MeckenheimBert Spilles tritt nicht mehr an – So begründet er den Rückzug

Bert Spilles
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Meckenheim – Die Nachricht gleicht einem Paukenschlag: Der Meckenheimer Bürgermeister Bert Spilles (CDU) wird bei der Kommunalwahl 2020 nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Gleichermaßen gelöst und gerührt begründete der Verwaltungschef am Dienstag seine Entscheidung, die auch den CDU-Stadtverband und die Ratsfraktion überrascht hat. Er sei keinen einzigen Tag ungern ins Büro gegangen, sagte Spilles, der 2008 Nachfolger der abgewählten Bürgermeisterin Yvonne Kempen geworden und 2014 wiedergewählt worden war.
Nein, es gebe keine Querelen oder Sonstiges, sagte Spilles auf Nachfrage. 2020, da sei er 62 Jahre und habe mehr als 40 Jahre im öffentlichen Dienst gearbeitet, habe neun Jahre im Ausland verbracht und insgesamt ein „erfülltes Berufsleben gehabt“. Er habe die Stadt Meckenheim, seine Heimatstadt, immer mit „sehr viel Herzblut geführt“ und werde dies auch bis zum letzten Arbeitstag in eineinhalb Jahren tun. Er wisse, dass die Nachricht überraschend komme, die offenbar im Familienrat gefallen ist. Alles sei eine Sache der Lebensplanung, wer komme heute noch auf 45 Arbeitsjahre? Spilles: „Ich möchte selbstbestimmt sagen: Das war es jetzt!“ Man könne solch einen Job nicht mit halber Kraft fahren, so Spilles, „man muss voll bei der Sache sein“. Er müsse nicht mehr unbedingt 17 Stunden pro Tag arbeiten und freue sich auch mal auf ein freies Wochenende. Auf die Frage, ob eine neue Aufgabe auf ihn warte, sagte Spilles: „Es wird mir bestimmt nicht langweilig.“ Er werde mit Sicherheit noch etwas anderes machen, aber geplant sei noch überhaupt nichts, „ganz im Gegenteil“, so der Bürgermeister. Eine weitere Vollzeittätigkeit schließt er allerdings aus.
Dass er seine Entscheidung schon jetzt bekanntgebe, habe auch damit zu tun, dass er 2008 „keine geregelte Staffelübergabe im Rathaus“ gehabt habe. Zur Erinnerung: Yvonne Kempen (CDU) war nach einer turbulenten Amtszeit im November 2007 abgewählt worden, hatte aber noch bis kurz vor dem Neuwahltermin im März 2008 versucht, den Urnengang gerichtlich verhindern zu lassen – allerdings vergeblich. Die politische Stimmung war angespannt in Meckenheim, es herrschte Stillstand. Er wünsche sich die Übergabe ganz anders und wolle der Partei genügend Zeit geben, einen Nachfolger zu finden, sagte Spilles.
Zur Person
Bert Spilles, am 7. September 1958 in Meckenheim geboren, absolvierte in der örtlichen Verwaltung auch seine Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt. 1986 wechselte er ins Bundeswirtschaftsministerium. Nach zwei beruflich bedingten, mehrjährigen Auslandsaufenthalten bei der EU-Vertretung in Brüssel und der Deutsch-Australischen Industrie- und Handelskammer in Sydney kehrte Spilles 2003 nach Meckenheim zurück.
Seit 1986 engagierte er sich als Sachkundiger Bürger, aber auch als stellvertretender CDU-Vorsitzender für seine Heimatstadt. Im Oktober 2004 wurde er in den Stadtrat gewählt, er wurde stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion.
2008 wurde er Nachfolger der abgewählten Bürgermeisterin Yvonne Kempen und 2014 für sechs Jahre wiedergewählt. Bert Spilles ist verheiratet und hat drei Kinder. (jr)
Kurzfristig werde der CDU-Stadtverband eine Sondersitzung einberufen, so Spilles. Dabei werde eine Findungskommission eingesetzt. Er sei sicher, dass ein geeigneter Kandidat gefunden werde. „Ich habe auch eine eigene Meinung, werde dem Stadtverband aber nicht vorgreifen“, sagte der Verwaltungschef.
In den vergangenen elf Jahren habe sich die Stadt gut entwickelt: „Wir haben ihr den Stellenwert gegeben, den sie im Rhein-Sieg-Kreis haben sollte. Das war mal anders“, zieht Spilles Bilanz.
Was das wichtigste Projekt in dieser Zeit gewesen sei, das vermag er nicht zu sagen, „weil sich doch baulich so viel getan hat“. Einzig die Umgehungsstraße zur „Sonnenseite“ wird kaum bis 2020 fertig. Meckenheim habe heute 18 Kitas und fünf Grundschulen, die Stadt sei familienfreundlich und ein attraktiver Wohnort.
Ganz besonders wichtig sei die Kinder- und Jugendarbeit, seien Projekte wie die Meckenheimer Garantie für Ausbildung (MeGA) , die vielen Jugendlichen eine Zukunft gegeben habe. Seiner eigenen Zukunft sieht er ganz entspannt entgegen. Auf jeden Fall wolle er aber Meckenheimer Bürger bleiben.
