An der Öko-WC-Anlage ist ein Pflanzenbeet integriert, das nicht nur als Dekoration dient.
WC ohne Strom und WasserStadt Bonn geht mit Trockentoiletten neue Wege der Nachhaltigkeit

Sie präsentierten die neue Toilette am Rhein in Beuel, die ohne Strom und feste Wasserzufuhr auskommt: (v.l.) Ralf Birkner, Anna Schäfer und Elisabeth Felt.
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Der September bietet bei sommerlichen Temperaturen noch einmal das perfekte Wetter für einen kühlen Absacker am Beueler Rheinufer. Wer das Getränk seiner Wahl allerdings nicht in einem der Biergärten oder Restaurants zu sich nimmt, wird vor ein Problem gestellt, wenn die Blase drückt. Denn am Beueler Rheinufer endete die Suche nach einer öffentlichen Toilette oftmals im Gebüsch oder im WC der Gastronomie, an die man als Nicht-Gast einen Betrag von 50 Cent oder sogar einem Euro zahlen muss.
Das soll nun anders werden. An der Ecke Mirecourtplatz und Hans-Steger-Ufer ist seit Mittwoch eine barrierefreie Toilette rund um die Uhr für jeden kostenlos zugänglich. Das Besondere: Das holzverkleidete stille Örtchen mit Pflanzenbeet dahinter ist eine Komposttoilette.
Trockentoilette am Rheinufer
Die Anlage befindet sich direkt am Rheinufer neben einem Spielplatz. „Der Standort ist ein hochfrequentierter Platz“, sagt Ralf Birkner, Leiter der Bezirksverwaltungsstelle in Beuel. Zudem sei die Nähe zum Spielplatz günstig. Birkner sagt: „Wir sind einen großen Schritt weitergekommen“. Denn immer wieder, viel und lange wurde über die Situation öffentlicher Toiletten in Beuel diskutiert.
Die holzverkleidete Anlage hat um die 50.000 Euro gekostet und besteht aus drei Räumen: Im ersten hängen die Urinale, im zweiten die barrierefreie Toilette für alle inklusive einem Wickeltisch. Der dritte Raum ist der Betriebsraum mit drei Behältern. Darin werden voneinander getrennt Regenwasser, Urin und Feststoffe gesammelt. Die Rampe zum barrierefreien Toilettenraum ziert ein Pflanzenbeet, das jedoch nicht ausschließlich der Dekoration dient.
Bei der neuen Öko-WC-Anlage handelt es sich um eine Trockentoilette ohne Anschluss an Frisch- und Abwasser. „Die Grundidee der Komposttoilette ist, dass die Reststoffe als Wertstoffe genutzt werden sollen“, so Elisabeth Felt von der Firma Nowato, Kurzform für „No Water toilets“ (heißt: Toiletten ohne Wasser). Genauso wie Müll getrennt werde, sei es sinnvoll, die Feststoffe und das Abwasser voneinander zu trennen, so Felt.
Die Rollmülltonne für die Feststoffe und der Urintank sollen mindestens einmal die Woche geleert werden. Wasser gibt es dann doch – zum Händewaschen vom Gründach: Auf dem wird Regenwasser gefiltert und dann im entsprechenden Tank im Betriebsraum gesammelt. Vom Handwaschbecken fließt das Abwasser in das Beet, das als Pflanzenkläranlage das Wasser reinigt und somit den natürlichen Kreislauf vollendet. Bei Trockenheit gebe es laut Nowato Möglichkeit zur Ergänzung.
Anlage kann bei Hochwasser weggehoben werden
„Die Anlage ist außerdem nicht an den Strom angeschlossen“, so Anna Schäfer vom Städtischen Gebäudemanagement Bonn (SGB). Die Beleuchtung funktioniere über eine Solaranlage auf dem Dach. Da die Toilette sehr nah am Rheinufer steht, sei man sich der Hochwasserproblematik bewusst. Die Anlage sei aber portabel und könne zur Not weggehoben werden, so Schäfer.
Da die Komposttoilette ein Pilotprojekt ist, müsse man noch schauen, wie oft genau sie gereinigt werden muss. Das Interior ist weitestgehend in die Wände eingelassen, um Vandalismus vorzubeugen, erklärt Felt. Um unangenehme Gerüche zu verhindern, sei die Anlage belüftet. Im Inneren ist zudem ein QR-Code angebracht. „Über den können die Nutzer dann Feedback geben, zum Beispiel zur Sauberkeit, oder Probleme melden “, sagt Schäfer. Temperatur und der Füllstand würden dauerhaft geprüft. Es bleibe nun abzuwarten, wie das Angebot angenommen wird.
Weitere WCs sind geplant
Neben der WC-Anlage im Stadtteil Beuel ist ab sofort eine weitere Komposttoilette am Stresemannufer/Ecke Charles-de-Gaulle-Straße geöffnet. Auch in den Stadtteilen Bad Godesberg und Hardtberg sollten Komposttoiletten das bereits bestehende Angebot öffentlicher Toiletten ergänzen. Der Standort am Godesberger Bahnhof wurde von der Bezirksvertretung abgelehnt, einer in Hardtberg wird noch geprüft. (mak)
