Kirchen in Meckenheim„Arche“ und Christuskirche schließen – Friedenskirche bleibt

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Friedenskirche in Meckenheim

In den 1980er Jahren wurde die Friedenskirche am Neuen Markt gebaut, auf die sich die Gemeinde nun  konzentrieren wird.

Meckenheim – Für die einen ist es angesichts sinkender Mitgliederzahlen und gestiegener Ausgaben eine logisch nachvollziehbare und sinnvolle Entscheidung, andere haben noch mit ihrer emotionalen Verbundenheit zu kämpfen. In der Gemeindeversammlung der evangelischen Kirchengemeinde am Sonntag verkündete das Presbyterium seinen Entschluss zur Schließung zweier Kirchenzentren.

Die Friedenskirche in Meckenheims Neuer Mitte, in der auch das Treffen stattfand, soll als zukünftiges Zentrum des Gemeindelebens bestehen bleiben. Das Votum war letztlich keine Überraschung. Der aus den 1980er Jahren stammende hochwertige Bau hat den schönsten und größten Kirchenraum, liegt zentral und auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen,

Vortrag auf Youtube übertragen

Die Erläuterungen zur Entscheidung gab Presbyter Michael Blum vor rund 100 Gemeindemitgliedern vor Ort und zu Hause am Computer. Sein Vortrag wurde auf YouTube übertragen, die anschließende Diskussion nicht. Für geschätzt eine Million Euro kann ein bereits bei der Errichtung geplanter zweiter Bauabschnitt umgesetzt werden, der auf zwei Stockwerken zusätzliche Gruppen-, Büro- und Lagerräume umfassen wird. Geschlossen werden sollen die Christuskirche in Alt-Meckenheim und das Merler Kirchenzentrum „Die Arche“ in Merl. Der endgültige Beschluss wird in einigen Wochen fallen.

In Zukunft werde eine geeignete Folgenutzung in neuer Trägerschaft gesucht, so Blum. Für seine nachvollziehbaren und auf Fakten basierenden Ausführungen zur Entscheidungsfindung erhielt der stellvertretende Kirchmeister viel Lob. „Ich finde, die Sache ist eindeutig“, stimmte eine Besucherin zu. „Wir haben eine neue Orgel und einen tollen Kantor eingestellt, wieso sollten wir diesen schönen Kirchraum aufgeben?“

Pfarrerin Ingeborg Dahl bekräftigte diese Auffassung: „Schauen Sie sich doch diese Kirche an!“ Auf kritische Stimmen, die fehlendes Grün um das Gotteshaus bemängelten, gab Dahl zu bedenken: „Wir haben schon viele Open-Air-Gottesdienste auf dem Le-Mée-Platz gleich vor der Kirche gefeiert – und die waren alle gut besucht!“

Leicht fiel die Entscheidung keinem

Die 16 Mitglieder des Presbyteriums hätten sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht, führte Blum aus. Der Vorschlag des Leitungsgremiums sei das Ergebnis einer seit April 2020 intensiv geführten Strukturdiskussion. Vorausgegangen waren zahlreiche Gemeindeversammlungen. In einer hatte der ehemalige evangelische Pfarrer Radomir Nosek bereits 2019 die Gemeinschaft über die Notwendigkeit von Kosteneinsparungen zur Vermeidung negativer Haushaltsergebnisse informiert. Pfarrerin Dahl führte aus, dass in die Entscheidungen Anregungen der Gemeindemitglieder und Impulse der hauptamtlichen Mitarbeiter eingeflossen seien, mit denen die Pfarrer und Pfarrerinnen eng zusammenarbeiten.

Lieber ein Ende mit Schrecken

Eine Schließung in Raten, wie von einigen Anwesenden vorgeschlagen, lehnten die Presbyter ab. Anderthalb Jahre hatten die von der Gemeinde gewählten Freiwilligen diskutiert und Bewertungen nach unterschiedlichen Entscheidungskriterien vorgenommen. Die zahlreichen Zusammenkünfte hätten in Teilen abends um 19 Uhr nach einem regulären Arbeitstag stattgefunden, berichtete Michael Blum. Es sei nicht vorgesehen, diesen aufwendigen Prozess in fünf Jahren noch einmal zu durchlaufen, so Presbyterin Corina Schäfer, zumal die Notwendigkeit zur Schließung von zwei Gemeindezentren schon heute abzusehen sei. Pfarrerin Dahl gab zu bedenken, dass das Presbyterium, verantwortlich für die personellen, finanziellen und baulichen Angelegenheiten der Gemeinde, die Entscheidung zu verantworten habe. Gemeinsam machten die Presbyter deutlich, dass angesichts der rückläufigen Mitgliederzahlen von einst 10 000 auf aktuell rund 6400 und der klammen finanziellen Situation mit nur 800 000 Euro Rücklagen eine Unterhaltung von drei Zentren unverantwortlich sei. Der von einigen geforderte Erhalt der Christuskirche sei keine Option, sagte Blum und warnte vor finanziellen und logistischen Schwierigkeiten bei den in diesem Fall notwendigen Umbauten. Diese würden sich nach ersten vorsichtigen Schätzungen von ehrenamtlichen Bauexperten bei der Christuskirche auf etwa drei Millionen Euro belaufen: „Das ist ein riesiger finanzieller Aufwand mit unsicherem Ausgang, wir würden uns übernehmen.“

Kirchmeister Jürgen Wollowski rechnete vor, dass die Gemeinde pro Jahr ein Minus von 70 000 bis 80 000 Euro schreibe. Angesichts steigender Personal- und Instandhaltungskosten könne in Zukunft nur der Erhalt von einem Kirchenzentrum gestemmt werden, mehr sei finanziell nicht machbar: „Wir wären in zehn Jahren zahlungsunfähig, würden wir mehr Zentren erhalten.“ Die für den Anbau der Friedenskirche benötigte Summe von einer Million Euro sei mit den Rücklagen aus dem Fond für Bauaktivitäten abgedeckt. Dieses Geld dürfe nicht zum Stopfen von Haushaltslücken verwendet werden. Zugesichert wurden den Jugendlichen die für ihre Aktivitäten notwendigen Gruppenräume.

Die neue Jugendleiterin Melanie Hake gab zu bedenken, dass Belegungspläne allerdings den Bedürfnissen junger Menschen und dem Konzept von Jugendarbeit widersprechen: „Jugend braucht feste Räume, die sie gestalten kann.“ Die Medien der Bücherei sollen weiterhin zur Ausleihe zur Verfügung stehen, wenn auch nicht unbedingt zu den eigenen Örtlichkeiten.

Pfarrerin Franziska Hageloch versicherte, Umzug und Abschiednehmen als spirituellen Prozess gemeinsam zu bewältigen: „Wir machen nicht einfach das Licht aus.“

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