Öffnung erlaubtAm Montag „Cutdown“ im Bonner Friseursalon

Friseur Hugo Soares darf endlich wieder zur Schere greifen.
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Bonn – Nach dem Lockdown folgt nun der langersehnte „Cutdown“. „Endlich“, stöhnt Ann-Kathrin Weiß. „Ich traue mich schon lange nicht mehr unter Menschen.“ Der Pony ragt ihr bis in die Augen, am Scheitel macht sich ein graumelierter Haaransatz breit. Nur mit viel Haarspray und Gel kann sie ihre Mähne überhaupt noch bändigen. Und wenn selbst das nicht hilft, dann muss eben eine Mütze her. „Aber jetzt gibt es ja Hoffnung“, freut sich die 36-Jährige auf den kommenden Dienstag. Denn dann hat sie einen Termin bei ihrem Friseur – und der wird einiges zu schnibbeln haben.
Einige Auflagen sind zu erfüllen
Bevor die Salons nach der wochenlangen Corona-Zwangspause ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, müssen in den Betrieben einige Auflagen erfüllt werden. Neben strengen Hygienestandards gehört dazu auch, dass zwischen den Plätzen ein großer Abstand eingehalten werden muss. „Das bedeutet natürlich, dass wir nicht so viele Kunden bedienen können wie üblich“, erklärt Innungs-Obermeister Robert Fuhs für die rund 800 selbstständigen Betriebe in seinem Bezirk. Für die Kunden heißt das, dass es nicht leicht sein wird, auf die Schnelle einen Termin zu bekommen. Zudem werden die Coiffeure nicht das gesamte Verwöhnprogramm anbieten. Denn nach wie vor sind alle Gesichtsbehandlungen verboten. Dazu zählt das Bart- oder Schnäuzer-Stutzen ebenso wie das Färben von Wimpern und Augenbrauen.
„Ich bin gespannt, was am Montag passiert. Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder fürchten soll“, sagt Jürgen Blumenschein vom Salon Slamanig in der Bonner Innenstadt. Er hat bereits vor der Schließung des Betriebs strenge Hygienemaßnahmen eingeführt. „Dazu zählt, dass Einweghandschuhe sowie ein Einwegumhang benutzt und alle Gebrauchsgegenstände regelmäßig desinfiziert werden“, fügt er hinzu. Allerdings gibt es Arbeitsabläufe, die selbst für Fachkräfte mit langjähriger Berufserfahrung bisher unbekannt sind. Dazu zählt beispielsweise bei Kurzhaarfrisuren exakte Konturen im Bereich der Ohren herauszuarbeiten, wenn der Kunde eine Gesichtsmaske trägt.
Einmalprodukte will nicht jeder
Für Hugo Soares, der in seinem Geschäft in der Breite Straße großen Wert auf Nachhaltigkeit legt, stellt die Vorgabe, Einmalprodukte zu verwenden, eine besondere Herausforderung dar. „Damit würden wir einen riesigen Berg Plastikmüll produzieren, was nicht in unserem Sinne ist“, sagt er. Daher hat er eine große Lieferung neuer Baumwollüberwürfe bestellt. Sie werden nach jedem Einsatz ausgetauscht, gewaschen und am nächsten Tag wiederverwendet. „Und meine Oma hat Schutzmasken genäht“, ergänzt er. Ausnahmsweise öffnet er bereits am Montag seinen Salon – allerdings nur für besondere Kunden. „Alle, die in den vergangenen Wochen in systemrelevanten Berufen gearbeitet haben, können sich am Montag bei uns kostenlos die Haare schneiden lassen.“
Kunden müssen draußen warten
Eine Liste mit Schutzmaßnahmen hat die „Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege“ (BGW) aufgestellt: Sowohl Kunden als auch Beschäftigte müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Haare müssen im Salon gewaschen werden. Zwischen den Arbeitsplätzen muss ausreichend Abstand sein. Es gibt im Salon keinen Wartebereich. Die Kunden müssen vor der Türe warten. Es gibt weder Getränke noch Zeitschriften. Arbeitsmaterial wie Scheren und Kämme müssen vor jedem Einsatz desinfiziert werden. (img)
Obermeister Fuhs geht davon aus, dass seine Kollegen jetzt auch so manches Malheur ausbügeln müssen. „Einige Kunden haben gewartet, bis wir wieder öffnen. Andere haben sich zu Hause selbst ans Werk gemacht. Wenn dann beim Haarefärben etwas schief gegangen ist, dann werden wir das wohl jetzt beheben müssen.“Und noch eine Herausforderung wartet auf die Teams. Bevor sie zu Kamm und Schere greifen können, müssen sie einen Kugelschreiber zur Hand nehmen. „Wir haben eine Dokumentationspflicht. Bevor wir jemanden bedienen, müssen wir den Namen, die Adresse sowie Datum und Uhrzeit notieren“, erklärt Fuhs weiter.
Selbst wenn Anfang der Woche wieder so etwas wie Normalität herrschen wird, befürchtet der Obermeister, dass „es eine große Marktbereinigung geben wird.“ Nicht jeder Betrieb würde die Krise überleben.
