Abo

Mordversuch in Buslinie 601Polizei würdigt Ahmad Kames für seinen Einsatz

3 min
Kames

Er ver­hin­derte Schlim­me­res: Ahmad Ka­mes.

Bonn – Die Polizei hat am Mittwoch Ahmad Al Sheikh Hussein Kames (28) gedankt, der durch sein beherztes Eingreifen am Montagnachmittag bei einer Messerattacke in der Buslinie 601 wohl Schlimmeres verhindert hatte. Kames war dem 22-Jährigen zur Seite gesprungen, der von einem 55-Jährigen niedergestochen und lebensgefährlich verletzt worden war. Das Opfer ist nach Auskunft von Robin Faßbender, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bonn, inzwischen wieder auf dem Weg der Besserung.

Täter und Opfer waren, so Faßbender, an der Haltestelle Marienhospital in den Bus eingestiegen, der über den Hauptbahnhof nach Tannenbusch fahren sollte. Die Tat geschah, als der Bus gerade in den Busbahnhof einfuhr. Gegen den Beschuldigten ist inzwischen Haftbefehl wegen des Verdachts auf versuchten Mordes erlassen worden. Seine Angaben zum Tathergang – sollten sie denn zutreffen – ließen bislang darauf schließen, dass der Mann unter massiven psychischen Problemen leide, sagte Faßbender. Fest steht: Der Mann hatte während der Fahrt hinter seinem späteren Opfer gesessen. Nähere Hintergründe zur Tat waren am Mittwoch nicht zu erfahren. „Wir ermitteln in allen Richtungen“, sagte Faßbender.

Als einziger aktiv eingeschritten

Polizeipräsident Frank Hoever dankte Kames im Hof des Polizeipräsidiums am Mittwochnachmittag sichtlich bewegt. Der 28-Jährige war im Bus auf dem Heimweg, als die Tat geschah, und hatte als einziger aktiv in das Geschehen eingegriffen, lobte Hoever. „Ein solcher Fall von Zivilcourage ist mir in meiner bisherigen Laufbahn so noch nicht begegnet“, sagte der Polizeipräsident.

Kames, etwa 1,70 Meter groß, war es gelungen, den um einiges größeren und schwereren Täter vom Opfer wegzureißen und etwa drei Minuten lang bis zur Ankunft der Einsatzkräfte im Bus festzuhalten. Dabei hatte der Täter das Messer die ganze Zeit über in seiner Hand gehalten. Dadurch, dass er den 55-Jährigen an einer Haltestange des Busses umklammerte, konnte Kames seinerseits den gefährlichen Messerstichen entgehen, berichtete er. „Drei Minuten sind in so einer Lage eine irre lange Zeit“, sagte Hoever. Dank einer Videoaufnahme der Stadtwerke konnte die Tat und somit auch Kames’ mutiges Eingreifen detailliert nachvollzogen werden.

Erste Hilfe beim Opfer geleistet

Nachdem die Polizeikräfte die Lage im Griff hatten, kümmerte sich Kames mit zwei weiteren von außerhalb des Busses hinzugekommen Helfern um den stark blutenden 22-Jährigen. Gemeinsam leisteten sie bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes Erste Hilfe. „Ohne Herrn Kames„ Eingreifen hätten wir vermutlich heute ein Todesopfer zu beklagen“, stellte Hoever fest.

Bescheiden und geduldig stellte sich Kames den Fragen der zahlreich anwesenden Pressevertreter. Natürlich habe er Angst gehabt, räumte er ein. „Aber ich habe nicht nachgedacht. Es ging um Mitmenschlichkeit, ich musste handeln.“

2016 aus Syrien geflohen

Kames war 2016 als Medizinstudent aus Syrien geflohen und absolviert derzeit eine Ausbildung zum Technischen Anästhesie-Assistenten am Universitäts-Klinikum. Der Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Direktor der Klinik, Wolfgang Holzgreve, war bei der Ehrung dabei und lobte Kames: „Er ist ein äußerst fokussierter sowie angenehmer Mitarbeiter“. Der Polizeipräsident kündigte an, Kames für die NRW-Rettungsmedaille vorschlagen zu wollen. Hoever nutzte die Ehrung dazu, für Zivilcourage zu werben.

„Natürlich soll sich niemand selbst gefährden, aber Zivilcourage ist in unserer Gesellschaft wichtiger denn je.“ Bevor man eingreife, solle man im Zweifel die Notrufnummer 110 wählen. Weiterhin sei es als Zeuge einer Tat wichtig, Öffentlichkeit zu generieren, indem man um Hilfe rufe oder Anwesende auf den Vorgang aufmerksam mache. „Nur, wenn man sicher ist, nicht selbst in Gefahr zu geraten, ist es normalerweise ratsam, ins Geschehen einzugreifen.“ (dja/lis)