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Interview mit Rheinbacher Therapeutin„Kinder sind viel authentischer“

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Marion Oberheiden zeigt eine Handpuppe vor dem Puppenhaus, mit dem die von ihr betreuten Kinder oft spielen.

Rheinbach – Marion Oberheiden (60) aus Rheinbach ist staatlich anerkannte Erzieherin und Heilpraktikerin. Sie bietet Therapien für Familien, aber auch Kinder und Jugendliche an. Miriam Hafki sprach mit ihr wegen des Weltkindertages über Herausforderungen für junge Menschen in der heutigen Zeit.

Frau Oberheiden, Sie sind unter anderem Erzieherin und Kinder- und Jugendtherapeutin, arbeiten also schon lange mit Kindern zusammen…

…wenn meine eigenen Kinder dazu zählen, seit 1980.

Eine lange Zeit. Was macht Ihnen bei der Arbeit mit Kindern besonders viel Freude?

Kinder sind viel authentischer. Sie sind näher an ihren eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Gefühlen dran. Außerdem sind sie viel kreativer, weil sie oft noch keine Angst haben, abgelehnt zu werden oder etwas falsch zu machen. Dies kommt natürlich auf die Ansprüche der Eltern an und wie sie auf das Kind reagieren. Kinder zerdenken ihre Gefühle nicht so wie Erwachsene. Und ihre Gefühle können schneller umschwenken.

Sehen Sie bestimmte Herausforderungen für Kindern in der heutigen Zeit, etwa durch Krisen wie die Pandemie, Krieg oder den Klimawandel?

Das kann ich so nicht verallgemeinern, aber ich sehe durchaus Veränderungen. Je unsicherer die Eltern sind, desto eher überträgt sich die Angst auf die Kinder. Die Corona-Zeit war heftig, da Kinder aus ihren sozialen Bezügen rausgerissen wurden. Sowas haben wir alle vorher noch nicht erlebt. Die Kinder waren außerdem sehr viel medial unterwegs und haben teilweise verlernt zu spielen. So haben sie einen Teil ihrer Kindheit nicht leben können.

Besonders hart war es für diejenigen, die nach beziehungsweise  inmitten der Pandemie mit den Folgen der Flut konfrontiert waren. Mein Mann und ich haben in dieser Zeit kostenlose Gespräche angeboten, um eine erste Stabilisierung zu ermöglichen. Aus entwicklungspsychologischer Sicht haben ich versucht, die Kinder dort abzuholen, wo sie gerade sind. Mit einem Kind, dessen Puppe von der Flut weggeschwemmt wurde, habe ich gemeinsam überlegt, was mit der Puppe passiert sein könnte und wo sie nun ist. Wir haben dann gedacht, dass sie vielleicht mittlerweile bei einem anderen Kind ist. Und – im Austausch mit den Eltern – sind wir darauf gekommen, dass die Puppe eine kleine Schwester hat, die irgendwann ihren Weg zu dem Kind findet, das sie verlor.  

Sie haben gerade Medien erwähnt: Wie beeinflusst eine immer digitaler werdende Gesellschaft Heranwachsende?

Erwachsene sind Vorbilder für Kinder. Die ersten Vorbilder sind in der Regel die Eltern, dann erweitert sich der Kreis immer mehr. Kinder gucken sich also vieles ab. Ich sehe es als Aufgabe der Eltern an, die Kinder da ran zu führen. Aber viele wissen selbst nicht, wie man gut und richtig mit Medien umgeht. Es steckt viel Gewohnheit in der Nutzung von Medien, so dass sie eine Normalität für Kinder hat.

Raten Sie Eltern etwas bestimmtes, wenn sie sich über die Mediennutzung ihres Kindes Sorgen machen?

Ich frage sie dann, wie sie ihre eigene Mediennutzung handhaben. Und wo sie gerne eine Alternative zum Medienkonsum einführen würden. Außerdem stelle ich ihnen die Frage, ob es Regeln gibt für die Nutzung von Medien und falls nicht, wie solche Regeln aussehen könnten. Eltern müssen ihr eigenes Verhalten reflektieren. Ich entwickele mit ihnen dann Handlungsoptionen.

Können Sie ein wenig erläutern, was die „systemische Familientherapie“ ist, die Sie anbieten?

Die banalste Erklärung ist folgende: Wenn einer in einem System ein Problem hat, dann haben alle ein Problem. Wie andere mit dem Problem umgehen, ob sie zum Beispiel das Kind, welches ein Problem hat, unterstützen oder nicht, wirkt sich auf das Verhalten des Kindes aus. Die systemische Theorie sieht das große Ganze. Sie ist dabei nicht defizitär-, sondern ressourcenorientiert. Ich achte zum Beispiel darauf, positiv zu kommunizieren und anderen Wertschätzung entgegen zu bringen.

Weltkindertag im Rhein-Sieg-Kreis

17,62 Prozent der Gesamtbevölkerung von 600.732 Einwohnern des Rhein-Sieg-Kreises  machen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aus. Das sind 105 836 Kinder und Jugendliche (Stand: 31.12.2021).

Am 20. September ist Weltkindertag. Hat dieser Tag eine bestimmte Bedeutung für Sie?

Meines Erachtens ist ein Kind von Anfang an eine Person, insofern bräuchte es eigentlich keinen Weltkindertag. Allerdings sind die Rechte von Kindern leider keine Selbstverständlichkeit, daher ist so ein Tag wichtig, um darauf aufmerksam zu machen.

Sie haben die virtuelle Veranstaltung „experts4kids“ für den Weltkindertag initiiert. Was ist das?

Diese Veranstaltung findet zum ersten Mal statt. Während der Corona-Pandemie habe ich „experts4kids“ gegründet. Ich bin Netzwerkerin und arbeite sehr gerne mit anderen Menschen zusammen. Im Zuge der Gründung dieser Gruppe wollte ich Menschen aus unterschiedlichen Professionen – alle mit dem Schwerpunkt auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen – zusammenbringen. Innerhalb der Gruppe kann dann Austausch stattfinden. Bei der Veranstaltung „experts4kids“ halten über 20 Experten Vorträge über ihren Fachbereich und ihre Expertise. Dank solcher Veranstaltungen können wir über den eigenen Tellerrand hinausblicken, einen Mehrwert bieten und langfristig würde ich gerne immer wieder solche Formate anbieten.

Kostenloses Kinderschwimmen in Bornheim

Zum Weltkindertag haben Kinder bis zwölf Jahre freien Eintritt ins HallenFreizeitBad von Bornheim – wenn sie in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen kommen. Das Bad ist von 15 bis 21.30 Uhr geöffnet. Der freie Eintritt gilt auch noch einmal am Sonntag, 25. September, wenn das Bad von 8 bis 19 Uhr geöffnet hat. An beiden Tagen steht den Kindern eine Reihe von Spielzeug zur Verfügung.  

Der Vorstand des Stadtbetriebs Bornheim, Ulrich Rehbann, ist seit Jahren Unterstützer des Kindertags: „Es freut mich sehr, dass die verschiedensten Unternehmen und Vereinigungen sich dazu entschlossen haben, Kindern am Weltkindertag freien Eintritt oder freie Fahrt zu gewähren. Das zeigt deutlich, dass sich immer mehr die Erkenntnis durchsetzt, dass Kinder unsere Zukunft sind – und sie sollen an diesem Tag im Mittelpunkt stehen.“ (meh)