Mädchen vergiftet und vergewaltigtLandgericht verurteilt Täter zu sieben Jahren Haft

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Bonn – Vier Stunden lang dauerte die Hölle für eine 19-Jährige, die zwei Männern hilflos ausgeliefert war. Das Mädchen war mit Opiaten vergiftet, wiederholt vergewaltigt, verhöhnt und verlacht worden. Am Ende wurde sie orientierungslos auf die Straße gestellt. Da sie nicht wusste, wo sie war, legte sie sich an einer Bushaltestelle auf den Boden, bis zwei Stunden später ein Radfahrer den Notfall meldete. Bereits im Krankenwagen hatte sie erzählt, dass sie von zwei Männern vergewaltigt worden war. Erst ein halbes Jahr später jedoch konnte einer der beiden Täter – durch die gesicherte DNA-Spur – festgenommen werden.
„Ein massiver Übergriff, schlimmer geht es kaum“
Gestern hat das Bonner Landgericht den 25-Jährigen wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung einer widerstandsunfähigen Person sowie fünf Diebstählen zu einer hohen Haftstrafe verurteilt: Sieben Jahre und drei Monate, so der Schuldspruch.
„Ein massiver Übergriff, schlimmer geht es kaum“, hatte Kammervorsitzender Wolfgang Schmitz-Justen den Fall gestern zusammengefasst. Denn das Mädchen, das den Angeklagten am Abend des 10. März 2018 am Bonner Busbahnhof kennengelernt hatte, war seiner Einladung gefolgt, weil sie einsam war und in ihrem Kummer zuvor eine halbe Flasche Wodka getrunken hatte. „Eine unheilvolle Entscheidung“, hieß es im Urteil.
Trotz Drogen bekam sie alles mit
Denn in der Familienwohnung des Angeklagten, in dem sich nur noch sein älterer Cousin aufhielt, verabreichte er der 19-Jährigen Heroin, das sie zuvor noch nie genommen hatte. Sofort wurde ihr schwindlig und schlecht. Schließlich erstarrte sie. Sie habe nicht mehr sprechen, sich nicht mehr bewegen können, so die Zeugin. „Ich war gefangen im eigenen Körper.“ Und dennoch hatte sie alles mitbekommen. Die Männer, so Schmitz-Justen weiter, hätten die hilflose Lage des Mädchens für ihren Sex ausgenutzt.
Der Angeklagte jedoch hat die Vergewaltigung bis zum Schluss bestritten: Die 19-Jährige habe die Drogen freiwillig konsumiert, auch sei der Geschlechtsverkehr einvernehmlich gewesen, hatte er versichert. Er bestand zudem darauf; dass sie beim Sex die treibende Kraft, dass sie „scharf auf ihn und seinen Cousin gewesen“ sei und gar nicht genug habe bekommen können.
Verzweifelte Hilferufe per SMS abgesetzt
Aber die Bonner Richter glaubten ihm nicht. Schmitz-Justen, durchaus zynisch: So ein tolles Erlebnis könne das ja nicht gewesen sein, wie er es geschildert habe. Denn warum solle die 19-Jährige in der Nacht verzweifelte Hilferuf per SMS abgesetzt haben, als die Drogenwirkung nachließ, so die Kammer. Ihrem Vater hatte sie wiederholt geschrieben: „Hilfe, Papa, hilf!“ Aber wo sie war, konnte sie nicht sagen.
Nur einmal habe der Angeklagte in diesem Prozess nicht gelogen, hieß es im Urteil. Er hat die Identität des bis dahin unbekannten Mittäters gelüftet. Der 33-jährige Cousin wurde sofort festgenommen und muss sich demnächst ebenfalls vor dem Landgericht verantworten.
