Alle wollen Knees jagenAbschiedsrennen ist Höhepunkt von „Rund in Rheinbach“

Nach zwei Jahren Pause aufgrund der Pandemie, heißt es am 9. Oktober wieder "Rund in Rheinbach". Das Hauptrennen ist das Abschiedsrennen für Vereinsmitglied Christian Knees, der nach dem Ende seiner Profikarriere vom Rennrad ins Teamfahrzeug als Sportlicher Leiter seines UCI World Tour Teams „INEOS Grenadiers“ gewechselt ist.
Copyright: Petra Reuter
Rheinbach – Schließt sich am 9. Oktober für Christian Knees ein Kreis? Wenn der Lokalmatador bei „Rund in Rheinbach“ seinen Abschied vom Rennsport feiert, kann er mit einem Sieg das wiederholen, was ihm vor 22 Jahren gelang: 2000 triumphierte Knees schon mal, als er das U-23-Bundesligarennen gewann.
Zwar hat Knees viele Weggefährten zu seinem Abschiedsrennen eingeladen, während der Hatz über 64 Kilometer (40 Runden) wird die Freundschaft aber ruhen – bei Profis und Ex-Profis dürfte der Ehrgeiz groß sein, Knees den Sieg streitig zu machen. Der inzwischen 41-jährige Rheinbacher hat sich selbst noch mal in Topform gebracht, um eine Siegchance zu haben: „Ich habe eine sechstägige Tour mit Gepäck durch die Alpen gemacht.“
20 Zusagen von aktuellen und ehemaligen Profis hat er schon, darunter Marcus Burghardt (deutscher Meister 2017), Nikias Arndt (Etappensieger Giro 2016 und Vuelta 2019) und Phil Bauhaus (Etappensieger Polen-Rundfahrt 2021 und 2022). Es könnten aber kurzfristig bekannte Namen dazukommen: von Fahrern, die noch nicht wissen, ob sie bei den letzten großen Profi-Rennen der Saison (Lombardei-Rundfahrt am Samstag, Paris – Tours am Sonntag) im Einsatz sind. So hat John Degenkolb signalisiert, er käme gerne, wenn der Terminplan es zulasse.
Endlich mal im Windschatten
Aber auch die Fahrer des Amateurteams „Stilum – RSC Rheinbach“ oder des Continental-Teams „Kern-Haus“ (3. Liga im Radsport) sind auf dem flachen Kurs nicht zu unterschätzen: „Sie wollen gegen die Profis zeigen, was sie drauf haben“, warnt Knees.
Er kündigt zudem ein Spektakel an, „das wir noch nie in Rheinbach hatten“: ein Derny-Rennen. Dabei fahren die Radprofis wie bei Steher-Rennen hinter Motorrädern her. Zehn dieser Gespanne gehen in Rheinbach ins Rennen. Auch Christian Knees will das mal testen – Spötter munkeln, er wolle auch endlich das mal genießen, was er sonst immer seinen Kapitänen geboten hat: Windschatten. Das Derny-Rennen geht über 15 Runden (24 km) und wird nach dem Bürgerlauf um 13.40 Uhr gestartet. Nach den Kinderwettbewerben beendet das Abschiedsrennen von Knees (15.15 Uhr) die 38. Auflage von „Rund in Rheinbach“. RSC-Vorsitzender Josef Göttlicher rechnet damit, dass die Fahrer einen Schnitt von über 40 km/h erreichen und der Sieger gegen 16.40 Uhr feststeht.
Großartige Tour de France 2012
Er hat keine Etappe gewonnen, er ist auch keinen Tag im Gelben Trikot gefahren. Und doch war Christian Knees bei der Tour de France 2012 wohl der auffälligste Fahrer im Feld – weil der Radprofi aus Rheinbach so viele Kilometer an der Spitze des Pelotons fuhr wie kein anderer. Denn der Auftrag seines Sky-Teams war eindeutig: Knees sollte seinen Kapitän Bradley Wiggins als persönlicher Adjutant zum ersten Sieg eines Briten in Paris führen.
