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FeuerwehrübungSchauplatz war in Swisttal das Örtchen Hohn

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Die Einsatzstelle ist unübersichtlich. Trotzdem wissen alle Beteiligten, was sie zu tun haben.

Die Einsatzstelle ist unübersichtlich. Trotzdem wissen alle Beteiligten, was sie zu tun haben.

Feuerwehr und Maltester probten den Ernst bei einem Massenanfall an Verletzten. 

Ein oder zwei Verletzte an einer Unfallstelle zu versorgen, ist für Feuerwehr und Rettungsdienst Routine. Bei einem sogenannten Massenanfall an Verletzten (Manv) sind genau Absprachen und Koordination notwendig, um alle Patientinnen und Patienen schnellstmöglich in Krankenhäuser zu bringen. Genau das übten die Freiwillige Feuerwehr Swisttal und mehrere Ortsgruppen des Malteser Hilfsdienst am Dienstagabend.

Rettungswachen aus Bornheim, Euskirchen, Rheinbach und Sankt Augustin beteiligt

„Wir machen diese Übung einmal im Jahr, beteiligt sind alle Rettungswachen der Malteser aus Bornheim, Euskirchen, Rheinbach und Sankt Augustin. In diesem Jahr haben wir auch die Feuerwehr mit einbezogen, um die Kommunikation und Zusammenarbeit bei der schnellen Rettung zu üben“, sagt Übungsleiter Thorsten Schuhmann. Beteiligt seien alle Auszubildenden des zweiten und dritten Lehrjahrs. „Wir sind schon gut, wollen aber noch besser werden. Das wollen wir den jungen Leuten mit auf den Weg geben.“

Zuschauen erlaubt: Die Dorfbewohnerinnen und -bewohner lassen sich das Spektakel nicht entgehen.

Zuschauen erlaubt: Die Dorfbewohnerinnen und -bewohner lassen sich das Spektakel nicht entgehen.

Schauplatz der Übung ist das Örtchen Hohn bei Vier Bänke. Der große Standortvorteil: hier passt absolut nichts. Ein paar Häuser, ein paar Pferde, kein Durchgangsverkehr in den vier engen Straßen. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfs haben mit Stühlen auf einem Anhänger Platz genommen, um des Spektakel zu verfolgen. Das Szenario ist ein schwerer Verkehrsunfall mit insgesamt 17 Verletzten.

Vor einer Bushaltestelle stehen drei Kleinwagen, die die Planer ineinander geschoben haben. Die Heckscheiben sind teilweise zerborsten, Glassplitter liegen auf dem Boden. Die Verletzten-Darstellerinnen und –Darsteller haben in den Autos Platz genommen oder liegen rund um das Wartehäuschen auf dem Boden. Um die Übung besonders realistisch zu gestalten, tragen sie geschminkte Wunden auf der Haut. Die Malteser haben dafür extra eine geschulte Einheit.

Zunächst fahren die zuständige Löscheinheit sowie drei Rettungswagen und zwei Notärzte vor – viel zu wenig für die hohe Anzahl an Verletzten. „Das haben wir oft, dass die Lage unklar ist und wir erst vor Ort erfahren, wie viele Betroffene es gibt. Wir müssen dann weitere Kräfte nachalarmieren, bis hin zur Auslösung des Manv“, sagt Karsten Windolph Pressesprecher der Swisttaler Feuerwehr.

Der Maltester-Hilfsdienst betreut die realistisch geschminkten Verletzten-Darsteller.

Der Maltester-Hilfsdienst betreut die realistisch geschminkten Verletzten-Darsteller.

„Anfangs gibt es eine Chaosphase, jeder will alle auf einmal retten. Das muss aber nach genauen Vorgaben ablaufen. Wichtig ist deswegen, in so einer Lage Ruhe zu bewahren und grob einzuschätzen, welche Patienten zuerst behandelt werden müssen. Danach müssen wir auf die Verletzungsmuster reagieren und in Absprache mit der Feuerwehr die richtigen Patienten zur richtigen Zeit aus den Fahrzeugen zu holen“, sagt Schuhmann.

Die befreie die Patienten mit schwerem Gerät aus den Fahrzeugen, sagt Windolph. „Der Einsatzleiter stimmt sich mit dem Rettungsdienst ab, wie das in einer realen Lage auch sein würde. Der Notarzt entscheidet, ob jemand sofort und ohne Rücksicht auf weitere Verletzungen aus dem Fahrzeug geholt werden muss oder ob man es langsam und schonend machen kann.“

Durch das Zerschneiden des Metalls und der Scheiben entstehen Splitter und feiner Staub, die sollte niemand abbekommen oder einatmen.
Karsten Windolph, Pressesprecher der Feuerwehr Swisttal

Nach und nach trifft Verstärkung am Übungsort ein, sowohl für die Feuerwehr als auch für den Rettungsdienst. 12 Rettungswagen sind vor Ort, dazu vier Krankenwagen und drei Notarztfahrzeuge – neben den Feuerwehrautos. Die Fahrerinnen und Fahrer müssen aufpassen, sich in dem kleinen Dorf nicht gegenseitig zuzuparken. „Wir von der Feuerwehr müssen mit unseren Autos möglichst nah dran, der Rettungsdienst muss zum Abtransport der Verletzten leicht herauskommen können“, sagt er.

Die Feuerwehrleute räumen zunächst ihr Werkzeug aus den Autos: Hydraulische Scheren, Spreizer und Holzblöcke zum Unterbau der Fahrzeuge. Auch der Löschangriff wird vorbereitet, falls ein Fahrzeug plötzlich brennen sollte. Alle Verletzten tragen eine farbige Karte um den Hals, die die Schwere ihrer Verletzungen darstellen. Während sich der Rettungsdienst um die Patientinnen und Patienten kümmert, die außerhalb der Fahrzeuge liegen, untersucht ein Notarzt die Insassen der Autos.

Karsten Windolph, Pressesprecher der Feuerwehr Swisttal.

Karsten Windolph, Pressesprecher der Feuerwehr Swisttal.

Die Feuerwehr bereitet indes ihre Befreiung vor: Sie bekommen einen Helm und eine FFP2-Maske aufgesetzt. „Durch das Zerschneiden des Metalls und der Scheiben entstehen Splitter und feiner Staub, die sollte niemand abbekommen oder einatmen“, erklärt Windolph. Einige Patientinnen und Patienten retten die Feuerwehrleute über die Heckklappe, andere durch die Tür. Nach einer Dreiviertelstunde sind die ersten Verletzten versorgt, an der Einsatzstelle herrscht ein riesiges Gewusel. Trotzdem weiß Jeder und Jede, was er oder sie zu tun hat. Die Verletzten werden auf Tragen zu einem Sammelplatz gefahren, um auf den Transport ins Krankenhaus vorbereitet zu werden – der bei der Übung natürlich nicht stattfindet.

„Die genaue Auswertung durch die Malteser erfolgt erst später, insgesamt lief die Übung aber gut. Die Auszubildenden brauchen schon mal etwas länger, aber dafür sind die erfahrenen Kräfte da und geben Hilfestellung“, resümiert Windolph. „Und dafür machen wir die Übung schließlich auch.“