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Kein KarnevalSwisttaler Vereine verzichten auf ihr Brauchtum

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Sonja II. und Udo I. (Ellmer), das einzige Er­wach­se­nen-Prin­zen­paar der Session in Swisttal, trat seine Re­gent­schaft im November an. 

Swisttal – Voller Hoffnung ist die „Swisttaler Karnevalsfamilie“ in die Session 2021/2022 gestartet. Die Tollitäten aus Heimerzheim, Ollheim und Morenhoven wurden im November unter Einhaltung aller pandemiebedingten Vorgaben erfolgreich proklamiert. "Es hat sich gezeigt: 2G funktioniert und zur Sicherheit ein zusätzlicher Test (2G+) wird die Rückkehr in die Säle in Swisttal und Umgebung ermöglichen", so erklärte Dominik Schweminski von der KG Mat Mött MIel für die Swisttaler Karnevalsfamilie . „Das Brauchtum kommt nach einem Jahr Abstinenz zurück!“, waren sich alle Beteiligten sicher.

Trauer bei den Gesellschaften

Einen Monat später ist die Hoffnung verschwunden. Stattdessen herrscht Trauer, Fassungslosigkeit und auch Unverständnis. Regierungsvertreter des Landes und die Spitzenvertreter des organisierten Karnevals, wie der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, sind am 14. Dezember überein gekommen, dass die bekannten Karnevalsformate mit dem aktuellen Infektionsgeschehen nicht in Einklang zu bringen sind. Jedoch wurden die Karnevalsveranstaltungen, so wie in der vorherigen Session, nicht untersagt. Stattdessen wurde empfohlen freiwillig zu verzichten. "Somit wird der „schwarze Peter“ und vor allem die alleinige Verantwortung den Vereinen zugeschoben. „Ihr dürft schon, solltet aber lieber nicht!“, so könnte man es in einem Satz zusammenfassen", meint Schweminski.

Keine Sicherheit bei der Planung

Nachdem der erste Schock sich gelegt hat, haben sich die Präsidenten, Präsidentinnen und Vorsitzenden aus Swisttal am Montag ausgetauscht. Bei aller Leidenschaft und Emotionalität, die die Verantwortlichen beim Karneval an den Tag legen, ist man sich einig geworden: Unter den aktuellen Gegebenheiten ist die Durchführung von Karnevalsveranstaltungen nicht möglich. Und das betreffe nicht nur das Infektionsgeschehen und die düstere Prognose des neu ins Leben gerufenen Expertenrats der Bundesregierung. "Für Veranstaltungen jeglicher Art brauchen die Ehrenamtlichen Planungssicherheit. Das fängt bei der Künstlerbuchung und der Saalanmietung an. Geht weiter über Getränke- und Essensversorgung bis hin zu Kellnern, Sicherheitsdienst und den vielen anderen Dingen, die es für solche Veranstaltungen eben braucht", teilte die Gesellschaften aktuell mit. Gleiches gelte selbstverständlich auch für die Karnevalsumzüge, auch hier sei Planungssicherheit von besonderer Wichtigkeit. Anträge müssten gestellt und Genehmigungen eingeholt werden. Über die Züge wurde man jedoch am 14. Dezember seitens Regierung und Spitzenverbände noch keine Aussagen treffen. Erst Ende Januar soll es eine Entscheidung geben. Schweminiski: "Da dies aber keine Grundlage für eine vorausschauende und strukturierte Planung ist, sind sich die Swisttaler auch hier einig und gehen bereits jetzt einen Schritt weiter: In dieser Session werden auch keinerlei Karnevalszüge in Swisttal durchgeführt."

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Die „Swisttaler Karnevalsfamilie“ sei sich einig, dass die Gesundheit an erster Stelle stehe und stelle sich daher solidarisch mit der großen Mehrheit der Gesellschaft. "Aber wir sind uns auch einig, dass eine klare Aussage seitens der Regierung ein deutlicheres Zeichen gewesen wäre, als die moralische Verantwortung auf die Vereine abwälzen", so die KGs.

Alle Verantwortlichen in Swisttal hoffen nun, "dass mit einer Erhöhung der Impfquote und der dazu erforderlichen Aufklärung seitens der Regierung und dem Vertrauen in funktionierende Konzepte dem Ausleben unseres Brauchtums Karneval dann in der Session 2022/2023 nichts im Wege steht".