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Nach Sperrung der NordbrückeNeue Routen nach Bonn sollen entlasten

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Stau auf der Kennedybrücke.

Neue Abbiegeregeln in Beuel, eine geöffnete Friedrich-Breuer-Straße und mehr Stadtbahnen sollen die Folgen der Nordbrücken-Sperrung für Pendler abmildern.

Die gesperrte Bonner Nordbrücke stellt vor allem Pendlerinnen und Pendler seit Monaten vor große Herausforderungen. Eine der Hauptadern über den Rhein ist weggefallen, die alternativen Routen nach Bonn aus dem Rhein-Sieg-Kreis sind völlig überfüllt. Wer nicht aufs Fahrrad umsteigen kann, wird mit langen Wartezeiten auf den Straßen konfrontiert. Die Nordbrücke ist Teil der A565 und die wichtigste Ost-West-Verbindung für die Region. Die Brücke wurde täglich von mehr als 100.000 Fahrzeugen genutzt. Seit Anfang Juni ist sie wegen gravierender Schäden an der Vorlandbrücke komplett gesperrt. Ein Bauunternehmen hatte vor gut sechs Wochen mit dem Abbruch der Vorlandbrücke begonnen. Hinzu kommt die Stadtbahn-Krise: Im Juli mussten bei den SWB 60 von insgesamt 75 Stadtbahnen außer Betrieb genommen werden.

Neue Verkehrsführung im Beueler Zentrum

Wie die Stadt nun mitteilte, wurden seit der Sperrung der Bonner Nordbrücke im Juni weitere Anpassungen im Stadtverkehr vorgenommen, um die Situation zu verbessern. Demnach wurde im Beueler Zentrum die Verkehrsführung für den Individualverkehr geändert: Wer von der Kennedybrücke kommt, kann nun von der Sankt-Augustiner-Straße nach rechts über den Konrad-Adenauer-Platz in die Limpericher Straße abbiegen. Die Straßenverkehrsbehörde hat die entsprechende Anordnung erlassen, die Beschilderung ist bereits installiert.

Ergänzend dazu wurde laut Mitteilung die Friedrich-Breuer-Straße bis zur Limpericher Straße für den Verkehr geöffnet. Beide Maßnahmen gehen auf Beschlüsse der städtischen Taskforce zurück, die seit der Nordbrücken-Sperrung Verbesserungen für den Verkehrsfluss im gesamten Stadtgebiet erarbeitet.

Für den Bereich am Konrad-Adenauer-Platz sind zudem bauliche Arbeiten geplant. Das Tiefbauamt hat Pflaster- und Markierungsarbeiten für Samstag, den 24. Oktober 2026, vorgesehen. Dabei wird die Aufpflasterung an der südlichen Spitze der Verkehrsinsel zurückgebaut, um ein einheitliches Höhenprofil herzustellen. In der Folge kann der Zebrastreifen etwas nach Süden in die Hermannstraße verlegt werden. Außerdem wird ein Müllbehälter auf der Insel versetzt.

Neue Markierungen für Rad- und Fußverkehr

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeiten liegt auf der Radverkehrsführung. Der Radweg wird im Bereich von der Brücke in Richtung Beueler Zentrum über die Verkehrsinsel hinweg auf den Fahrradweg am Konrad-Adenauer-Platz mit einer Breite von 1,50 Metern rot markiert. Die Fußgängermarkierung wird auf einer Breite von rund zwei Metern angepasst und optisch hervorgehoben. Durch die unterschiedlichen farblichen Markierungen sollen Berührungspunkte zwischen den Verkehrsteilnehmenden reduziert werden, so die Stadtverwaltung. Die Abstimmung mit der Unfallkommission sei bereits erfolgt.

Um die Beeinträchtigungen für den Verkehr möglichst gering zu halten, finden die Arbeiten ausschließlich an einem Samstag statt. Sollten die Witterungsverhältnisse am 24. Oktober die Pflaster- und Markierungsarbeiten nicht zulassen, verschieben sie sich um eine Woche auf Samstag, den 31. Oktober 2026.

Weitere Maßnahmen der Taskforce

Die Maßnahmen am Konrad-Adenauer-Platz sind Teil eines größeren Pakets, das die Nordbrücken-Taskforce seit der Sperrung geschnürt hat. So wurde bereits die Nutzung der beiden Radwege auf der Kennedybrücke auf jeweils eine Fahrtrichtung beschränkt und entsprechend beschildert. Zudem wurde das Rechtsabbiegen für den Kraftfahrzeugverkehr von der Kennedybrücke in die Doetschstraße unterbunden, da dort nach Angaben der Stadt bereits vor der Nordbrücken-Sperrung ein Unfallschwerpunkt bestanden hatte.

