Rhein-Sieg-Kreis – Bonn-Endenich Nord, 12.35 Uhr: Am Bahnsteig der Linie S23 in Richtung Bad Münstereifel hat sich auf den ersten Blick nicht viel geändert. Bislang ist keine Menschenseele in Sicht, nur eine Information auf der elektronischen Hinweistafel kündet von der neuen Lage in öffentlichen Verkehrsmitteln: „Bitte achten Sie auf Fahrplanänderungen und die Einhaltung zur Verpflichtung zur Mund-Nase-Bedeckung.“ Seit Montag herrscht fast bundesweit Maskenpflicht in Geschäften, Bussen und Bahnen – Schleswig-Holstein zieht am Mittwoch nach. Eine kurze Fahrt in der S23 nach Meckenheim und zurück nach Bonn zeigt: Die neue Vorschrift wird angenommen – zumindest von den meisten Fahrgästen.
Pünktlich um 12.43 Uhr fährt in Endenich die Bahn nach Bad Münstereifel ein. Mittlerweile hat auch eine ältere Dame - mit Mundschutz und viel Sicherheitsabstand – den Bahnsteig betreten. In der Bahn fällt sofort die Vielfalt der vorgeschriebenen Mund-Nase-Bedeckungen auf: weiße, schwarze, rote und bunt gemusterte Masken, manche mit Ventil, Winterschals und leichte Tücher. Für manche scheint die Maske auch ein modisches Accessoires zu sein, ein Ausdruck von Autonomie in Zeiten der Einschränkung.
Auch Distanz wird gewahrt
Die meisten Bahnfahrer halten sich am frühen Montagnachmittag nicht nur an die Maskenpflicht, sondern zusätzlich auch so weit wie möglich von anderen Fahrgästen fern. Gespräche mit Mitreisenden gestalten sich mit Mundschutz ohnehin nicht ganz so einfach, wie man es sonst vielleicht gewohnt ist. Die Pendler wirken gelassen, aber schweigsam. Die einzigen Fahrgäste, die im Abteil ausgelassen plaudern, sind zwei junge Frauen, die ihre Masken eher unzweckmäßig um den Hals baumeln haben. Auch als sie den Zug verlassen und an anderen Passagieren vorbei müssen, bleiben die Masken unten. Halswärmer statt Mundschutz – manch einer muss sich wohl noch an die Vorschrift gewöhnen. Und ganz verübeln mag man es ihnen nicht: Im nicht immer perfekt belüfteten Zug eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen fühlt sich nicht nur ungewohnt, sondern auch etwas beklemmend an. Je nach Stoff fällt das Atmen etwas schwerer; vor allem auch dann, wenn die Atmung mitten in der Pollensaison ohnehin schon beeinträchtigt ist. Und trotzdem: Die Vorschrift gilt, bei Verstoß droht ein Bußgeld. Man mag über die Maskenpflicht diskutieren können, aber schaden kann sie zumindest nicht, auch wenn das Tragen erstmal ungewohnt erscheint.
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Meckenheim, 13.02 Uhr: Die meisten Passagiere, die aus der Bahn aussteigen, nehmen schnell wieder ihre Mund-Nase-Bedeckung ab. „Das ist schon gewöhnungsbedürftig“, sagt eine junge Frau, das Tuch nun um den Hals gelegt, und geht zügig weiter. Auch auf der anderen Seite der Gleise, auf dem Bahnsteig in Richtung Bonn, haben nicht alle Wartenden eine Maske auf. Viele wollen noch ein letztes Mal, bevor die S23 einfährt, frische Luft atmen. So auch ein älterer Mann, der seine blaugrüne Gesichtsmaske auf Kinnhöhe geschoben hat. Die neue Vorschrift sieht er eher pragmatisch. „Das ist nicht schön, aber man kann es schon aushalten. Ich hoffe, dass es bald wieder vorbei ist.“
Als um 13.26 Uhr die Bahn einfährt, ziehen auch die letzten Wartenden ihre Masken, Tücher und Schals ins Gesicht. Auf dem Rückweg nach Bonn herrscht ein ähnliches Bild wie zuvor auf dem Weg nach Meckenheim. Die meisten Fahrgäste tragen eine Mund-Nase-Bedeckung. Nur wenige, meist jüngere Passagiere, sind „oben ohne“. Zurück in Endenich und nach zwei kurzen Bahnfahrten bleibt vor allem eine Erkenntnis: Noch nie hat sich die nicht immer ganz so reine Stadtluft so frisch angefühlt.

