Tage braucht sie für 1000 Teile, ähnlich sieht es bei Steffi Hohenhaus aus: „Es ist ja nicht so, dass man unbedingt drei Stunden über einem Puzzle sitzt. Das lässt man liegen, und puzzelt auch mal im Vorbeigehen.“ Nur, dass sie dann oft mehr Zeit mit dem Puzzle verbringen, als ursprünglich geplant. „Das hat einen gewissen Suchtfaktor.“ Aufhören fällt dann schwer.
Wir können uns auch zum Speedpuzzeln anmelden. Die „Bücherbrücke“ gegen den Rest der Welt – oder so ähnlich.
An diesem Tag haben sich die Frauen für ein Kinderpuzzle mit nur wenigen Teilen entschieden, denn nicht immer bleibt im Alltag die Gelegenheit zum Puzzeln. Die Herausforderung besteht hier im 3D-Effekt: Je nachdem, wie man die Puzzleteile hält, erscheinen die Farben plötzlich ganz anders, und die richtige Stelle zu finden, ist doch gar nicht mehr so einfach, wie zuerst gedacht. „Das ist zum Verrücktwerden.“
Puzzeln gehört schon seit der Kindheit zu den Hobbys von Steinhauer und Hohenhaus. Ein Zeitvertreib ausschließlich für Einzelkämpfer? Keineswegs! Man könne ganz hervorragend zusammen puzzeln. „Da sucht man ewig nach dem passenden Teil und dann kommt jemand anderes dazu und findet es auf Anhieb“, berichtet Steinhauer aus eigener Erfahrung. Gemeinsam puzzeln müsse aber gar nicht unbedingt bedeuten, dass man zeitgleich puzzelt: „Vielleicht kommt man selbst zum Puzzle zurück und sieht: Da hat schon ein Familienmitglied weitergemacht“, erklärt Hohenhaus: „Besonders schön ist das, wenn es genau die Ecke betrifft, die für einen selbst gerade schwierig war.“
Was braucht es zum Puzzeln? Außer eines schönen Puzzles natürlich – einen großen Tisch, auf dem das Puzzle einige Tage liegen kann. Alternativ geht es auch mit einer Platte oder einer Puzzle-Matte, um das Puzzle zur Seite legen zu könne. „Gutes Licht ist ganz wichtig“, sagt Steinhauer. Hilfreich seien außerdem Behälter wie Marmeladengläser oder Schälchen, um die Teile darin zu sortieren. Schon dreimal herumgedreht, passt ein Teil plötzlich an einer ganz anderen Stelle: „Das ist Detektivarbeit“, meint Steinhauer, und Hohenhaus ergänzt: „Aber eine, die den Geist nicht zu sehr anstrengt.“ Es sei denn, sie versuchen sich an sogenannten EXIT Puzzles, bei denen es tatsächlich Rätsel zu lösen gilt.
Langweilig wird ihnen dabei nicht. Es gibt unzählige Motive – Landschaften, Tiere, bekannte Gemälde, auf denen sie durch das Puzzeln schon neue Details entdecken konnten. Hauptsache, die Farben sind ansprechend und die Teile haben verschiedene Formen. Das Haptische gefällt Steinhauer besonders gut: „Die Finger machen etwas, was sie kennen.“
Eine Wohnung passend zum Puzzle
Puzzeln ist zudem ein Hobby für jedes Alter, sind sich die Frauen einig. Steffi Hohenhaus puzzelt mit ihrer Mutter, Franzis Steinhauer mit ihrer Tochter. „Den Kindern gibt man halt weiter, was einem selbst Spaß macht“, sagt sie schmunzelnd. Wie viele Puzzle-Matten Steinhauer schon an ihre Patenkinder verschenkt hat, kann sie nicht mehr zählen. Die Tochter einer Freundin habe eine Wohnung gesucht, in die ein großer Tisch zum Puzzeln passe. „Unter 2000 Teilen fängt die erst gar nicht an.“
Franzis Steinhauer ist Venedig-Fan, erst vor Kurzem war sie wieder in der italienischen Stadt. Ausgerechnet ein Venedig-Puzzle konnte sie zuletzt nicht lösen. Fast alles war fertiggepuzzelt: der Markusdom und die umliegenden Gebäude, der Kanal und die Boote darauf. „Ich bin am Himmel gescheitert.“ Orange-rosa – Ton in Ton – füllt der Himmel das komplette obere Drittel des Bildes. „Wenn es sich so ähnelt, wird es ganz schwierig. Aber das heißt ja nicht, dass ich es nicht irgendwann wieder auspacke.“ Einen zweiten Versuch will sie wagen, vorher gibt sie es nicht weg.