Ebenfalls auf einen Beschluss der Taskforce geht eine Änderung in der Bonner Innenstadt zurück: Das Linksabbiegen für den Individualverkehr von der Budapester Straße in die Thomas-Mann-Straße ist inzwischen untersagt. Hintergrund ist laut Stadtverwaltung Schleichverkehr in Richtung Oxfordstraße und Bertha-von-Suttner-Platz, der in der Thomas-Mann-Straße zu Behinderungen der Straßenbahnlinien 61 in Richtung Auerberg und 62 in Richtung Oberkassel geführt hatte. Der Individualverkehr darf die Budapester Straße seither nur noch geradeaus befahren, um die Fußgängerzone bei Anlieferungen bis 12 Uhr oder die dortigen Parkgaragen zu erreichen.

Die Stadtverwaltung bittet alle Verkehrsteilnehmenden rund um die Kennedybrücke auf beiden Rheinseiten und den Hauptverkehrsachsen um Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme.

Weitere Bahnen kehren für den ÖPNV zurück

Auch im Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) ist eine Entschärfung der angespannten Situation in Aussicht. Bei den Stadtwerken Bonn kehren weitere Bahnen auf die Strecke zurück, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Das 17. und das 18. Fahrzeug der fünften Serie sind wieder im Einsatz. Die letzten beiden Bahnen dieser Baureihe werden vorerst nicht zur Freigabe vorgestellt, da die Kosten für eine vorherige Reparatur unverhältnismäßig wären. Am Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, wurden außerdem die Unterlagen für die erste bis vierte Serie der B-Wagen bei der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) eingereicht. Ursprünglich sollte die Wiederinbetriebnahme der vierten Serie erst nach der Freigabe der sogenannten Zweiterstellung der ersten bis dritten Serie beginnen. Gemeinsam mit allen Beteiligten und nach umfangreichen Voruntersuchungen habe man sich jedoch entschieden, nur noch einen Bescheid zu beantragen, um Zeit zu sparen, wie Anja Wenmakers, Geschäftsführerin von SWB Bus und Bahn, erklärt.

Gregor Frohne, Bereichsleiter Schienenfahrzeuge, betont, dass weiterhin gründlich vor schnell gelte. Die Werkstatt müsse neben den Freigaben und regulären Reparaturen auch die wiederkehrenden Prüfungen durchführen. Bislang haben sieben Bahnen den im Prüf- und Überwachungskonzept vorgesehenen Prozess durchlaufen, der mit der TAB abgestimmt ist. Für diese Woche sind weitere vier Bahnen geplant.

Bei der ersten bis dritten DÜWAG-Baureihe handelt es sich um 25 Bahnen aus den 1970er-Jahren, die zwischen 2012 und 2023 komplett überholt und modernisiert wurden. Die 15 B-Wagen der zweiten Generation, also die vierte Serie, stammen aus den 1980er-Jahren.

Die Stadtwerke halten daran fest, den Ast Hauptbahnhof-Ramersdorf am 19. Oktober wieder mit Bahnen zu bedienen und den Ersatzverkehr mit Bussen dort einzustellen. Voraussetzung dafür sind der entsprechende Bescheid der TAB und der erfolgreiche Abschluss der noch ausstehenden Prüfungen in der Werkstatt. Mit einer dann noch größeren Bahnflotte soll bis Ende November auch das letzte Teilstück Ramersdorf-Bad Honnef folgen.

Park-and-Ride, Shuttlebusse und Busspur

Um die angespannte Verkehrssituation zu entlasten, hat die Stadt Bonn mehrere Maßnahmen umgesetzt: So sind neben dem neuen Park-and-Ride-Platz auf der Festwiese von Pützchens Markt weitere provisorische Park-and-Ride-Plätze entstanden, wie zum Beispiel am ehemaligen Landesbehördenhaus. Zudem gab es eine Vergrößerung des P&R-Platzes in Ramersdorf, gleiches ist auf Anlagen im Bonner Umland geplant.

Ebenso wurden zusätzliche Shuttle- und Schnellbusverbindungen eingerichtet. Die Umweltspur auf dem Hermann-Wandersleb-Ring wurde in eine Busspur umgewandelt. Der Radverkehr wird auf Parallelrouten umgeleitet.

Auch zum Start in die Herbstferien sollte die Verkehrssituation um die Bonner Nordbrücke in die Planungen einbezogen werden. Am Freitagnachmittag zwischen 14 und 18 Uhr dürfte es besonders voll werden, weil Berufspendler auf die ersten Urlauber treffen, prognostiziert der ADAC. Wer am Freitag starten muss, sollte möglichst morgens oder abends losfahren. Am Samstag und Sonntag erwartet der ADAC weniger Verkehr. Auf dem Weg an die Küste müssen Urlauber aber mit Staus rechnen, besonders in Bremen und Hamburg.

Die Autobahn zu verlassen und über Landstraßen zu fahren, bringt laut ADAC nur selten einen Vorteil. Ausweichstrecken seien schnell verstopft. Erst bei mehr als zehn Kilometern Stau oder Vollsperrung ergebe es Sinn, die Autobahn zu verlassen. (jv)