32-jähriger Flüchtling verurteiltFast vier Jahre Haft nach Vergewaltigung in Bonn

Der Eingang des Amts- und Landgerichts Bonn. (Archivfoto)
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Bonn – Barfuß, mit zerrissenem T-Shirt und zerzaustem Haar lief sie am Morgen des 2. August 2015 die Römerstraße entlang. Die zierliche Frau wirkte ängstlich, verwirrt. Eine Bewohnerin eines Altenstifts sprach sie an und nahm sie erst mal mit ins Haus, wo die Frau ein Glas Wasser bekam. Die Polizei wurde gerufen und die Verwirrte ins Krankenhaus gebracht, in dem ihre Verletzungen versorgt wurden. Schließlich erzählte die 39-jährige Obdachlose, was sie noch wusste: Zwei Männer hätten sie in der Nähe des Bonner Lochs vergewaltigt. Spermienspuren, die an ihrem Jeansrock gesichert wurden, betätigten ihre Erinnerung. An dem Abend muss sie 2,8 Promille Alkohol im Blut gehabt haben und war, als es in der Nähe des Bonner Lochs passierte, bereits halb bewusstlos.
Vor dem Bonner Landgericht musste sich jetzt einer der beiden Täter wegen Vergewaltigung einer widerstandsunfähigen Person verantworten und wurde zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Ein Jahr nach der Tat wurde der 32-jährige Flüchtling, der 2013 aus Algerien eingereist war, über einen DNA-Treffer ausfindig gemacht.
Der Angeklagte, seit fünf Monaten in Untersuchungshaft, hat die Vergewaltigung bestritten. Der Sex sei einvernehmlich gewesen, behauptete er. Angeblich seien er und ein Kumpel an dem Abend auf die 39-Jährige getroffen, die mit einer Freundin zusammen war. Die Freundin hätte sie beide in ihre Wohnung geladen, wo sie paarweise Spaß gehabt hätten. Kammervorsitzender Klaus Reinhoff bezeichnete die vom Angeklagten angebotenen Details als „Fantasien aus einem Pornofilm, aber eine, die man keinem zumuten will.“
Dafür schilderte die 39-Jährige eindringlich, was ihr widerfahren war. An dem Abend hätte sie auf den Stufen am Bonner Loch gesessen und sei „plötzlich zusammengesackt.“ Dennoch habe sie gespürt, ohne sich wehren zu können, wie sie von zwei Männern, die zuvor hinter ihr gesessen hatten, weggeschleppt wurde. Unter einer Hecke sei sie abgelegt und nacheinander von beiden Männern vergewaltigt worden. „Ich merkte das, aber der Körper war wie erstarrt“, erinnerte sich die Zeugin. Am Ende klopfte einer der Männer ihr nervös auf die Wange und fragte wiederholt, ob sie „okay“ sei. Dann verschwanden sie und ließen sie ohnmächtig zurück.
„Das tut man nur bei einem Menschen“, so Reinhoff, „von dem man weiß, dass er schon weit weg ist. Anstatt zu helfen, haben Sie die Situation schamlos ausgenutzt.“ Der zweite Täter wurde bislang nicht gefunden, der Angeklagte hat keinen Namen genannt.
