Varietéshow „Kawumm“Bonner GOP zeigt bunte Welt aus grauen Zahlen

Auf einem alten Schaukelpferd zeigt Saleh Prinz Yazdani einen Handstand und weitere waghalsige artistische Einlagen.
Copyright: GOP
Bonn – Normalerweise laufen die Programme im Bonner Varietétheater GOP so ab: Staunen, Lachen, vergnügt nach Hause gehen. Bei der neuen Show „Kawumm“, die jetzt eine umjubelte Premiere feierte, ist das etwas anders: Der Zuschauer wird mit einer Botschaft entlassen: „Lasst Farbe in Euer Leben, lasst Fantasie herein, lasst das Träumen niemals sein!“ Markus Pabst ruft diesen Appell ins Publikum. Er hat die Revue geschrieben, führt zusammen mit Pierre Caesar Regie und ist auch der Hauptdarsteller.
Abenteuer in Traumwelten
Das Stück, sagte Pabst, seit 30 Jahren als Regisseur im Varietégeschäft zu Hause, habe er seinem Vater gewidmet. Der war gelernter Dekorateur, wurde dann Buchhalter, „dem es nur um Zahlen ging“; einmal im Jahr aber kehrte Vater Pabst wieder in den Ur-Beruf zurück und gestaltete die Wohnung für ein buntes Fest um. Wochenlang lebte die Familie in bunten Dekorationen, um an einem einzigen Tag darin mit Gästen zu feiern. Das muss den Jungen beeindruckt haben.
Auch Markus Pabsts Alter-Ego im Theater, ein Herr Mutzmann, ist ein pflichtbewusster Beamter, der in seiner Welt der Zahlen nur überleben kann, indem er ihnen eine Bedeutung zumisst: ein Gefühl, eine Farbe, einen Namen, ein Ereignis, einen Ort. Vor seinem inneren Auge – und für den Zuschauer auf der Bühne - entstehen so mit „Kawumm“ Traumwelten, er erlebt Abenteuer, ist wieder Kind. „Sieh, Papa, ich kann auf Händen gehen und auf meinem Kopfe stehen“, singt er, während neben ihm der Artist Saleh Prinz Yazdani auf einem Schaukelpferd Handstand zeigt. Auf der Seitenbühne agiert Jack Woodhead am Flügel, ein Mann in High Heels wie „Let“s dance“-Juror Jorge González und geschminkt wie Joel Gray, der Conférencier in „Cabaret“. Auch Woodhead hat diese leicht näselnde Stimme mit dem langgezogenen R und den skurrilen Witz der 20er-Jahre-Varietésänger. Er öffnet für Mutzmann den Rummelplatz, auf dem die Collins Brothers (Matthias Fischer und Collin Eschenburg als Komödianten mit irrsinnigem Witz) den uralten Jahrmarktstrick der „Zersägten Jungfrau“ dekonstruieren.
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Dann tanzen Männer mit nichts als einer Zeitung vor dem Leib, der Jongleur Donial Kalex lässt leuchtende LED-Sticks durch den Bühnenhimmel sausen, das Duo monalaura (Mona Tesch und Laura Borkowski) turnt an einem filigranen Würfel aus Metallstangen und schwebt später am Vertikaltuch. Irgendwann kommt Mutzmann durch Addieren, Subtrahieren und Multiplizieren auf die Zahl 2, die für ihn die Venus bedeutet – und am Trapez erscheint die wunderschöne Anna Shvedkova. Während sie schaukelt, spielen unter ihr zwei Kollegen Saxophon und der Chinese Ye Fei singt dazu eine Arie. Markus Pabst hat ihn in einem Restaurant in China entdeckt, wo er während des Essens die Gäste unterhielt.
Adam und Eva im Paradies
Nach der Pause schmettert Ye Fei im Smoking „Nessun Dorma“ wie das englische „Supertalent“ Paul Potts, und das Publikum rast vor Begeisterung. Alessandro Di Sazio führt vor, wie scheinbar leicht es ist, am Chinesischen Mast, einer schwingenden Stange, seinen Körper so zu halten, dass er nicht den Gesetzen der Schwerkraft folgt. Schließlich leitet Pabst als Papst eine Prozession durch den Saal und hält eine Predigt, in der er fragt, wo die Umdenker, die Querdenker geblieben seien. „Wir müssen den Mund wieder aufmachen, auch wenn sie uns verlachen!“, fordert er. Dabei ist im Hintergrund ein Bild von Adam und Eva im Paradies neben dem Baum der Erkenntnis zu sehen.
Showzeiten
Die Show „Kawumm“ ist bis zum 3. November im GOP, Karl-Carstens-Straße 1, mittwochs bis sonntags, zu sehen. Informationen und Buchungen unter variete.de. Am Dienstag, 1. Oktober, 20 Uhr, gastiert Eckhart von Hirschhausen im GOP mit seinem Soloprogramm „Endlich!“, in dem er sich mit der Zeit befasst. (dbr)
Welche Erkenntnis nimmt der Zuschauer mit aus der Show? Das Leben ist viel bunter und hat mehr Vielfalt (Varieté), als es Zahlenfreaks uns weismachen wollen: Fantasie statt Tristesse.

