Legionellen können vor allem in Mehrfamilienhäusern zum Problem werden und Krankheiten auslösen.
Legionellen als ProblemWie in Bonn das Trinkwasser geprüft wird

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Man kennt es – im Flur hängt ein Zettel mit einer Benachrichtigung zur Müllentsorgung, zur Entrümpelung vom Fahrradkeller und möglicherweise könnte man auch eine Ankündigung zur Trinkwasserüberprüfung entdecken. Was dahinter steckt und warum man eine solche Ankündigung normalerweise nur im größeren Mehrfamilienhaus findet.
Die Trinkwasserverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit legt fest, dass in einer „Großanlage für Trinkwassererwärmung“, so die Definition, in der Trinkwasser nur aus einer gewerblichen Tätigkeit abgegeben wird, zum Beispiel in großen Wohngebäuden, alle drei Jahre das Wasser routinemäßig untersucht werden muss. In großen Gebäuden, in denen Trinkwasser an die Öffentlichkeit abgegeben wird, zum Beispiel in Fitnessstudios, ist eine jährliche Überprüfung gesetzlich festgelegt.
Bei diesen gesetzlich vorgeschriebenen Überprüfungen wird das Trinkwasser auf Legionellen untersucht. Legionellen sind laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Umweltkeime. Das heißt: Sie kommen in geringer Anzahl auch im Grundwasser natürlich vor. Sie vermehren sich zwischen 25 und 45 Grad am besten, bei einer Erhitzung von mehr als 60 Grad werden sie abgetötet und unterhalb von 20 Grad vermehren sie sich kaum. Aber insbesondere in Wasserleitungen von größeren Gebäuden können sie je nach Temperatur an Ablagerungen oder Belägen der Rohre gut gedeihen.
Als Bakterien können sie in großer Zahl beim Menschen verschiedene Krankheiten und unterschiedliche Symptome auslösen. Zum einen die sogenannte Legionärskrankheit, eine Form einer Lungenentzündung, zum anderen das Pontiac-Fieber mit grippeähnlichen Symptomen.
Proben werden entnommen
Eine Ansteckung findet in den wenigsten Fällen übers Trinken statt, da die Erreger eher durch zerstäubtes Wasser übertragen werden, wenn sie eingeatmet werden, zum Beispiel beim Duschen.
Marcus Pikarek ist Mitinhaber von Watercontrol, einem Unternehmen mit Geschäftsstelle in Hannover, das Wasseruntersuchungen durchführt. Sein Unternehmen macht jährlich 36.000 der beschriebenen Trinkwasserüberprüfungen bundesweit, erzählt Pikarek. Viele der Kunden seien auch aus dem Rheinland.
Bei der Entnahme würden zwei Proben über ein Probeentnahmeventil am Speicher im Keller entnommen. „Außerdem werden dann noch an der entferntesten Stelle vom Keller, zum Beispiel im letzten Obergeschoss, mehrere Proben gezogen, je nachdem wie viele Stränge es gibt.“ Mit Strängen meint Pikarek etwa die Anzahl der Wohnungen im obersten Geschoss. Diese Proben werden dann im Labor ausgewertet. „Bei 100 oder mehr Legionellenkolonien gibt es ein Problem“, so Pikarek. Die Wasserprobe koste pro Wohnung zwischen 65 und 75 Euro netto, günstiger könnte es werden, wenn das Labor in der Nähe ist, so Pikarek.
Doch wie können sich private Haushalte gegen Legionellen schützen? Stefan Möckesch, Bereichsleiter von BonnNetz, teilt per Mail mit: „Bei plötzlicher Veränderung von Geschmack, Farbe, Trübung sollte man die Ursache suchen. Sollte die Veränderung immer wieder auftreten und keine Ursache zu erkennen sein, kann eine Trinkwasseranalyse helfen“, so Möckesch. Allerdings gibt er Entwarnung für Privatpersonen- beziehungsweise Haushalte: „Da das Wasserversorgungsunternehmen unabhängig, regelmäßig und sehr engmaschig die Wasserqualität überwachen und dokumentieren muss, ist eine eigene Analyse grundsätzlich nicht erforderlich“, so Möckesch weiter. Einen weiteren Tipp hat Möckesch für Privatpersonen dennoch – für den Fall, dass die Wasserhähne länger nicht geöffnet wurden, beispielsweise wenn man aus dem Urlaub zurückkommt: „Bei längerer Stagnation verändert sich zunächst die Wassertemperatur. Mit dem „berühmten“ kleinen Finger an der Wasserarmatur ist leicht feststellbar, wann wieder „frisches“ Wasser bezogen wird.“ Das Wasser, das dabei durchläuft, könne man dann zum Beispiel auffangen und zum Gießen verwenden. Hier solle man auch insbesondere auf Gartenschläuche achten, wenn diese längere Zeit nicht genutzt und dann etwa für eine Wasserdusche genutzt werden sollen.

