Die neue GOP-Show „Freaks“Alles so schön schräg hier

Der Varietesaal im Bonner GOP.
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Bonn – Die Idee für die Show „Freaks – Unheimlich schön“ im Bonner Varietétheater GOP holte sich Werner Buss, der Künstlerische Direktor der GOP-Gruppe, in einem Film über P. T. Barnum. Dieser amerikanische Schausteller und Zirkusmann besaß Mitte des 19. Jahrhunderts ein Kuriositätenkabinett, in dem er allerlei Absonderlichkeiten zeigte, etwa die Gipsbüste eines „Kannibalen-Häuptlings“. Man muss gar nicht so weit zurückgehen, um die Faszination des Merkwürdigen zu verstehen: Beim „Jahrmarkt anno dazumal“ im Freilichtmuseum Kommern tritt um Ostern herum zum Beispiel ein Künstler auf, der Furzkonzerte gibt, oder eine junge Frau verwandelt sich in einen Gorilla. Und der Besucher, der in Kommern in der Bretterbude des „Gorilla-Girl“ steht, lacht sich schlapp über diese Nummer.
Grimassn, Rhönrad und Kuckuck
Verrückte, komische Typen (Freaks) gibt es also überall, und sie feiert die neue GOP-Show. Sie kommen, dirigiert durch die Musik des Freakmasters Elyas Khan, auf die Bühne durch einen weitaufgerissenen Mund, der sie auszuspucken scheint. Vanessa Collini wird als „Irre“ in einem Stuhl mit hoher Lehne rausgeschoben, der an den Krankenstuhl erinnert, auf dem sich F. Murray Abraham als „Salieri“ im „Mozart“-Film von Milos Forman durch ein Irrenhaus fahren lässt und allen Mittelmäßigen die Absolution erteilt. Die wortlose Collini, die Augen schwarz geschminkt, wird auf dem Sitzmöbel geschubst und gestoßen wie eine Puppe, fällt runter, verdreht den Körper so, als habe sie keine Knochen und lässt sich dann in einen Plexiglaswürfel stecken. Später turnt sie am Luftring, auch dort oben unglaublich biegsam. Ein kleiner Mann (Sébastien Tardif) tritt hinzu, macht Grimassen und hält sich einen Laubsauger so vors Gesicht, dass die Wangen flattern. Tardif ist der Clown des elfköpfigen Ensembles, der immer wieder in Nummern seiner Kollegen grätscht und auch vor Gästen in den ersten Zuschauerreihen nicht Halt macht. Zur Gaudi des Publikums holt er einige für irgendeinen Schabernack nach vorne.
Showzeiten
Die Vorstellungen von „Freaks – Unheimlich schön“ finden bis zum 3. Mai im GOP Varieté-Theater Bonn, Karl-Carstens-Straße 1, mittwochs bis sonntags statt. Eintrittskarten sind ab 34 Euro erhältlich. In den Osterferien vom 6. bis 18. April haben Kinder bis 14 Jahre in Begleitung eines regulär zahlenden Erwachsenen freien Eintritt.
Eine „Bärtige Lady“ trippelt im roten Kleid herum, ruft „Kuckuck“ und rollt graziös in einem einreifigen Rhönrad (Cyr). Gabriel Drouin heißt die Dame mit Bart; er hat neben Regisseur Detlef Winterberg die Co-Regie übernommen. Auf das Kommando des Kanadiers hörten auch seine Landsleute Louis-Marc Bruneau-Dumoulin und Camille Tremblay, die am Vertikaltuch und -seil artistische Liebesgeschichten zeigen. Estrella Urban, die einzige Deutsche im Team, gleitet als Spinnenfrau über die Bühne, zeigt wunderschöne Handstand-Akrobatik und fällt danach wieder wie eine Spinne zusammen.
Fibi ist der Schrägste
Vladimir Snitko und Vladimir Karvatyuk aus der Ukraine tun so, als seien sie grimmige Nordmänner mit Muckis, die sie aber einzigartig einzusetzen wissen: Mit Ruhe und Präzision hebt der eine den anderen mit nur einem Arm, dann bringen sie zwei Dolche zwischen sich, auf denen sie balancieren, um schließlich noch Kateryna Gaidamanschuk, verheiratet mit einem der Vladimirs, durch die Luft zu schleudern.
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Fibi Eyewalker ist vielleicht die Schrägste unter den „Freaks“. Die Fakir-Diva mag scharfe Sachen, legt sich auf ein Nagelbrett und steigt mit nackten Füßen auf eine Leiter, deren Sprossen Messerklingen sind. Die Performance-Künstlerin Marina Abramović hat eine derartige Installation mal gezeigt; dabei war der Weg aus einem geschlossenen Raum nur möglich über Stiegen mit Streben aus Fleischermessern oder aus eiskaltem oder glühendem Metall. Es ging Abramović in dieser Darstellung um die Wahrnehmung der Willenskraft. Auch Fibi Eyewalker ist ein Muster an Willenskraft, als sie lächelnd ein Schwert schluckt, eine Flamme auf dem Knauf anzündet und es dann wieder aus dem Leib zieht – ohne dass Blut spritzt. „Alles echt!“, versicherte Werner Buss nach der Show. Er muss es wissen, denn er hatte die Idee.



