Jennifer Boses Einsatz in MosambikMenschen per Boot und Helikopter gerettet

Aus der Luft sind die immensen Schäden am besten zu erkennen. Viele Menschen haben ihr Hab und Gut verloren.
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Bonn – „Die Krise ist momentan auf dem Höhepunkt. Viele Menschen waren schon vor dem Wirbelsturm arm. Jetzt ist ihre Lebensgrundlage ganz weg.“ Jennifer Bose, Care-Mitarbeiterin aus Bonn, unterstützte zwei Wochen lang die Nothilfe in der Küstenstadt Beira in Mosambik und begegnete dabei Menschen, die alles verloren haben. „Auch mehr als einen Monat nach der Katastrophe geht es darum, die Menschen mit Lebensmitteln, Medizin und sauberem Trinkwasser und Unterkünften zu versorgen“, sagte Bose.

Jennifer Bose war zwei Wochen lang für Care in Mosambik, um den Menschen zu helfen.
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Mehr als 1,5 Millionen Menschen seien allein in Mosambik von dem Tropensturm „Idai“ betroffen. „Aber auch Malawi und Simbabwe hat der Zyklon heimgesucht, wenn auch in einem deutlich geringerem Ausmaß“, so die Care-Mitarbeiterin. Die Zahl von mehr als 600 Toderopfern steige stetig an. Viele seien von Schlammlawinen verschüttet und deshalb noch vermisst.
Zweitgrößte Stadt Mosambiks
Beira ist nach Angaben von Bose mit rund einer halben Million Einwohner die zweitgrößte Stadt in Mosambik. Um die Stadt herum gebe es ein ausgedehntes Flusssystem, das die Überschwemmungen begünstigt habe. „Nach dem Sturm flüchteten die Menschen in Schulen und Kirchen. Die sanitären Verhältnisse waren katastrophal, viele konnten sich nicht waschen oder duschen“, berichtete die Care-Mitarbeiterin. Für mehr als 335.000 Schüler sei der Unterricht ausgefallen, „ihr Tagesablauf war total verändert“. Das habe bei einigen Kindern Traumata ausgelöst. Mittlerweile sei die Zahl der Menschen, die in Notunterkünften leben, zum Glück auf einige zehntausend gesunken. Viele Menschen hätten durch die Naturkatastrophe Schicksalsschläge erlitten, die kaum zu verkraften seien.
So wie die 60 Jahre alte Isabel, die die junge Bonnerin in den Wirren traf. „Sie erzählte mir, dass sie, als der Wirbelsturm kam, mit ihren Enkelkindern losgelaufen sei, um einen Unterschlupf zu finden. Hüfthoch habe sie im Wasser gestanden.“ In dem ganzen Durcheinander sei gar nicht aufgefallen, dass ihre Tochter fehlte. „Als Isabel dann am nächsten Tag zurück zu ihrem Haus ging, fand sie ihre Tochter tot in den Trümmern.“ Bose war beeindruckt, wie gefasst die Frau die Geschichte erzählte. Erst später hatte die Helferin eine Ahnung, warum sie ihre Gefühle verbarg: „Sie wollte vor ihren Enkeln keine Schwäche zeigen.“
Slums hielten dem Sturm nicht stand
Gerade die Slums in Beira hätten dem Sturm nicht standgehalten. „Mehr als 700.000 Hektar sind überflutet worden. Die Folgen werden wir noch in den nächsten Jahren merken“, ist sich Bose sicher. Wichtig sei nun, dass die Menschen wieder auf die Beine kommen und sich selbst ernähren können. Die Infrastruktur sei in weiten Teilen zerstört. „Weil es kaum Telefonverbindungen gab, war es schwierig, unsere rund 70 Mitarbeiter vor Ort zu erreichen.“ Das Büro von Care sei in einer ehemaligen Lagerhalle am Flughafen eingerichtet worden. „Davor landeten die Hubschrauber. Das war ein höllischer Lärm.“
„Es gibt einen massive Anzahl von Choleraerkrankungen. Die Ansteckungsgefahr ist durch das stehende Wasser, dass erst langsam zurückgeht, sehr hoch.“ Die Regierung habe Cholera-Zentren eingerichtet. 900.000 Impfdosen seien in das Land gebracht und rund 750.000 davon auch schon verabreicht worden. Cholera sei vor allem für Kinder und ältere Menschen sehr gefährlich. Daneben gebe es aber auch Fälle von Malaria und Durchfallerkrankungen. „Es war unglaublich heiß. Die Mittagssonne war kaum auszuhalten.“ An den Essenausgaben hätten sich Schlangen gebildet, weil nicht genug für jeden vorhanden war.

Isabel muss sich nun um ihre Enkelkinder kümmern, nachdem ihre Tochter bei der Naturkatastrophe ums Leben kam.
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Von den 200.000 Häusern in Beira sei die Hälfte komplett zerstört, die andere Hälfte beschädigt. „Die Menschen mussten zum Teil mit Hubschraubern und Booten gerettet werden. Auch die Hilfsgüter mussten per Helikopter in entlegene Überschwemmungsgebiete gebracht werden. Das war sehr kostspielig.“ Deshalb sei die Organisation auf weitere Spenden angewiesen. Care verteile Lebensmittel, Hygienepakete, Familienpakete mit Zelten und Decken, Trinkwassertabletten sowie Baumaterialien. Um die Hilfe ein Jahr lang sicherzustellen, brauche die Hilfsorganisation rund 36 Millionen Euro, von denen aber erst rund die Hälfte gespendet worden seien.
„In solchen Notsituationen ist es auch wichtig, auf sich selbst aufzupassen und bei 12 bis 16 Stunden Arbeit pro Tag genügend zu schlafen“, sagte die erfahrene Krisenhelferin. Vor Ort werde sie zu einer Art „Roboterin“, um mit den Ausnahmesituationen klar zu kommen: „Ich versuche meine Aufgaben professionell und mit möglichst wenig Emotionen zu erledigen. Die kommen dann aber später wieder hoch, wenn ich von meinen Erlebnissen berichte.“ Care biete auf Wunsch aber auch eine psychologische Betreuung an. „Man bekommt aber auch viel von den Menschen zurück. Sie sind unendlich dankbar.“
Jennifer Bose hofft, dass sie später noch einmal nach Beira fahren kann, um zu sehen, dass es den Menschen dann wieder hoffentlich besser geht.
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