Debatte in MeckenheimViele möchten alten Standort für Parkpalette

Ein Parkplatz auf der gegenüberliegenden Seite der Königsberger Straße - das lehnen viele Geschäftsleute auch mit Blick auf ihre Kunden ab.
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Meckenheim – Wo soll sie hin, die neue Parkpalette für den Neuen Markt in Meckenheim? Und wie soll sie aussehen? Rund zwei Stunden diskutierten mehr als 100 Anwohner, Geschäftsleute und Kunden im Rahmen einer von der Verwaltung einberufenen Versammlung über vier Varianten, äußerten ihre Bedenken und gaben Anregungen. Eins wurde schließlich deutlich: Geschäftsleute und Kunden möchten eine Parkpalette gerne wieder an alter Stelle sehen und nicht am Standort Königsberger Straße.
Vorgestellt wurden die Standorte für ein neues Parkdeck von Bauingenieur Frank Leiendecker. „Ihre Meinung zu diesem Projekt ist uns wichtig und Sie sollen bei dieser richtungsweisenden, stadtplanerischen Entscheidung einbezogen werden“, erklärte Heinz-Peter Witt.
Der Technische Beigeordnete der Stadt Meckenheim freute sich über das große Interesse, wie er sagte, und über die konstruktive Gesprächskultur. Ergebnis der von den Fachleuten vorgestellten Pläne war, dass zwei der vorgeschlagenen Standorte im Bereich der Neuen Mitte nicht realisierbar sind. Es handelt sich um die Alternativlösungen „B“ und „C“, die nicht die erforderliche Anzahl von Stellplätzen erreichen. Erschwerend kommt beim Standort „B“ westlich des Neuen Marktes hinzu, dass nur ein Teilbereich der Stadt gehört. Der größere Bereich ist ein Kundenparkplatz der Firma Lidl und somit in Privatbesitz.
Bürgerwerkstatt
Die Stadt Meckenheim bietet zur Entwicklung des Neubaugebietes „Merler Keil III“ am Dienstag, 11. Februar, eine zweite Bürgerwerkstatt an. Sie findet um 19 Uhr im Ratssaal am Siebengebirgsring statt. Bürger hatten im Oktober bereits Gelegenheit, Wünsche und Anregungen zu äußern, die in der Zwischenzeit in Vorschläge für das Plangebiet eingeflossen sind. Im Zuge der nun folgenden „Bürgerwerkstatt II“ wird ein städtebaulicher Entwurf präsentiert, der die Grundlage für weitere Abstimmungen in den politischen Gremien bildet. Das rund 17 Hektar große Plangebiet ist derzeit die größte Potenzialfläche für den Wohnungsbau in der Stadt. Angestrebt werde eine qualitätsvolle Entwicklung in einem größtmöglichen Konsens mit den Bürgern, so die Verwaltung. (Bir)
Standort „C“ liegt am südlichen Rand des Neuen Marktes zwischen Königsberger- und Danziger Straße und dient bereits als Parkfläche für 145 Autos. Der Nachteil beider Alternativflächen ist, dass zu den vorhandenen Parkplätzen 351 Bestandsstellplätze hinzugerechnet werden müssen, ein neues Konstrukt am Standort C also 496 Parkplätze bieten müsste. Dazu sei das Areal aber nicht groß genug, so Frank Leiendecker. Der Inhaber des beauftragten Bornheimer Büros machte deutlich, dass von den 351 Stellplätzen der alten Palette 336 per Baulast angebunden sind, das heißt, dass deren Besitzer per Vertrag ein Anrecht darauf haben, dass die Einstellflächen wiederhergestellt werden. Für die Errichtung der neuen Parkplätze werde von einer Breite von 2,50 Meter und einer Länge von fünf Metern ausgegangen, ergänzte Heinz-Peter Witt. Vor diesem Hintergrund rieten die Planer zur Realisierung von entweder Variante „A“ oder „D“. Erstere steht für den Platz der alten Palette, letztere für ein unbebautes Hanggrundstück an der Königsberger Straße in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schulcampus, bei dem keine „städtebaulichen Zwänge“ vorliegen, so Leiendecker.
Alleinstellungsmerkmal von Variante „D“ sei, dass alle geforderten 351 Parkplätze ohne Vollgeschosse realisierbar seien: „Ich kann kleiner und kompakter bauen.“ Die Baukosten belaufen sich bei beiden Möglichkeiten auf rund 4,4 Millionen Euro. Heinz-Peter Witt versicherte auf Bürgerfragen, dass bei jedem Standort „eine vernünftige Ein- und Ausfahrtsituation“ einzurichten sei: „Ich glaube nicht, dass beim Abbiegen großer Rückstau erzeugt werden würde“, kommentierte er Variante D.
Wie sich jedoch herausstellte, plädierte ein großer Teil der Anwesenden für den Erhalt des alten Standortes am Neuen Markt, wo momentan ebenerdig 200 Autos parken können.
Die Geschäftsleute sahen durch den Wegfall von den in der Nähe gelegenen Parkplätzen ihre Existenz gefährdet, die Kunden würden es ablehnen, ihre Einkaufswagen „über eine Ampel in ein entfernter gelegenes Parkhaus an der Königsberger Straße“ zu schieben: „Wir akzeptieren keine weiten Wege.“
Hans-Josef Pintz bekundete: „Wir als Einzelhändler brauchen eine Verbesserung, und die bekommen wir nicht mit Standort 'D', einer Fläche hinter einer stark befahrenen Straße.“ Andreas Behr, Geschäftsführer des Hit-Marktes: „Der Wegfall von Parkplätzen am Neuen Markt hat uns und Lidl über 20 Prozent Umsatzeinbußen beschert.“ Viele Leute seien völlig entnervt bei der erfolglosen Suche nach Parkmöglichkeiten ins Wachtberger Einkaufszentrum oder nach Rheinbach gefahren: „Die haben sich gefreut.“ Behr sprach einigen aus dem Herzen, als er Lösung „A“ als optimal bezeichnete: „Der Standort am Schulzentrum wäre für uns der Tod.“
Das Argument einer Anwohnerin, eine Palette am alten Standort sei aus städteplanerischer Sicht „nicht schön“, ließ man nicht gelten. Es gelte, kreativ zu sein und sich von dem Beton und Stahl der 1980er Jahre zu lösen. Bürgermeister Bert Spilles erklärte, man sei sich bewusst, dass der Einzelhandel an erreichbaren Kundenparkplätzen interessiert sei, aber vielleicht gebe es ja eine Kombinationsmöglichkeit, die es erlaube, sowohl Flächen für Kunden zu erhalten als auch Möglichkeiten für Dauerparker zu finden. Jetzt sind die politischen Gremien am Zug. (gvt/jr)
