Bonn – Das kürzlich vorgestellte Bühnen-Sparkonzept von Generalintendant Bernhard Helmich beschäftigte die Mitglieder des Kulturausschusses am Mittwoch mehr als zwei Stunden. Quer durch alle Fraktionen erntete Bernhard Helmich zunächst großes Lob für sein umsichtiges Vorgehen bei der Durchsetzung der Sparpläne, die bekanntlich ein Abschmelzen des Etats von Theater Bonn in Höhe von 3,5 Millionen Euro im Jahr vorsehen. Helmich erklärte klipp und klar: „Wir werden im Sommer 2016 das volle Einsparvolumen von 3,5 Millionen Euro erreicht haben.“
Um die Sparziele für die städtischen Bühnen zu erreichen, will Generalintendant Bernhard Helmich auf der Einnahmenseite höhere Erträge erreichen. Dafür wird ab der kommenden Spielzeit die Zahl der Aufführungen von Oper Bonn mit dem Beethoven Orchester erhöht: von derzeit 91 in der kommenden Spielzeit auf 104 Aufführungen. Bis 2018, wenn der Vertrag mit Bernhard Helmich ausläuft, sollen dann 120 Aufführungen pro Spielzeit stattfinden. Helmich betont, dass trotz der Personaleinsparungen eine Erhöhung der Inszenierungen kein Problem sei; schließlich seien im Bühnenbereich sowie im Ensemble keine Einsparungen geplant.
Weiterhin möchte der Generalintendant durch klassische Musicals wie „My FairLady“ oder „West Side Story“ mehr Besucher ins Opernhaus locken, die mit dem klassischen und zeitgenössischem Opernrepertoire nicht zu erreichen seien. Ab der Spielzeit 2015/16 wird es pro Spielzeit eine Musical-Premiere geben. Außerdem sind eine zusätzliche Premiere einer Familienoper und einer konzertanten Oper geplant. Hier hat ja Theater Bonn mit der Oper „Die Perlenfischer“ von Georges Bizet bereits einen Anfang gemacht. Bernhard Helmich möchte weiterhin mit einer Erhöhung von Wiederaufführungen älterer Produktionen und einer verbesserten Kooperation mit anderen Opernhäusern Kosten sparen. (al)
Doch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Bekanntlich hat die Verwaltung im vergangenen Oktober weitere Einsparungen beim Theater Bonn ab 2020 in Höhe von rund 8 Millionen Euro vorgeschlagen. Tom Schmidt von den Grünen meinte: „Wir müssen trotz der dringend notwendigen strukturellen Änderungen erreichen, dass die Bonner Bürger weiterhin auf ihr Theater stolz sein können.“ Keine leichte Aufgabe, denn Bernhard Helmich wie auch Kulturdezernent Martin Schumacher machten klar, dass schon in diesem Jahr die strukturellen Änderungen angepackt werden müssen. Helmich sprach von „schmerzhaften Einschnitten“, Martin Schumacher ergänzte etwas wolkig: „Wir kommen nicht drum herum, eine mühsame Weichenstellung vorzunehmen.“
Das betrifft konkret die Schließung der Kammerspiele in Bad Godesberg. Helmich rechnete vor: „Die Bühnenmaschine ist schon seit einem Jahr hinüber, wir konnten zunächst die Bühne weder hochziehen noch versenken. Mittlerweile haben wir eine behelfsmäßige Konstruktion. Die dringend notwendige Sanierung der Bühnenmaschine kostet rund zwei Millionen Euro, hinzu kommen weitere, sehr hohe Kosten bei der Generalsanierung der Kammerspiele.“
Ein weiterer Kostenpunkt sind die sehr hohen Transportkosten für Bühnenbilder, Kulissen und dergleichen zwischen dem Depot auf dem Gelände der Halle Beuel , den Kammerspielen in Bad Godesberg und der Oper am Rheinufer. „Dieses Hin und Her schlägt enorm auf die Etatkosten“, erklärte Helmich. Für ihn als (noch) Außenstehenden ist es erstaunlich, dass sich eine Stadt von der Größe Bonns den Luxus erlaube, an drei verschiedenen Standorten Theater zu spielen. Er weiß aber auch, dass dies historisch mit der Rolle Bonns als Bundeshauptstadt zusammenhängt.
Helmich schlägt vor, mehr Investitionsmittel in die Hand zu nehmen, um langfristig Einsparungen zu erzielen. Im Raum steht der Ausbau der Oper zu einer doppelt genutzten Spielstätte für Schauspiel und Oper – bisher ist die Rede von 20 bis 25 Millionen Euro für eine Sanierung der Oper, die übrigens im Mai 50 Jahre alt wird – und die Einrichtung eines eigenen Proberaums für das Beethoven Orchester Bonn (BOB), dem Helmich große Priorität einräumt.
Bei ersten Gesprächen über die Nachfolge Stefan Bluniers als GMD 2016 habe er „ein gigantisches Erstaunen“ bei Dirigenten festgestellt, die sich nicht vorstellen können, dass ein Orchester von der Größe und Bedeutung des BOB über keinen eigenen Proberaum verfüge. Kulturdezernent Martin Schumacher erklärte, dass bei den anstehenden Gesprächen über die Strukturänderungen der Probesaal auf der Agenda stünde.
Die Kulturpolitiker sind sich durchweg einig, dass man an weiteren harten Sparmaßnahmen und Strukturänderungen nicht vorbeikommt. Aber die Vermittlung ist eine andere Sache. SPD-Fraktionschefin Bärbel Richter meinte. „Das wird in Bad Godesberg kein Entzücken hervorrufen, wenn von einer Schließung eines Museums (gemeint ist das Deutsche Museum Bonn, die Red.) und einer großen Spielstätte die Rede ist. Außerdem ist es psychologisch schwierig, wenn ich in einem Atemzug den Godesbergern dann erklären muss, dass in Bonn dafür ein schönes Schauspielhaus entsteht . . . “
