Frieden mit FrankreichSchüler spürten das Grauen des Krieges

Schüler aus Rheinbach verfassten zwischen den weißen Kreuzen in Gedenken an Gefallene Texte.
Copyright: STefan Raetz
Rheinbach – „Man kennt grausame Bilder aus irgendwelchen Spielfilmen, aber das hier sind ja reale Aufnahmen. Unfassbar!“, formulierte Mia aus dem Französischkurs der Klasse 9 am Städtischen Gymnasium Rheinbach (SGR). Der Anblick der vielen Kriegsbilder und Gräber gefallener Soldaten in Verdun hat die Schüler vom Gymnasium und der Gesamtschule in Rheinbach sichtlich bewegt und zum Verfassen von Texten veranlasst. Texten wie diesem:
Still und andächtig trugen die rund 40 Schülerinnen und Schüler des städtischen Gymnasiums und der Gesamtschule Rheinbach die Texte vor, die sie sich auf dem Nationalfriedhof am Beinhaus bei Verdun zu einzelnen Kreuzen ausgedacht hatten. Jeder einzelne von einer Betroffenheit geprägt, wie sie ein Geschichtsbuch nicht zu vermitteln vermag. Der Besuch im Festungswerk der Ouvrage de la Falouse oder im Beinhaus mit dem Begleitfilm zeigten Wirkung.
Die zweitägige Busfahrt war durch den jungen Verein „Partnerschaft des Friedens Rheinbach/Douaumont-Vaux“ organisiert und von mehreren Lehrkräften und Vereinsmitgliedern begleitet worden, unter ihnen der Vorsitzende Stefan Raetz und Vorstandsmitglied Tamara Vogt. Beide betonten die Bedeutung solcher Gedenkfahrten gerade für Jugendliche heutzutage. „Ohne großzügige Unterstützung und Förderer wäre dies so nicht möglich!“, räumte Raetz ein. Er hofft auch weiterhin auf Hilfen für den Verein.

Die Bronzestatue von Pater Ludwig entstand auf Anregung des Rheinbachers Erich Scharrenbroich.
Copyright: Stefan Raetz
Freude war aber auch dabei, etwa als die Jugendlichen schon nach der Ankunft am Mittag bemerkten, dass sie beim gemeinsamen Essen im Abri de Pèlerins die Getränke auf Französisch bestellen und sich in der Landessprache für die Mahlzeit bedanken konnten. Auch der Führung durch das Fort Douaumont-Vaux in französischer Sprache vermochten viele tatsächlich schon weitgehend zu folgen und bedankten sich am Ende gar mit persönlichen Worten in der Fremdsprache bei Nicolas Czubak für die vielen Informationen. Einige formulierten sogar eigenständig Rückfragen.
Czubak zeigte rund eineinhalb Stunden kostenlos die Befestigungsanlage und verlieh abschließend dem gemeinsamen Gedenken an diesem Ort besondere Bedeutung. „C’est notre histoire commune! Et c’est à vous comme jeunes Allemands et Français de protéger la bonne relation entre nos deux peuples!“ „Es ist unsere gemeinsame Geschichte, und es ist an euch als junge Generation Deutschlands und Frankreichs, die gute Beziehung zwischen unseren beiden Völkern zu bewahren, übersetzte Stephanie Ewald, Französischlehrerin am Städtischen Gymnasium und stellvertretende Vorsitzende der Partnerschaft des Friedens für die Teilnehmer ohne Französischkenntnisse.
Mia und Leonie aus dem Französischkurs der Klasse 9 am SGR boten an, freiwillig für diese Fahrt in anderen Klassen zu werben und beim Volkstrauertag im November ihre Eindrücke zu schildern. Auch Tim vom Leistungskurs Geschichte von Jan Gerdemann am SGR und Jule, Vanessa und Jona aus der Klasse 9 von Anette Schwenk an der Gesamtschule wollen das übernehmen. Olivier Gérard, der Direktor des Beinhauses, und Armand Falque, der Bürgermeiser von Douaumont-Vaux, wollen auch mitmachen und ein Gesteck niederlegen. Französische Jugendliche werden voraussichtlich Ende November in Rheinbach Bäume des Friedens pflanzen und die Friedenspartner kennenlernen.

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An der Gedenkstätte in Verdun haben die Rheinbacher Schüler fotografiert und Videos gedreht. Der Medienunternehmer Johannes Killinger aus Freiberg am Neckar, der Erfahrung mit Unterrichtsmaterial für Schulen hat, erklärte ihnen am Abend, wie die digitale Ausbeute für Virtual Reality (VR), Augmented Reality und 360-Grad-Videos genutzt werden kann. Die Jugendlichen durften an Bildbearbeitung, Errechnung von Hotspots, Modellierung von 3D-Objekten oder beim Verfassen mehrsprachiger Infotexte mitwirken. Laut Killinger entsteht daraus ein virtueller Rundgang, den später jeder in seinem Browser oder mit VR-Brille nachvollziehen kann - egal wo auf der Welt und auch zu Hause. Noch sei jedoch nicht geklärt, wo das Angebot veröffentlicht wird. Wahrscheinlich sei eine Präsentation auf der Internetseite des Vereins "Partnerschaft des Friedens Rheinbach/Douaumont-Vaux".