Drei Wochen lang für Wiggins vorne im Wind gefahren
Und so prägte sich den TV-Zuschauern über drei Wochen ein Bild ein: Vorne im Wind Christian Knees, der mit seinen 1,94 m Körpergröße den perfekten Windschatten bot, jeden Tag über Stunden Schrittmacherdienste leistete, dahinter in Gelb Wiggins, der sich so selbst aus allen Scharmützeln heraushalten konnte. Dass Knees ihn sogar bei Bergetappen bis an den Fuß des letzten Passes eskortierte, ehe Wiggins die Spitze übernahm, war für einen 80-Kilo-Mann wie Knees ein echter Kraftakt.

Nach zwei Jahren Pause aufgrund der Pandemie, heißt es am 9. Oktober wieder "Rund in Rheinbach". Das Hauptrennen ist das Abschiedsrennen für Vereinsmitglied Christian Knees, der nach dem Ende seiner Profikarriere vom Rennrad ins Teamfahrzeug als Sportlicher Leiter seines UCI World Tour Teams „INEOS Grenadiers“ gewechselt ist.
Copyright: Petra Reuter
„Ich hatte eine super Form, habe mich von Tag zu Tag sehr gut regeneriert und war dann selbst überrascht, wie stark ich in den Bergen war“, sagte Knees im Rundschau-Interview am Tag nach dem Tour-Triumph von Wiggins auf den Champs Élysees. Wie wertvoll Knees für den Toursieger war, zeigte eine Szene eindrucksvoll: Kaum hatten beide auf dem Prachtboulevard die Ziellinie überquert, ging Wiggins auf den Rheinbacher zu und drückte ihn lange. Die Bilder dieser herzlichen Umarmung gingen noch am selben Abend um die Welt – sie sagten mehr als alle Worte. Bei dieser Tour wurde für Knees die Berufsbeschreibung „persönlicher Bodyguard“ geprägt, die ihn für den Rest einer langen Karriere begleitete, die erst 2020 im Alter von 39 Jahren ihr Ende fand. Die absolute Professionalität gepaart mit der Bereitschaft, eigene Ambitionen dem Teamerfolg unterzuordnen, verhinderten zwar, dass der Name Knees oft in Siegerlisten auftauchte. Bei „Rund um Köln“ 2006, der Bayern Rundfahrt 2008 und der deutschen Meisterschaft 2010 stand er dennoch ganz oben auf dem Treppchen.
Nach Karriereende jetzt sportlicher Leiter bei Ineos
Welch tiefe Spuren er im Profiradsport hinterlassen hat, davon zeugen allein 20 Starts bei einer Grand Tour – wie die drei dreiwöchigen Landesrundfahrten Tour de France, Giro d’Italia und Vuelta à Espana genannt werden: Achtmal fuhr er die Tour (dabei von 2006 bis 2012 siebenmal in Folge), sechsmal den Giro und sechsmal die Vuelta. Dabei musste er nur einmal vorzeitig aufgeben, als ihn 2014 bei der Vuelta ein Magen-Darm-Infekt stoppte.
Nur in seinen Jahren beim Milram Team (2006–2010) konnte er mal eine Etappe ohne Stallorder auf eigene Rechnung fahren, mit Platz 29 (2008) und 19 (2009) erreichte er da auch seine besten Tour-Resultate und deutete damit an, dass er zu Höherem fähig gewesen wäre. Aber beim Team Sky und nachfolgend Ineos (2011 – 2020) war er immer in eine strikte Stallregie eingebunden. Dabei führte er mit Chris Froome 2017 einen zweiten Sky-Kapitän zum Tour-Sieg, dem er auch bei der Vuelta 2017 und dem Giro 2018 zum Sieger-Trikot verhalf.
Wie wichtig Knees in seinen zehn Jahren für das Team Sky/Ineos war, zeigte sich, als er nach dem Karriereende 2020 direkt in die sportliche Leitung aufstieg. Nur eines blieb ihm wegen Corona verwehrt: Seine Karriere auch in seiner Heimatstadt Rheinbach angemessen ausklingen zu lassen. Das will er am Sonntag (9.10.) mit seinem Abschiedsrennen nachholen.
