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Prozess in BonnFilmreifer Sturm auf ein Wettbüro in Meckenheim

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Guy-Fawkes-Masken werden häufig bei Demonstrationen gezeigt.

Eine Maske wie diese, die den britischen Widerstandskämpfer Guy Fawkes zeigen soll, hat einer der Täter getragen.

Zwei Männer stehen wegen eines Überfalls auf ein Wettbüro in Meckenheim vor Gericht. Sie sollen bei der Tat maskiert und bewaffnet gewesen sein.

Zwei ganz in Schwarz gekleidete, maskierte Männer stürmen – Pistolen im Anschlag – in ein Wettbüro. Der Eine bedroht die beiden einzigen Kunden, während sein Komplize den Filialleiter zur Herausgabe von Bargeld nötigt. Diese Szene wurde von der Überwachungskamera eines Wettbüros in Meckenheim aufgezeichnet und gestern vor Gericht abgespielt. Vor der 1. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht müssen sich zwei Männer verantworten; und einer von ihnen soll nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft auf den Videoaufnahmen zu sehen sein. Der zweite Angeklagte soll laut Anklage den Fluchtwagen gesteuert und auf einem Parkplatz vor dem Etablissement gewartet haben. Auch ein dritter Verdächtiger war mitangeklagt; in seinem Fall waren dem Gericht die belastenden Fakten aber nicht überzeugend genug, um ein Verfahren zu eröffnen.

Schüsse abgefeuert

Der Überfall ereignete sich am 9. März 2020: Einer der beiden hatte sein Gesicht hinter einer sogenannten Guy-Fawkes-Maske verborgen, der Täter, der im Hintergrund blieb, trug eine weiße Halloween-Maske mit roten Bluttränen. Der mit vorgehaltenen Waffen vorgetragenen Aufforderung „Das ist ein Überfall, Hände hoch und auf den Boden legen!“ leisteten die beiden Gäste des Wettbüros unverzüglich Folge. Der Haupttäter stürmte direkt auf den hinter einem Tresen stehenden Filialleiter zu, aber der Mann gab sich etwas störrischer als seine Kunden. Daher sahen sich die Räuber offenbar unter Zugzwang gesetzt und feuerten als Drohung jeweils einen Schuss ab. Die Projektile sammelten sie schlauerweise ein, nachdem der Filialleiter ihnen aus seiner Hosentasche ein 6000 Euro „schweres“ Bündel aus 50 Euro-Noten übergeben hatte.

Geld in der Hosentasche

Der mit der Guy-Fawkes-Maske ausgestattete Gangster ließ sich die Beute in eine weiße Tüte füllen und wollte bereits den Rückzug antreten, als er offenbar ins Grübeln geriet und eine Nachforderung stellte. Und tatsächlich griff der Wettbüroleiter nun auch noch in die andere Hosentasche und warf ein zweites Bündel auf die Theke. Laut Anklage soll es sich dabei um 20-Euro-Scheine im Gesamtwert von rund 1000 Euro gehandelt haben. Die beiden schwarz gekleideten jungen Männer auf der Anklagebank signalisierten dem Gericht keine große Kooperationsbereitschaft.

Angeklagte schweigen

Aber auch die Anwälte trugen ihren Teil zu der – wie die Vorsitzende Richterin es ausdrückte – schlechten Stimmung bei. Zu den Vorwürfen äußerten sich beide Angeklagten nicht, stattdessen deutete der Verteidiger des mutmaßlichen Fluchtwagenfahrers an, das Verbrechen könne eine abgekartete Sache gewesen sein. Außerdem rügte er den von der Anklage abweichenden Zeitstempel der Videos. Die Angaben liegen tatsächlich ziemlich exakt eine Stunde auseinander. Der Angeklagte, der auf den Aufnahmen zu sehen sein soll, sitzt derzeit eine vierjährige Haftstrafe wegen seiner Beteiligung an einer Geldautomatensprengung ab. Der mutmaßliche Fluchtwagenfahrer ist auf freiem Fuß.