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Forschung Angela Merkel im Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen

Bonn – Als ehemalige Physikerin genoss Bundeskanzlerin Angela Merkel sichtlich die offizielle Eröffnung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) auf dem Gelände der Uniklinik.

Bei einem Rundgang nach Ansprachen und Schlüsselübergabe ließ sie sich gestern an verschiedenen Stationen zeigen und erklären, welche Aufgaben auf dem Venusberg erfüllt werden: „Hier ist Aufbruchstimmung zu spüren, um für den Menschen und ein gesundes Leben zu forschen.“

Die Wissenschaftler des DZNE arbeiten fachübergreifend an neuen Therapie gegen Alzheimer, Parkinson und andere Demenz- und Nervenerkrankungen. Rund 500 Mitarbeiter (also die Hälfte aus allen neun DZNE-Standorten) forschen nach dem Ausbruch, Verlauf und Therapien der gefürchteten Volkskrankheit: „Erkenntnisse sind nicht programmierbar, aber wir haben hier die Rahmenbedingungen geschaffen. Bestimmte Strukturen ermöglichen Forschungserfolge“, so Merkel: „Ich wünsche Ihnen viel Arbeit.“

Kanzlerin im Kittel

Der Spatenstich fand 2013 statt, gestern folgte ein kleiner Festakt mit Merkel und Svenja Schulze, der NRW-Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung, zur offiziellen Inbetriebnahme. Auf 35 000 Quadratmetern gehen Experten den Ursachen auf den Grund und suchen nach Präventionsmaßnahmen, um die passende Pflege und optimale Patientenversorgung zu entwickeln. Der Bau kostete 126,8 Millionen Euro, das Land NRW trug 85 Millionen: „Ich hoffe, Sie können Ihre Erkenntnisse schnell und effizient umsetzen. Demenz bedeutet immer einen bitteren Einschnitt für die Erkrankten und Angehörigen“, sagte die Kanzlerin.

An der ersten Station des Rundgangs hüllte sich Merkel in schlichtes Weiß, es herrschte Kittelpflicht. Vorsichtig nahm sie eine Platte in Form und Größe eines iPhones in die Hand und schaute genau auf die molekularen und zellulären Mechanismen, die auf dieser abgebildet waren. Dr. Eugenio Fava, Leiter der zentralen Technologie- und Service-Abteilung, erläuterte das Bild. Er und seine Mitarbeiter erforschen die Mechanismen und testen Wirkstoffe.

Im Anschluss wartete Dr. Hans-Ulrich Fried, der Serviceleiter des Bereichs Mikroskopie. Die Rede ist nicht etwa von handelsüblichen Geräten, wie sie in Schulen verwendet werden. Er handelt sich um modernste Lichtmikroskope, die Gewebe durchsichtig machen und so ein 3D-Bild von einzelnen Molekülen innerhalb von Nervenzellen erzeugen können.

Nur einen Gang weiter helfen Roboter bei der Suche nach neuen Arzneistoffen. Mit diesen Systemen erforschen die Wissenschaftler nicht nur den Ablauf der Krankheitsprozesse, sondern sie testen auch potenzielle Wirkstoffe für Medikamente. Diese Einheit mit ihren Greifarmen, Dosiervorrichtungen und Transportbändern fordert Platz, sie ist so groß wie ein Doppelgarage.

Nach einem kurzen Abstecher in die Abteilung der Versorgungsforschung für Demenzpatienten erwartete Professor Monique Breteler die Kanzlerin. An verschiedenen Stationen zeigte sie einzelne Punkte der Rheinlandstudie (siehe Kasten links) auf. Mit ihrem Team nimmt sie sich Fettzellen und Mikrogefäße des Herz-Kreislauf-Systems vor. Die hochauflösenden Aufnahmen weckten das Interesse Merkels, die sofort auf ein iPad zusteuerte, um eine MRT-Sequenz abzuspielen.

Zentral im Raum stand das Bild eines Gehirns, die verschiedenen Regionen farblich aufgeteilt: „Ist es in Ordnung?“, wollte Merkel wissen. Breteler, Leiterin für populationsbezogene Gesundheitsforschung, beruhigte sie mit einem schlichten „Ja“. Interessanter wäre an dieser Stelle die Aufnahme eines Gehirns mit Demenzbefall gewesen.

Bretelers Abteilung befasst sich mit der Vorsorge. „Vorbeugen ist besser als Heilen“, lautet ihr Motto. Über die Netzhaut im Auge sammelt sie eine Flut an Daten. Die verschiedenen Schichten der Netzhaut lassen Rückschlüsse auf das Denkorgan zu, da Auge und zentrales Nervensystem denselben Ursprung haben. Nach der Erklärung der Professorin klopfte Merkel der Probandin, die ihre Augen hatte untersuchen lassen, auf die Schulter: „Sie sind jetzt erlöst.“

Zum Abschluss erwartete sie Professor Thomas Klockgether, der die Früherkennung erforscht. Anschließend rauschte die Kanzlerin auch wieder von dannen, nicht ohne festzuhalten: „Hier steht der Mensch im Mittelpunkt.“