Nachdem Steinhauer ein Puzzle fertiggestellt hat, lässt sie es noch einige Tage liegen, um sich daran zu erfreuen, was sie da geschafft hat. Dann packt sie das Puzzle ein, um es weiterzugeben. In ihrer Familie und im Freundeskreis werden Puzzles regelmäßig getauscht. Hohenhaus hat einen anderen Ansatz: Ein Puzzle wieder zerlegen, nachdem man so lange daran gearbeitet hat? Viel zu schade! Sie klebt das Puzzle auf und hängt es an die Wand. Nur, dass langsam der Platz ausgeht.
Bücherbrücke mit eigenem Event zum Puzzletag 2027
Natürlich haben die beiden erfahrenen Puzzle-Fans auch Tipps für Neulinge parat. „Für den Anfang: keine Puzzles mit mehr als 500 Teilen“, rät Steinhauer. So habe man schneller ein Erfolgserlebnis, wenn es fertig ist. „Und ein schönes Motiv auswählen.“ Wer sich unsicher sei, ob Puzzeln überhaupt das Richtige für einen sei, könne günstige Puzzles auf Flohmärkten kaufen. Das sei ohnehin ratsam, sonst gehe das Hobby schnell ins Geld. „Oder in der Bücherei ausleihen“, schlägt Hohenhaus vor.
Allerdings führe die Bücherbrücke am Standort Meckenheim gar keine Puzzle, und in Alfter gebe es nur Kinderpuzzles mit bis zu 100 Teilen. Das liegt daran, dass Kundinnen und Kunden vor der Ausleihe alle Teile eines Spiels – also auch jeden Puzzles – nachzählen müssen, erklärt Hohenhaus. Bei Rückgabe fällt diese Aufgabe den Bücherei-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern zu, „und das im laufenden Betrieb.“
Mit 100 Teilen gehe das, mit 200 vielleicht auch noch, so die 59-jährige Spiele-Expertin. „Aber fehlt nur ein Teil, ist das Puzzle nicht mehr brauchbar.“ Das sei bei den Gesellschaftsspielen anders: Die seien oft noch in Ordnung, wenn ein Teil fehle. Oder man könne sogar Teile nachbestellen. „Beim Puzzle wissen wir gar nicht, welches Teil fehlt, da gibt es dann auch keinen Ersatz.“

Das Puzzle mit 3D-Effekt ist schwieriger als zuerst angenommen: Je nachdem, wie man die Teile hält sehen sie anders aus.
Copyright: Vera Arenz
Das Kinderpuzzle mit 3D-Effekt ist inzwischen fertig: Nashorn und Giraffe strecken frech die Zunge raus. Zebra, Vogelstrauß und Antilope grinsen breit und auch Elefant, Löwe und Erdmännchen lächeln freundlich. Nur das Gnu guckt irgendwie kritisch: Es ist aber auch eine komische Zusammenkunft.
Franzis Steinhauer kommt eine Idee: „Wir können doch zum Internationalen Tag des Puzzles hier auf zwei Tischen Puzzles auslegen. Wir machen unser eigenes Event daraus, und das an beiden Standorten.“ Allerdings nicht mehr in diesem Jahr – 2027 vielleicht. Schließlich biete sich die Bücherei als analoger Raum dafür an. Wenn nicht in der Ausleihe, dann vielleicht so.
Steinhauer: „Wir können uns auch zum Speedpuzzeln anmelden. Die „Bücherbrücke“ gegen den Rest der Welt – oder so ähnlich.“ Wie Speedpuzzeln geht, kann Steinhauer sich vorstellen. Die richtige Taktik sei entscheidend: „Zuerst den Rand legen. Dann Teile nach Farben sortieren und einzelne Motive puzzeln. Wenn man nicht mehr nach Farbe oder Motiv puzzeln kann: Teile nach Form sortieren.“ Viel Übung gehöre wohl auch dazu, um Muster und Strukturen schnell erkennen zu können.
