Wachtberger Radarforscher feiern erfolgreiche Betriebsdemonstration ihrer Weltraumüberwachung. GESTRA hat von Koblenz aus seine Aufgaben locker erfüllt und selbst kleine Objekte erspäht.
Praxiserfolg für ForscherAntenne aus Wachtberg findet auch kleinste Objekte im Orbit

Vorderseite der in Wachtberg gebauten Radarantenne von GESTRA
Copyright: Fraunhofer FHR
Wenn Dinge nicht nur in der Theorie prima klappen, sondern auch als fertige Anlage, ist das ein Grund zum Feiern. Die Wachtberger Forscher im Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik (FHR) meldeten nun eine "vollständige Betriebsdemonstration" ihres Weltraumverfolgungsradars GESTRA, dessen Buchstabencode für German Experimental Space Surveillance and Tracking Radar steht. Das Gerät war von Fraunhofer entwickelt und in Wachtberg gebaut worden. Die erste Einheit ist auf der Schmittenhöhe bei Koblenz installiert worden, um möglichst ohne störende Strahlung den Weltraum beobachten zu können.
Seit Monaten muss sich die einzigartige Technik den Tests des Auftraggebers, der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR, unterziehen. Während der jüngsten Demonstration sind zwei verschiedene Suchvarianten ausprobiert worden: für die punktuelle Suche nach Objekten und für das Verfolgen sich bewegender Objekte. Im Weltraumlagezentrum gibt es Kataloge mit Objekten aus dem direkten Umfeld der Erde, so dass überprüft werden kann, was von dem System mit der Auswertung von ausgesendeten und reflektierten Radarstrahlen „erspäht“ wird.
Blickrichtung wechselt innerhalb von Millisekunden
Die beiden getrennten Antennen sind bei voller Bestückung mit jeweils 256 Einzelelementen versehen, die alle einzeln von einem extrem leistungsfähigen Verstärker angesteuert werden können. Allein die Sendeantenne hat einen Durchmesser von vier Metern. Im Schnitt spürte GESTRA damit mehr als 200 Objekte in der Stunde auf, darunter auch sehr kleine in mehreren Hundert Kilometern Entfernung. Das alles dank Wasserkühlung in Echtzeit bei großer Radarleistung. Innerhalb von Millisekunden können die Antennen ihre Blickrichtung ändern. „Damit ist GESTRA bei der Beobachtung von Weltraummüll nicht nur sehr dynamisch, sondern auch überaus sensitiv“, erklärt Jens Fiege, Sprecher von Fraunhofer FHR.
Die Ausrichtung des „Auges“ erfolgt mechanisch. Seine Hauptaufgabe soll darin bestehen, Weltraummüll zu entdecken, der einem der Tausende Satelliten gefährlich werden könnte. Auch die Sicherheit der Internationalen Raumstation hängt von dieser Überwachung ab. Sie befindet sich etwa 400 Kilometer von der Erde entfernt im Orbit.
