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Verein "streetways"Bonner Studentin hilft Straßenkindern in Uganda

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Die Studentin Charlotte Weiss zeigt auf dem Laptop ein Bild ihrer Schützlinge aus Uganda.

Bonn – Charlotte Weiss ist eine aufgeschlossene junge Frau. Als sie 2013 ihr Abitur in Troisdorf ablegte, war ihr bereits klar, dass sie Medizin studieren wollte. Nur der Zeitpunkt schien ihr, die nach zwölf Jahren im sogenannten G 8-System die Hochschulreife erlangte, etwas verfrüht. Deshalb entschloss sie sich, mit der Organisation „weltwärts“ beim Roten Kreuz in der afrikanischen Republik Uganda ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren. Das machen viele junge Abiturienten. Im Fall von Charlotte Weiss veränderte dieses eine Jahr in Afrika ihre Einstellung zum Leben. Denn sie legte damit den Grundstein für ein besonderes humanitäres Projekt, das inzwischen zum Verein avancierte und dessen 1. Vorsitzende sie ist.

Als Charlotte Weiss sich mit einer bunt zusammen gewürfelten Gruppe in Tororo im Südosten des gleichnamigen Distrikts bei ihrer Station des Roten Kreuzes in Uganda einfand, tauchten da immer wieder Kinder und Jugendliche auf, die keine Familie hatten. Fußballspielen, gemeinsames Essen, Erzählen liebten diese verlassenen Kinder. Nach und nach entwickelte sich ein Vertrauensverhältnis zwischen den Helfern aus Deutschland und den Kindern aus Afrika. Es fanden Aufklärungsgespräche über Hygiene, Gesundheit, aber auch HIV-Prävention statt, und unter den Deutschen wuchs immer mehr der Wunsch, diese Betreuung nach der Abreise nicht abzubrechen.

Zu den afrikanischen Jungen gehört etwa Opio Geofrey, 14 Jahre alt, dessen Eltern nicht mehr das Schulgeld bezahlen konnten und ihn auf die Straße setzten. Oder: Elado, 17 Jahre alt, der vom Vater geschlagen wurde und davonlief und Okware, 14 Jahre alt, dessen Familie so arm war, dass sie ihn nicht mehr ernähren konnte und der deshalb von Zuhause abhaute, um selbst etwas zu verdienen – und strandete. Die Schicksale dieser Jungen ließen Charlotte und die andern Freiwilligen nicht mehr los.

Als die Zwanzigjährige, die nun im dritten Semester Medizin studiert, gesehen hat, wie Einheimische einen Backstein nach einem der Straßenkinder geworfen hat, verstand sie, wie weit unten die Jugendlichen, mit denen sie aß oder spielte, in ihrer eigenen Gesellschaft angekommen waren.

In der Zeit in Tororo, in der die Freiwilligengruppe die Jugendlichen moralisch unterstützte, erwuchs nach und nach die Idee, ein längerfristiges, einfaches und unkompliziertes Projekt zu initiieren, jenseits der großen, oft schwerfällig reagierenden Organisationen.

Seit Februar 2015 gibt es nun die inzwischen zum eingetragenen Verein avancierte Initiative „streetways“. Insgesamt elf Jungen zwischen 12 und 18 Jahren von den Straßen Tororos ist es nun möglich, eine Schulbildung zu bekommen in einem Bett (mit Moskitonetz) im Internat zu schlafen und regelmäßige Mahlzeiten zu erhalten. Die Schule trägt den Namen „Tororo Children of Promise School“.

Die wahrnehmbare positive Entwicklung der Jugendlichen sind Charlotte Weiss und ihren Mitstreitern Dank genug für ihr Engagement neben dem Studium. Ohne den Zusammenhalt unter den Freiwilligen wäre das undenkbar gewesen. Sie habe das Glück gehabt, in dieser Gruppe von Gleichgesinnten gewesen zu sein, alle hätten an einem Strang gezogen und geholfen.

Der Spendenaufruf in den eigenen Familien, unter Freunden und deren Familien in Deutschland trägt seitdem diese Projekt finanziell. In Uganda kann mit rund 33 Euro ein Kind im Internat versorgt werden. Sachspenden können nicht gut angenommen werden, weil der Transport oft teurer ist, als wenn man vor Ort etwa Kleidung oder Schuhe kauft. Auch die Malariamedikamente sind in Afrika wesentlich preisgünstiger als in Deutschland.

Die Kooperation mit dem verständigen Schuldirektor und Internatsleiter funktioniert sehr gut. Trotzdem möchte „streetways“ in naher Zukunft ein eigenes Haus mit einer Hausmutter für die Jungen organisieren. Nicht zuletzt, um nicht die Internatsplätze für andere Kinder zu blockieren.

Über Whatsapp halten die insgesamt acht organisatorisch wirkenden Vereinsmitglieder von „streetways“, die über ganz Deutschland verstreut wohnen, Kontakt zu ihrer Gruppe in Afrika. Es scheint tatsächlich so, dass das vielzitierte ugandische Sprichwort – gleichzeitig der Leitspruch von „streetways“ – ein Stück weit Wirklichkeit geworden ist: „Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, kann das das Gesicht der Welt verändern.“

Weitere Informationen unter: www.facebook.com/streetwaysuganda.de. Spendenkonto: Bankkonto: IBAN DE96 430 60967 4104 9353 00