Bonn – Mit der Bäderfrage und dem Klärschlamm standen zwei die Stadt derzeit besonders bewegende Themen auf der Tagesordnung der Ratssitzung am Donnerstag. Vor dem Ratssaal demonstrierten Initiativen gegen die Klärschlammverbrennung in der Umweltzone und für die schnelle Reparatur des Bads im Konrad-Adenauer-Gymnasium in Bad Godesberg. Während der Klärschlamm vertagt wurde, entschied die Jamaika-Koalition in der Bäderfrage, verstärkt auf die Mitarbeit der Bonner zu setzen und zum Leidwesen der anderen Fraktionen erst 2019 über das weitere Vorgehen zu entscheiden.
Gabi Mayer (SPD) erklärte: „Die Befürworter des Wasserlands lecken nach dem verlorenen Bürgerentscheid noch ihre Wunden“. Der Rat müsse jetzt handeln und eine Entscheidung vorantreiben. Man müsse das Schulschwimmen sicherstellen und Angebote für Sportler und Freizeitschwimmer schaffen. „Der Ball liegt im Spielfeld von Rat und Verwaltung“, meinte auch Dr. Michael Faber (Linke). Die Bonner wollten wohnortnahe Bäder. „Die Koalition flüchtet vor der Verantwortung, während die Bäder weiter verrotten.“ Von „verschleppen“ sprach auch Marcel Schmitt vom Bürger Bund. Alle sprachen sich für ein Bad in jedem Bezirk aus.
Dr. Christos Katzidis (CDU) hielt dagegen: „Wir haben die Lehren aus dem Bürgerentscheid gezogen und wollen den Bürger noch mehr beteiligen.“
Auch Hartwig Lohmeyer (Grüne) lobte das dreistufige Verfahren. „Zuerst spricht die Politik mit Bürgern, Initiativen und Organisationen, dann werde in einer Planungswerkstatt Alternativen erarbeitet.“ Rund 50 repräsentativ ausgewählte Bonner sollen dann einen Beschluss erarbeiten. Am Ende entscheidet dann die Politik.
Bürgerantrag zum
Frankenbad abgelehnt
Florian Bräuer (FDP) sieht ebenfalls die Notwendigkeit für eine Planungswerkstatt, um „die Interessen zu bündeln“. Die Verwaltung solle nun aber schnellstmöglich die Sanierung der Schulschwimmbäder prüfen. Allein für das Bad im Konrad-Adenauer-Gymnasium wurden Kosten von gut einer Million Euro ermittelt. Mit den Schulen, so die Verwaltung, werde zurzeit darüber gesprochen, wie mehr Schwimmunterricht, eventuell auch nachmittags , erteilt werden könne.
Thema waren auch die 6,7 Millionen Euro, die die Stadt an die Stadtwerke für die Planung des Schwimmbads in Dottendorf überweisen muss, obwohl das Projekt nicht realisiert wird. „Die 6,7 Millionen Euro müssen noch nicht das Ende der Fahnenstange sein“, erklärte Herbert Spoelgen (SPD). Faber und Hans-Friedrich Rosendahl (Allianz für Bonn) fragten, ob OB Sridharan nicht früher habe einschreiten müssen, als klar gewesen sei, dass es ein Bürgerbegehren geben werde. Rosendahl meinte er habe auch eine Idee für das Bad in Godesberg. „Die werde ich aber jetzt nicht vortragen, weil sie dann Tod ist, ehe ich wieder auf meinem Platz sitze.“
Einen Bürgerantrag, das Dach des Frankenbades umfassend zu sanieren, der im Finanzausschuss noch eine Mehrheit bekommen hatte, wurde mit 37:36-Stimmen abgelehnt. CDU, FDP und die Verwaltung argumentierten dass über die künftige Nutzung des Frankenbades noch nicht entschieden sei. Wenn man das Dach jetzt saniere, müsse es später gegebenenfalls wieder verändert werden. Die Grünen stimmten für die Sanierung, doch weil einige Ratsmitglieder fehlten, setzte sich die Koalition knapp durch.
