Rhein-Sieg-Kreis – Wegen erheblicher Differenzen über die politische Ausrichtung der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) hat Paul Pawlowski, der stellvertretende Sprecher des AfD-Kreisverbandes Rhein-Sieg, seine Funktionen innerhalb der Partei niedergelegt und seinen Austritt aus der AfD erklärt. Der Wachtberger informierte darüber in einer persönlichen Erklärung, in der er seiner Partei vorwirft „auf einem Weg ins völkische Nirwana“ zu sein.
Für seinen Schritt führt Pawlowski „regionale und gesamtparteiliche“ Gründe an. Er sehe sich „außerstande, mit einem Kreisvorstand und dessen Sprecher Politik zu gestalten, die keine deutliche Abgrenzung gegen rechtsradikale Kräfte als notwendig erachten“, heißt es weiter. Pawlowski kritisiert unter anderem, dass der Kreisvorstand um seinen Sprecher Thomas Matzke sich nicht ausdrücklich von Personen distanziere, die bei geschlossenen Veranstaltungen der AfD mit „mit eindeutig rechtsradikalen Emblemen und Modelabeln“ auftreten.
Protest gegen Protestzug
Bei der AfD Rhein-Sieg möchte man die Vorwürfe des ehemaligen Parteifreundes nicht kommentieren, „weil das inhaltlich keinerlei Substanz hat“, wie Matzke auf Anfrage erklärte. Letztlich handele es sich um eine „Einzelmeinung“, die man tolerieren müsse, so der Sprecher, der nach Auffassung Pawlowkis selbst für bedenkliche Denkmuster innerhalb der AfD steht.
Auch die Gewerkschaften unterstützen derweil den Protest gegen eine für Donnerstagabend in Siegburg geplante Demonstration der rechtspopulistischen AfD unter dem Motto „Asylchaos beenden“. Der Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bonn/Rhein-Sieg (DGB) hat jetzt dazu aufgerufen, sich an der vom Bündnis „Bunter Kreis Rhein-Sieg“ veranstalteten Protestkundgebung gegen die AfD zu beteiligen. Dem Bündnis gehören die Grünen, die Grüne Jugend, die SPD, die Jusos und die Jungen Liberalen an. Die Gewerkschaften sehen durch die Aktivitäten der Partei den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet. Sie trage „mit ihrer Stimmungsmache und ihren drastischen Forderungen“ dazu bei, dass die Polarisierung in der Gesellschaft zunehme und „einfache Lösungen und Feindbilder“ Konjunktur hätten.
„Die AfD hetzt nicht nur gegen Geflüchtete, sie gefährdet die Funktionsfähigkeit der Gesellschaft, weil sie auf marktradikale Lösungen, massive Steuersenkungen für Reiche und soziale Ausgrenzung setzt“, sagt Michael Korsmeier, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Bonn-Rhein-Sieg. (pf)
